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„Grenzerfahrungen“ auf einer Hütte in zwei Ländern Das Purtscheller Haus am Hohen Göll

Dass eine Staatsgrenze über einen Berg verläuft ist keine Seltenheit. Aber eine Berghütte, durch die eine Staatsgrenze führt, ist nicht alltäglich. Auf dem Purtschellerhaus am Hohen Göll in den Berchtesgadener Alpen kann man auf der Terrasse wahlweise in Bayern oder im Salzburger Land sitzen.

Von: Marlene Thiele

Stand: 18.06.2022

„Grenzerfahrungen“ auf einer Hütte in zwei Ländern | Bild: BR; Marlene Thiele

Die Bergtour, die ich zusammen mit meiner Mutter unternehme, ist für sie eine Zeitreise.

Das Purtschellerhaus ist zweigeteilt. Die österreichische Seite ist komplett holzvertäfelt, die deutsche nur zur Hälfte.

Schon als kleines Mädchen war meine Mutter auf dem Purtschellerhaus im Bergurlaub mit ihren Eltern. Sie erinnert sich gut, wie sie schon damals die Tatsache fasziniert hat, dass man mit einem Bein in Österreich und mit dem anderen in Deutschland stehen konnte.

Die Tour beginnt am Bus- und Wanderparkplatz Klaushöhe. Dann geht es erstmal durch einen Wald.

Startpunkt unserer Tour ist die Klaushöhe, von Berchtesgaden gut erreichbar mit dem Wanderbus. Nach der Haltestelle folgen Mama und ich der Straße noch ein kleines Stückchen, dann geht es nach rechts einen Kiesweg bergauf. Links von uns plätschert ein Bach, es geht durch einen wunderschönen naturbelassenen Wald.

Die erste Lichtung – hier kann man beim Perlerkaser hausgemachten Käse essen oder die gewaltige Aussicht genießen.

Dann lichtet sich der Wald und gibt den Blick frei auf die Brotzeit-Hütte Perlerkaser und auf ein fantastisches Bergpanorama. Nächste Wegstation ist die Enzianhütte. Manchmal wird hier Schnaps gebrannt, aktuell ist aber niemand da. Wir steigen weiter auf einer breiten Forststraße. Bis zum Purtschellerhaus sind es nur an die eineinhalb Stunden, zuletzt geht es über treppenartige Stufen.

Blumen, Pilze, Insekten und Vögel – die Natur in den Berchtesgadener Alpen ist vielfältig.

Auch optisch ist das knapp 1700 Meter hoch gelegene Purtschellerhaus zweigeteilt: Die österreichische Seite ist komplett holzverschindelt, die deutsche Seite nur zur Hälfte, der untere Teil ist aus Stein. Die Hütte lebt vor allem vom Tagestourismus, erzählt Hüttenwirt Sigi Hinterbrandner. Den Hohen Göll machen die meisten Wanderer in einem Tag. Das Purtschellerhaus steht auf dem „Erkerfirst“, dem kammartigen Nordausläufer des 2252 Meter hohen Gipfels. Das Haus wurde im Jahr 1900 von der Sektion Sonneberg in Thüringen gebaut und dann im Laufe der Jahre immer wieder erweitert. Als die Sektion Sonneberg das Grundstück gebaut und gekauft hat, wusste man anscheinend noch nicht so genau, wo der genaue Grenzverlauf ist. Bei späteren Nachmessungen wurde festgestellt, dass die Grenze mitten durchs Haus geht.

Absteigen sollte man unbedingt auf dem österreichischen Weg. Das lohnt sich nicht nur wegen des Panoramas.

Auf der Terrasse kommt meine Mutter ins Gespräch mit einer Familie aus Krefeld: Frank und Alex sind mit den zwei erwachsenen Söhnen aufgestiegen und überwältigt vom Ausblick, der von den Chiemgauer Bergen über die Berchtesgadener Alpen bis hin zur Stadt Salzburg und ins Tennengebirge reicht. Bevor wir dann wieder absteigen, diesmal auf der österreichischen Seite, genießen wir noch den hochgelobten Kaiserschmarrn. Ob meine Mama das letztes Mal hier oben war am Purtschellerhaus? Ich habe meine Zweifel …


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