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Bim Bam Bum Wenn die Glocken Musik machen …

Glocken haben jahrhundertelang den Rhythmus des Lebens bestimmt. Sie haben die Menschen zum Innehalten gemahnt, zur Messe gerufen, Kriege angekündigt, den Frieden gefeiert. Von der Wiege bis zur Bahre haben sie die Menschen begleitet. Heute geben zwar digitale Zeitmesser den Takt vor, aber Musiker und Komponisten entdecken die Glocken gerade wieder neu.

Von: Joseph Berlinger

Stand: 05.12.2018 | Archiv

Die Schweizerin Magdalena Schatzmann hat auf der Alp zu den Glocken gefunden. Der Klang der Kuhglocken hat die Sennerin und Musikpädagogin inspiriert: Glocken bilden für sie einen Klangraum, in den sie sich hineinbegibt, der sie umgibt, sie aus dem Alltag herausholt und sie regelrecht erfrischt. Ein wahres Klangbad, abseits der bildungsbürgerlichen Instrumente wie Geige und Klavier. Glocken empfindet sie als essentiell, berührend, verführerisch.

"Sobald ich einen Ton anschlage mit einer Glocke, bin ich sofort umhüllt mit Klang. Ich bin umhüllt mit Schwingung, ich bin selber Schwingung. Die Schwingungen sind so stark, dass es in mir selber schwingt. Ich habe keine Grenzen mehr zwischen mir und dem Klang. Ich bin also in dem Klang drinnen, ich schwinge, und aus dieser Schwingung kreiert sich dann ein nächster Ton, es kreieren sich verschiedene Rhythmen - was auch immer passiert: ich folge."

Magdalena Schatzmann, Musikerin und Musikpädagogin, Sennerin und Käserin

Glockenklänge werden gern verkitscht. Von Rudi Schurike bis Franzl Lang werden sie besungen, wenn es um spießbürgerliche Heimattümelei geht. Aus dieser "spirituellen Heidschibumbeidschi-Ecke" möchte der junge Komponist Steven Heelein, ein gebürtiger Unterfranke, das archaische Instrument gern herausholen. Entscheidend für ihn war ein regelrechtes "Erweckungserlebnis" in Luzern: Das volle Geläut des Münsters hat ihn nicht mehr losgelassen. Der Glockenklang, so seine Erkenntnis damals, ist seine "ureigenste" Musik. Und dabei ist er geblieben, wenn er die Gelegenheit geboten bekommt - wie beim Katholikentag 2014 in Regensburg.

"Dass die Glocke eine unglaublich lange Geschichte hat, das schwingt natürlich dann auch mit, wenn man mit so einem Instrument arbeitet. Warum ich nicht so häufig für die Glocken schreibe, hat einfach was mit dem Aufwand zu tun. Die Stücke werden natürlich nicht häufig gebraucht, sondern nur zu besonderen Anlässen."

Steven Heelein, Komponist, Professor im Fach Dirigieren an der Hochschule für Evangelische Kirchenmusik Bayreuth, Dozent an der Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik Regensburg

Es geht auch ein paar Nummern kleiner: Der Kirchenmusiker Bastian Fuchs hat sich das Carillon-Spiel autodidaktisch beigebracht. Auf seinen 49 Glocken spielt er gern Selbstkomponiertes - aber auch, wenn es sein muss, einen Evergreen wie "Somewhere over the rainbow".           

"Die Mehrheit der Menschen kennt das Carillon nicht. Ich bin draufgekommen durch 'You Tube' eigentlich. Also durch diese Internet-Video-Plattform, vor ungefähr 10 Jahren. Glocken haben mich schon immer fasziniert, und Orgeln natürlich auch, aber dann mit einer Tastatur auf Glocken Musik machen zu können, das war was ganz was Neues."

Bastian Fuchs,  Kirchenmusiker, Assistent des Domkapellmeisters am Hohen Dom zu Eichstätt, passionierter Carillonspieler 

Für sein "Zeit-für-Bayern-Feature" hat sie Joseph Berlinger alle getroffen: Die Kuhglocken-Avantgardistin, die Glockenbegeisterten und die Glockennarren. Am Ende wird er selbst noch zum Glocken-Klang-Fänger. Als sich bei einer Reportage am 28.10.2018 der Klang des 12-Uhr-Geläuts am Regensburger Dom mit den Trommeln einer Samba-Truppe mischt, entsteht seine Komposition "Zwo-Acht-Eins-Null-Zwo-Null-Eins-Acht-Eins-Zwo-Null-Null". Nachzuhören in Zeit für Bayern.

Sprecher ist Johannes Silberschneider

Der Theater- und Filmschauspieler Johannes Silberschneider, gebürtiger Österreicher und Wahlmünchner, spricht in regelmäßigen Abständen für Zeit für Bayern. Silberschneider war bereits in über 100 Fernsehproduktionen und Kinofilmen zu sehen. Im Jahr 2002 wurde der Kurzfilm Copy Shop von Virgil Widrich, in dem Johannes Silberschneider die Hauptrolle spielte, für den Oscar als Bester Kurzfilm nominiert. Seit dem Sommer 2013 steht Silberschneider als Armer Nachbar in der Jedermann-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen auf der Bühne.


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