Bayern 2


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"Zutritt verboten!" Sind Unbefugte auch Menschen?

Das moderne Leben ist ohne Verbote und Zugangsbeschränkungen kaum denkbar. Doch auch in der bayerischen Geschichte finden sich genügend Beispiele für Einschränkungen durch die Obrigkeit.

Von: Thomas Kernert

Stand: 11.04.2021 | Archiv

Man darf nicht ...
du sollst nicht ...
es ist verboten ...

Wir lieben Verbote

Verbotsschild im Biergarten

So eisig, so streng, so anmaßend dies klingt, wir lieben Verbote. Wir lieben Verbote, weil Verbieten einfach und billig ist. Verbote lassen sich völlig talentfrei produzieren und reproduzieren. Man braucht nur jemand, der sie befolgt. Doch der findet sich immer und überall, denn Fakt ist: Verbote schaffen Klarheit, Orientierung, Ordnung. Verbieten ist wie aufräumen, wie putzen, wie desinfizieren. Wer mag es nicht gerne sauber?

Man darf nicht lügen!
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus!
Es ist verboten, mitgebrachte Speisen im Biergarten zu verzehren!

Auch in Bayern liebt man die Hygiene. Damit kein Dreck ins Bier kommt, hat man den Bierdeckel erfunden. Damit kein falsches Argument in die Politik kommt, hat man die CSU erfunden. Damit jeder Bayer weiß, wo er hingehört, hat man das Verbotsschild erfunden.

"Zutritt verboten"

Security-Mann vor einer Firmenpforte

Auch wenn wir uns als „freie Bürger“ definieren, gehört das Diktum „Zutritt verboten“ zu unseren stillen Alltagserfahrungen: Wir dürfen nicht den Rasen, die Baustelle, das Privatgrundstück betreten. Geschlossene Gesellschaften, geheime Projekte und exklusive Veranstaltungen zeigen uns eiskalt den Rücken.

In jedem besseren Firmenfoyer haben wir ohne gültige Chipkarte keine Existenzberechtigung. Wer dies bei der Empfangsdame moniert, wird freundlich aber bestimmt auf die Straße gelächelt.

Verbote werden meist wortlos akzeptiert

Selbst in der virtuellen Welt stehen Türsteher en masse herum und lassen uns ohne Passwort gnadenlos verhungern. Und was machen wir? Durch den allgemeinen Zivilisationsprozess normiert, standardisiert und diszipliniert, ignorieren wir all diese Verbote, indem wir sie wortlos akzeptieren.

Befugt oder Unbefugt?

Man hüte sich vor der Annahme, ein freier Mensch zu sein!

Doch selbst wer mit weißer Weste durch die Welt spaziert und über tausend Chipkarten verfügt und über einen digitalen Passwortmanager mit integrierter automatischer Generierung hochkomplexer Zeichenabfolgen, hüte sich vor der Annahme, ein freier Mensch zu sein. Viel häufiger als ein Befugter ist und bleibt er ein Leben lang ein Unbefugter, einer, der aus welchen Gründen auch immer, draußen bleiben muss.

Niemand kommt überall rein!

Was übrigens auch ganz gut so ist, denn der meiste Dreck liegt nicht vor, sondern hinter der Tür. Woraus folgt: Unbefugten bleibt im Zweifelsfall eine Menge erspart!

Vom „Baiovarius“ zum Corona-Lockdown

Thomas Kernert singt ein Klagelied in klaustromanen Zeiten, wobei er sich natürlich auch in die bayerische Geschichte begibt, wo es vor Verboten, Verbotsschildern und Zugangsbeschränkungen in alle Richtungen nur so wimmelt, angefangen beim allerersten je schriftlich erwähnten „Baiovarius“ bis hin zum aktuellen Corona-Lockdown.


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