Bayern 2


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Frauen in Not Zu wenig Platz und Personal in Frauenhäusern

Frauenhäuser sollen als Zufluchtsort für Frauen bereitstehen, die Schutz vor ihrem gewalttätigen Partner suchen. Viele werden aber abgewiesen, weil es zu wenig Platz in Frauenhäusern gibt.

Stand: 11.09.2018

Frau sitzt mit dem Rücken zur Kamera auf einem Bett, vor sich Stockbetten für Kinder | Bild: picture-alliance/dpa

Alle 38 staatlich geförderten Frauenhäuser in Bayern haben zu wenig Plätze. Faktisch herrscht vielerorts Aufnahmestopp. Im Schnitt sucht bayernweit jede zweite betroffene Frau vergebens nach einem Schutzplatz. Doch es fehlt nicht nur an Plätzen, sondern auch an Personal. Die Förderrichtlinien des Freistaats für die Frauenhäuser aus dem Jahr 1993 sind längst veraltet.

Flucht vor Gewalt und Psychoterror

Erst einmal geht es um die Sicherheit der Frauen, die Schutz in einem Frauenhaus suchen. Anonym und abgeschottet finden sie hier allein oder mit ihren Kindern einen Zufluchtsort. In einem weiteren Schritt soll die Zeit im Frauenhaus als Startrampe für ein neues Leben dienen. Deshalb werden auch Beratung und Therapie für die Frauen und ihre Kinder angeboten.

Zu wenig Personal für Unterstützung

Die Frauen sollen wieder die Kontrolle über ihr Leben bekommen - das ist eines der Ziele der Frauenhausmitarbeiterinnen. Dafür braucht es viel Beratung, Therapie und Zuwendung, gerade wenn auch noch Kinder involviert sind, die die Gewalt mitansehen mussten. Katharina Boes vom Sozialdienst katholischer Frauen kritisiert, dass viel zu wenig Personal und finanzielle Unterstützung dafür da sind. Dabei müsse dringend verhindert werden, dass diese Kinder zu den nächsten Opfern und Tätern werden, wenn sie einmal erwachsen sind.

Mehr Frauen abgewiesen als aufgenommen

Im Frauenhaus des Sozialdienstes katholischer Frauen in Würzburg kommt es sehr häufig vor, dass Frauen aus Platzmangel abgewiesen werden müssen, beklagt Leiterin Katharina Boes. Eine schreckliche Situation für die betroffenen Frauen wie für die Mitarbeiterinnen. Ein Grund für die dauernde Vollbelegung ist die lange Verweildauer der Frauen. Die ist in den Förderrichtlinien von 1993 nur mit sechs Wochen angesetzt. Im Schnitt bleiben aber gerade Frauen mit Kindern weit über fünf Monate, weil sie woanders keinen Platz finden.

Wohnungsnot verschärft Platzmangel

Die lange Verweildauer der Frauen hängt mit der Wohnungsnot gerade in Ballungszentren zusammen. Eine Wohnung zu finden als alleinstehende Frau, womöglich mit Kindern, scheint in vielen Städten eine unlösbare Aufgabe. Selbst mit Sozialhilfe gelingt es kaum bzw. dauert viele Monate. Frauenhausleiterin Franziska Boes beklagt, dass es viel zu wenig Sozialwohnungen gibt. Doch nur mit einer eigenen Wohnung kann ein echter Neuanfang gelingen.


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