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Legal und kostenlos Zeltplatz soll Wildcamping im Nationalpark verhindern

Wildcamping ist ein Problem im Nationalpark Bayerischer Wald - besonders seit den Corona-Lockdowns. Jetzt soll ein neuer Zeltplatz Abhilfe schaffen. Doch so ganz abgeschieden in der Natur liegt er nicht – aus Gründen.

Von: Andreas Strobel

Stand: 03.08.2022 12:00 Uhr

Kurz bevor es dunkel wird im Nationalpark: Wer Glück hat, erlebt einen schönen Sonnenuntergang. | Bild: BR/Andreas Strobel

Eine schmale Straße führt knapp zwei Kilometer in den Nationalpark Bayerischer Wald hinein, immer weiter bergauf, rechts und links nichts als Bäume. Wer sie entlang fährt oder läuft, landet an einer Kreuzung, die die Mini-Siedlung Scheuereck ankündigt. Hier gibt es eine Handvoll Häuser, ein Hirschgehege und aus allen Richtungen kreuzen Wanderwege. Weil Scheuereck im Nationalpark Bayerischer Wald liegt, ist Campen hier eigentlich streng verboten. Das zeigt auch ein Schild, das Wohnmobile auf dem anliegenden Wanderparkplatz nachts verboten hat. Bisher.

Vier offizielle und kostenlose Plätze für Zelte

Am Wanderparkplatz darf man inzwischen auch im Wohnmobil schlafen – nach vorheriger Anmeldung.

Inzwischen ist das Schild mit dem Nachtparkverbot abgeklebt: Es gibt nun vier offizielle Stellplätze für Wohnmobile und seit diesem Sommer auch einen kleinen Zeltplatz für bis zu vier Zelte oder Zeltgruppen. Er ist terrassiert, hat einen ebenen Grasboden, bietet Sitzgelegenheiten und einen Wasseranschluss. Zwei Nächte darf man bleiben, kostenlos – nur eine Anmeldung beim Haus der Wildnis ist Pflicht.

Wichtigste Regel: Bitte Ruhe!

Am späten Nachmittag wird es sehr ruhig im Nationalpark, mit etwas Wetterglück können Camper*innen einen Sonnenuntergang über dem Großen Falkenstein genießen. Und sich dabei am besten möglichst still verhalten. Denn allein die Anwesenheit des Menschen im Nationalpark kann empfindliche Tierarten stören. Das ist auch der Grund, weshalb die Nationalparkverwaltung den Zeltplatz angelegt hat.

Menschen verdrängen Tiere in Randzeiten

Reinhold Gaisbauer arbeitet bei der Nationalparkverwaltung, er hat den Zeltplatz mit aufgebaut. Viele Tierarten würden durch den Menschen sowieso in die Dämmerung oder Nachtstunden gedrängt. Und wenn dann noch Wildcamper im Wald übernachten, "ist es natürlich dann ein besonderes Problem, wenn auch nachts Unruhe im Wald herrscht", sagt Gaisbauer.

Optimal für Freizeitsportler*innen

Auf dem Zeltplatz gibt es vieles, was das Übernachten angenehmer macht, zum Beispiel den Wasseranschluss und die Sitzbänke, aber auch eine Trockentoilette. Der Zeltplatz ist besonders für Menschen spannend, die hier zum Wandern herkommen – oder anderweitig Sport treiben. Wie etwa Carlos Lang, der die 180 Kilometer von seinem Wohnort Neumarkt in der Oberpfalz hergeradelt ist.

Alternative für Wildcamper?

Er verbringt die Nacht nur in seinen Schlafsack eingehüllt. Er kann sich vorstellen, dass einige Menschen nun lieber hier übernachten als illegal im Wald. Aber er fügt an: "Ich denke, es gibt immer noch Leute, die am Gipfel oben übernachten wollen." Ob der Zeltplatz diese Leute auch anspricht, da ist er sich nicht sicher.

Bewusst nicht fernab jeder Infrastruktur

Auch die Nationalparkverwaltung weiß natürlich, dass mit dem Zeltplatz nicht alle Wildcamper*innen von heute auf morgen verschwinden werden. Der Zeltplatz liegt eben nun mal nicht fernab jeder Infrastruktur – eine bewusste Entscheidung, erklärt Reinhold Gaisbauer. "Das Ziel war eigentlich, die Übernachter aus der Fläche im Nationalpark rauszubringen. Hätte man das in den Hochlagen gemacht, hätte man die Leute in die Bereiche gelenkt, wo sie nachts nicht sein sollten."

Wer illegal campt, muss zahlen

Seit diesem Sommer gibt es den Zeltplatz in Scheuereck.

Als Mittel gegen Wildcampende patrouillieren weiterhin Parkranger in den späten Abend- und frühen Morgenstunden. Wer beim Übernachten erwischt wird, muss den Nationalpark verlassen und riskiert außerdem ein Bußgeld und eine Anzeige. Der legale Zeltplatz ist also nicht nur aus Liebe zur Natur die bessere Wahl.

Kompromiss zwischen Mensch und Natur

Ganz allein und abgeschieden im Nationalpark schlafen, das bleibt also weiterhin illegal. Trotzdem bietet der Zeltplatz einen Kompromiss aus viel Natur, aber eben auch Begegnungen mit anderen Menschen. Radler Carlos Lang zum Beispiel wird bei seiner Übernachtung um kurz vor sieben Uhr von vorbeifahrenden Autos geweckt – die Nationalparkverwaltung fängt an diesem Morgen an, am Hirschgehege zu arbeiten. "Es ist halt unter der Woche, ist verständlich", findet Lang.

Möglichst viele Wildcamper abhalten

Reinhold Gaisbauer von der Nationalparkverwaltung versichert: Dass hier direkt in der Nähe gearbeitet wird, sei eher eine Ausnahme. Und er weiß natürlich um die Nachteile der Lage des Zeltplatzes: "Es werden bestimmt nicht alle davon angesprochen", sagt Gaisbauer. "Aber jedes illegale Nachten, das wir dadurch verhindern, ist schon wieder ein Vorteil für die Natur."


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