Bayern 2


11

Bio in und aus Bayern Die Zukunft der Öko-Landwirtschaft bleibt umstritten

Rund 11 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche werden in Bayern ökologisch bewirtschaftet. Damit ist Bayern deutschlandweit Spitzenreiter – aber bis zu den vom Volksbegehren "Rettet die Bienen" geforderten 30 Prozent ist es noch ein weiter Weg.

Stand: 13.02.2019

Eine Kuh auf einer Wiese. | Bild: BR/Herbert Ebner

Mehr als 800 Betriebe stellten laut bayerischem Landwirtschaftsministerium 2018 auf eine ökologische Wirtschaftsweise um. Das gab Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) im Vorfeld der Nürnberger Messe Biofach für Bio-Lebensmittel bekannt. Damit sei die Gesamtzahl auf rund 9.900 Betriebe gewachsen, die zusammen 345.000 Hektar nach ökologischen Vorgaben bewirtschafteten. In Bayern werden also gut 11 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche ökologisch bewirtschaftet.

Zum Vergleich: Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen

Ende 2017 wurden in Nordrhein-Westfalen von 2.071 landwirtschaftlichen Betrieben 82.487 Hektar Fläche ökologisch bewirtschaftet. Das sind 6,6 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe und 5,7 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in NRW.

In Niedersachsen bewirtschafteten Ende 2017 1.793 Betriebe knapp 100.000 Hektar ökologisch – knapp 3,6 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche.

Ziel des Volksbegehrens: 30 Prozent Öko-Anbauflächen

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen – Gegen das Artensterben" zielt unter anderem auch auf mehr ökologische Landwirtschaft ab. Die Initiatoren wollen ein strengeres Naturschutzgesetz durchsetzen – und haben dafür einen Gesetzentwurf vorgelegt, den die Stimmberechtigen in Bayern mit ihrer Unterschrift unterstützen konnten.

Einer der Punkte, über den sich Befürworter und Gegner des Volksbegehrens streiten, ist das Ziel, ab 2030 mindestens 30 Prozent der Anbauflächen in Bayern ökologisch zu bewirtschaften – also deutlich mehr als heute. Weitere Ziele des Volksbegehrens: mehr Blühwiesen, weniger Pestizide und vernetzte, fünf Meter breite Randstreifen an allen Bächen und Gräben, auf denen die Landwirte keinen Ackerbau betreiben dürfen.

Wie viel Öko soll es sein?

Kritik am Volksbegehren gab es unter anderem vom Bayerischen Bauernverband. Die Landwirte würden zum Sündenbock gemacht, sagte Bauernpräsident Walter Heidl.

Die "Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft" (AbL) gehört dagegen zu den Bündnispartnern des Volksbegehrens. Die AbL versteht sich als Interessensvertretung für konventionelle und ökologische Betriebe. Im Interview mit dem Evangelischen Pressedienst betonte die AbL-Vorsitzende Gertraud Angerpointner, freiwillige Maßnahmen reichten nicht aus, um die Artenvielfalt zu schützen. Deswegen gebe es auf regionaler Ebene bereits Agrarbündnisse, bei denen verschiedene Akteure – Naturschützer wie Bauern – zusammenarbeiteten.

"Der Bauernverband macht Stimmung und schürt die Existenzängste der Landwirte. Uns Kleinbetriebe stellt er dabei gern als Leidtragende hin, obwohl das gar nicht stimmt. Denn das Volksbegehren macht keinen Unterschied zwischen kleinen und großen Höfen – und uns Kleinen fällt die Umstellung auf mehr Artenschutz leichter als den Großen."

Gertraud Angerpointner, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)

Für die bayerische Landwirtschaftsministerin grenzt die Forderung des Volksbegehrens nach 30 Prozent Ökolandwirtschaft an "Planwirtschaft", wie sie Anfang Februar auf dem Imkergespräch in Starnberg sagte. Bauernpräsident Heidl bezweifelte dort das Ausmaß des Artensterbens und forderte laut Süddeutscher Zeitung fundierte Zahlen, "die nicht von Laien gesammelt wurden".

"Praxisfremde Forderungen"

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger reagierte auf die erreichte Unterschriftenzahl des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" mit der Warnung, es entstünden wohl Mehrkosten für die Bevölkerung, und spricht von "praxisfremden Forderungen": Als Beispiel nannte der studierte Landwirt die Forderung, Wiesen nach dem 15. März nicht mehr zu walzen. "Es gibt aber Gegenden, da liegt am 15. März noch Schnee. Jetzt kann ich nicht den Bauern sagen: Du musst entweder bei Schnee walzen oder du darfst gar nicht mehr walzen."


11