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Wunder der Natur Münchner Graugänse: Warum fliegen sie nicht weg?

Ab in den Süden! Alles, was ein Zugvogel ist, hat sich im Herbst längst über alle Berge gemacht. Deswegen verwundert es schon, dass in München noch Graugänse herumsitzen. Sind die anderen ohne sie abgeschwirrt? Ist ihr Bleiben gar eine dramatische Folge des Klimawandels? Glücklicherweise ist es nicht so.

Von: Barbara Fuß, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 20.11.2018

Im Herbst lassen sich am Münchner Himmel häufig Formationen von Gänsen beobachten. Die herbstliche Fluglust, die auch die Münchener Gänse instinktiv packt, ist genetisch vorgeprägt. Aber auch wenn es aussieht, als ob sie in den Süden fliegen wollten. Sie tun es nicht.

Fliegen schon, aber nicht weiter weg

Der Grund, warum die Münchner Graugänse nicht wegfliegen, liegt in der Vergangenheit. In Deutschland waren Gänse lange Zeit geradezu ausgestorben. Und zwar einfach, weil sie bejagt worden waren. Erst etwa um die 1960er Jahre herum, mit der Verhaltungsforschung von Konrad Lorenz, wurden Graugänse auf einmal richtig interessant. Vielerorts wurden Graugänse angesiedelt.

Die Graugänse haben quasi das Ziel aus den Augen verloren

Deshalb ist auch in München davon auszugehen, dass eigentlich alle Graugans-Populationen aus dieser Zeit stammen. Bei der Wiederansiedlung in Deutschland gab es jedoch keine Gänseeltern, die die jungen Gänse aufs Leben hätten vorbereiten können. Die Folge: Die Graugänse leben zwar als Wildgänse, haben aber einfach keine Ahnung, wo sie als Zugvögel eigentlich hinfliegen müssten. Die Gänse im Münchner Stadtgebiet leben nun mit einer unterbrochenen Zugtradition.

Sie kommen hier trotzdem gut zurecht

In ihrem dicken hellgrauen Federkleid ist die Kälte bei uns für die stämmigen Graugänse kein Problem. Schließlich brüten sie eigentlich bis hoch in die Arktis. Außerdem sind die Tage selten, an denen Schnee auf den Wiesen der Münchner Parks liegt. In der Stadt schmilzt der Schnee ohnehin meist schneller weg als auf dem Land. Und die vielen Parkbesucher sorgen schon dafür, dass die Gänse nicht hungern.

Das weiteste der Gefühle ... an den Starnberger See

Dennoch befällt die Graugänse im Herbst häufig eine große Unruhe. Ganze Gänsefamilien steigen dann unter großem Geschnatter auf, fliegen dann eine Runde über den Park, landen aber wieder mehr oder weniger da, wo sie herkommen. Manche Graugänse im Nymphenburger Park oder Englischen Garten treibt ihre Zugunruhe aber dann doch etwas weiter. Zum Starnberger See zum Beispiel. Dort überwintern sie dann, auch wenn dort die Verhältnisse nicht viel anders sind als in München. Aber offenbar ist das den Gänsen immer noch lieber, als eine weite, anstrengende und gefährliche Reise ins Unbekannte zu riskieren.


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