Bayern 2


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Landschaft der Mönche Das Erbe der Zisterzienser in Oberfranken

Die "Grauen Mönche" prägten in ganz Europa den Raum rund um ihre Wirkungsstätten auf ähnliche Weise, ob im französischen Morimond, im österreichischen Zwettl - oder eben im fränkischen Ebrach. Kirsten Zesewitz wanderte auf den Spuren der Zisterzienser durch Oberfranken und entdeckte eine universelle europäische Landschaft.

Von: Kirsten Zesewitz

Stand: 10.05.2018 | Archiv

Das Tal war sumpfig und abgeschieden. Doch genau das war es, wonach die Grauen Mönche suchten. Im Jahr 1127 kamen die Zisterzienser ins Tal der Ebrach, eine Region, in der sie so leben konnten, wie es ihrem ebenso von Arbeit wie von Frömmigkeit geprägten Credo entsprach. Dazu gehörte auch die Produktion eigener Lebensmittel für die Klöster.

Die Mönche hinterließen ihre Spuren in der Landschaft rund um Ebrach

Das Amtsschloss in Burgwindheim

Dank der hervorragenden Kenntnisse der Zisterzienser in Schafzucht, Weinbau und Waldbewirtschaftung entstanden im Laufe der Zeit umfangreiche Grundherrschaften mit einem ausgeklügelten System von Höfen, die sich wie Ringe um das jeweilige Kloster legten. Bis heute finden sich davon Spuren in der Landschaft rund um das fränkische Ebrach: historische Wege, alte Weinberge, Teichketten und Buchenwälder – und Bauwerke wie das Amtsschloss in Burgwindheim oder die ehemaligen Wirtschaftshöfe in Waldschwind oder Winkele.

Soweit die Geschichtsschreibung. Ich muss an Winfried Schenk denken. Sein Grinsen, als ich nach der Einsamkeit frage. Der Professor forscht seit 30 Jahren zu den Zisterziensern und sagt: das mit der Einsamkeit sei wohl eher eine gelungene Form mönchischer Propaganda gewesen:

"Sie müssen sich vorstellen, dass wir im Hochmittelalter sind, und das ist die Zeit mit der höchsten Siedlungsdichte in Europa. Es gab viele kleine Siedlungen; im Prinzip war das Land besetzt, wenn man so will. Jetzt kommen da Mönche an, die einen Siedlungsplatz wollen. Im Prinzip ist alles belegt. Sie haben aber das Privileg bekommen, an einer Stelle doch siedeln zu dürfen, in einem Talschluss, am Ende eines Bachlaufes, dort, wo Bäche zusammenlaufen. Dort ist es unwirtlich, dort hat man einfach nicht gesiedelt. Und diese Stelle durften die besiedeln."

Winfried Schenk, Geschichtsprofessor

Also war die Gegend damals weder unbesiedelt, noch rundum unwirtlich. Es gab Wasser. Zur Fischzucht und zum Bau von Mühlen. Es gab Wald. Und spätestens als die Mönche das erste Mal über die Gebirgskante nach Süden wanderten, sahen sie, dass man hier Wein anbauen konnte und Getreide.

Das Kloster wird heute als Jugendstrafanstalt genutzt

Blick auf den Innenhof der heutigen JVA Ebrach

Die Mönche blieben fast 700 Jahre. Sie prägten das Land und die Menschen. Jahrhundertelang kontrollierte die Abtei halb Oberfranken; bis an den Main reichte ihr Einfluss. Von Ebrach breitete sich der Orden nach Osten aus: Kloster Rein, Heilsbronn, Langheim, Nepomuk, Aldersbach… Die Äbte agierten als Grundherren und Richter über  Lehnsleute, Knechte und Hörige: Ganze Dörfer waren abhängig. Die Macht der Mönche durchdrang die gesamte Region.

Der Name Ebrach jagt einem Steigerwälder bis heute Schauer über den Rücken. Vielleicht auch, weil die Gebäude des alten Klosters heute als Justizvollzugsanstalt genutzt werden.

Die Sendung "Landschaft der Mönche" - Kirsten Zesewitzs Rundgang durch Oberfranken anhören können Sie durch einen Klick auf das große Bild oben.


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