Bayern 2


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Zwiefacher oder Schuhplattler Vom taktvollen Umgang zwischen Ober- und Niederbayern

Wer hat's erfunden? Der Zwiefache ist typisch für die Region Niederbayern/Oberpfalz. Der älteste schriftliche Beleg von 1730 liegt im Stadtarchiv Amberg. Dafür kommt der Schuhplattler aus dem südbayerischen Raum. Je tiefer es in die Bergregionen hineingeht, um so kraftvoller wird der Tanz.

Von: Andreas Pehl

Stand: 10.02.2021 | Archiv

Zwiefacher oder Schuhplattler, Jodler oder Landler, Zither oder Alphorn. Für Touristen ist das alles bayerische Volksmusik. Sie machen keine regionalen Unterschiede. Anders sehen es die Verfechter ursprünglicher bayerischer Traditionen. Würde es nach ihnen gehen, dürfte bei einem oberbayerischen Hoagascht kein Zwiefacher gespielt und bei einer oberpfälzischen Sitzweil kein Schuhplattler getanzt werden. Die Meisten nehmen es gelassen.

"Volksmusik ist meines Erachtens eine absichtslose Unterhaltung mit Tönen von sich selber und manchmal dürfen auch andere zuhören… Das ist einfach eine schöne Kommunikation der Menschen untereinander. Weil sie sich selbst nicht so wichtig nimmt und weil es eine angenehme Äußerung von seinem Innersten der Umwelt gegenüber ist."

Stofferl Well, bayerischer Musiker

Der vertrackte Takt beim Zwiefachen

Der Zwiefache heißt Zwiefacher, weil er kein Einfacher ist, sagt Stofferl Well. Der Rhythmus wechselt ständig zwischen Zwei-Viertel- und Drei-Viertel-Takt und beim nächsten Dreh wieder anders rum. Dieser Taktwechsel ist einer der Gründe für den Namen, aber - zwiefachgetreu - gibt es auch noch eine zweite Erklärung: Er ist einer der ersten Paartänze, nachdem es vorher hauptsächlich Reigentänze gab. Auf jeden Fall ist der Zwiefache eine Herausforderung.

"Wenn ich ihn einmal raus habe, ist es das Schönste der Welt, auf einen Zwiefachen zu tanzen. Wenn ich ihn nicht raus hab, ist es für mich, und meistens für den, der mit mir tanzt, das Schlimmste der Welt. Weil ich natürlich ständig den irgendwann anrumple oder auf die Zehen trete."

Roland Pongratz, Leiter der Volksmusikakademie in Freyung

"Du musst das vom Kopf ins Herz in die Füße laufen lassen und möglichst wenig darüber nachdenken."

Katharina Mayer, Tanzmeisterin

Seit 2016 ist der Zwiefache immaterielles bayerisches Kulturgut. Von Niederbayern und der Oberpfalz aus hat sich die Musik über weite Teile Bayerns und darüber hinaus verbreitet. Und überall heißt er anders. In ostbayerischen Gegenden wird der Zwiefache auch „übern Fuß“ genannt, weil sich die Tanzpartner oft auf den Fuß treten. In Altbayern heißt er "Trazeter", in Schwaben und in Mittelfranken "Schweinauer" und im Schwarzwald ist er als "Heuberger" bekannt.

Wie der Schuhplattler in die Oberpfalz kam

Mehr noch als der Zwiefache zählt der Schuhplattler zu den markanten Aushängeschildern der bayerischen Volksmusik. Sein Ursprung wird weit zurück im Mittelalter vermutet, als ritterlicher Werbungstanz. Ende des 19. Jahrhunderts verglich ihn der Münchner Mundartdichter Karl Stieler mit dem Balztanz des Auerhahns. Aber unabhängig von seinen Urformen gilt der Schuhplattler als typischer Volkstanz aus Oberbayern. Trotzdem wird auch mitten in der Oberpfalz geplattelt. Es gibt sogar einen eigenen Heimatverein. 1924 wurde in Tirschenreuth der Gebirgstrachtenerhaltungsverein "D’Werdenfelser" gegründet.

"Anfang des letzten Jahrhunderts hat es in der nördlichen Oberpfalz viel Windbruch gegeben in den Wäldern. Und aus dem Werdenfelser Land sind die Arbeiter gekommen. Und sie haben ihr Gewand und ihre Bräuche mitgebracht, die Schuhplattler und ihre Musik dazu."

Florian Busl, Vorstand des Trachten- und Heimatvereins 'D’Werdenfelser', Stamm Tirschenreuth

So schlug die traditionelle Volksmusik aus dem Oberland auch in der Oberpfalz ihre Wurzeln.

Volksmusik hat viele Einflüssse

Über lange Zeit ist Volksmusik nicht aufgeschrieben worden. Die einfachen Leute kannten keine Noten. Die Stücke wurden mündlich überliefert und jeder Musiker hat sie auf seine Weise weiterentwickelt. Über Wanderarbeiter hat sich die Musik verbreitet und gleichzeitig neue Einflüsse aufgenommen. Erst im vergangenen Jahrhundert wurde damit begonnen, Volksmusik systematisch zu sammeln, zu notieren und damit auch örtlich zu belegen. Obwohl Volksmusik keine lokalen Grenzen kennt, haben die Regionen doch ihren eigenen Klang. Jodler und Alphörner dienten nachweislich dem Nachrichtenaustausch in Gebirgsgegenden. Und Holzinstrumente sind dort daheim, wo es viele Wälder gibt.


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