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Wunder der Natur Eine Mulmhöhle - was ist denn das?

Wer eine Mulmhöhle finden will, muss meist nicht weit laufen. Es gibt sie selbst in der Großstadt. Hier findet man sie am wahrscheinlichsten in einem Park. Es müssen dort Bäume stehen, und zwar alte. Und wenn sie außen so ein wulstiges Gebilde haben, ist man fündig worden. Doch wie entsteht so eine Mulmhöhle überhaupt? Geheimnisvolle Phänomene und Wunder der Natur - kurz erklärt.

Von: Renate Roßberger, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 19.11.2018

Mulmhöhle in einem Baum | Bild: BR/Renate Roßberger

Was braucht ein Baum für eine Mulmhöhle?

Zeit ist eine Vorsetzung, dass ein Baum eine Mulmhöhle ausbilden kann. Das Spannende an einer Mulmhöhle ist, dass sie über Jahrzehnte bis Jahrhunderte entsteht. Äußerlich ist ein Baum dann noch gesund, kann aber über hundert Jahre langsam innendrin vor sich hin faulen.

Was ist Mulm und wie entsteht eine Mulmhöhle?

Mulm ist das fasrig-bröckelige Endstadium der Holzzersetzung. Der Spalt im Baum entsteht zum Beispiel durch einen Blitzschlag. Oder es bricht ein großer Ast ab. Auch ein Frostriss kommt in Frage. In jedem Fall dringen Bakterien an der verletzten Stelle des Baums ein und fressen ihn dann quasi bei lebendigem Leib. Tok, tok, tok - macht dann meist ein Specht weiter.

Der Specht klopft nicht nur den Spalt größer, er zieht auch in die Höhle ein. Nachdem er eine Weile darin gewohnt hat, folgen bald die Nachmieter. Manche Höhle wird zur WG. Unten übernachtet eine Taube, an der Decke schnarcht die Fledermaus. Auch der Waldkauz nutzt die Mulmhöhle gern.

Die Mulmhöhle und seine Bewohner

Außerdem ist eine Mulmhöhle auch ein Habitat für jede Menge Insekten. Allen voran Totholzkäfer, wie etwa der seltene Juchtenkäfer, der den Bau des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 verzögert hatte. Er ist besonders spezialisiert auf Mulmhöhlen, denn seine Larven fressen in der Wand zwischen Mulmkörper und Noch-Holz. Es gibt auch noch eigene Schwebfliegenarten, deren Larven nur in diesen Mulmhöhlen leben.

Und auch sogenannte Pseudoskorpione wie der Bücherskorpion leben gerne in Mulmhöhlen. Sie können zwar nicht fliegen, reisen aber per Anhalter - nämlich auf dem Rücken von Totholzkäfern. Speckkäfer leben von den Speiseresten, die der Waldkauz in den Mulm fallen lässt.

Die Mulmhöhle - ein eigenes Universum im Baum

Während außerdem noch 50 bis 60 Pilzarten und allerlei Bakterien munter mitknabbern in der Mulmhöhle und sie immer größer werden lassen, lebt der Baum die ganze Zeit weiter, oft jahrhundertelang. Nährstoffe und Wasser fließen ganz außen in der dünnen Schicht zwischen Rinde und Holz. Weiter innen aber entsteht jener spezielle Lebensraum, den es sonst nirgendwo gibt. Und wenn dann diese Kleinstlebewesen irgendwann doch so viel gefressen und zersetzt haben, dass die Statik leidet, fällt der Baum um. Und stirbt. Aber bis dahin ist in seinem Inneren ein komplettes Universum entstanden.


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