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Wunder der Natur Der Aal, ein Fisch voller Rätsel

Über Jahre tummeln sich die Aale in heimischen Flüssen, bis sie eines Tages ein innerer Ruf unruhig werden lässt. Wie magisch angezogen begeben sie sich im Herbst auf eine Reise und wandern flussabwärts zum Meer. Von dort aus machen sie sich dann auf den Weg, einem einzigen Ziel entgegen, einer Meeresstelle im Nordatlantik, wo auch die Bermudainseln liegen: die Sargassosee.

Von: Ludwig Gruber, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 21.11.2018

Europäischer Flussaal | Bild: picture alliance/blickwinkel

Ist Geomagnetismus im Spiel?

Es gibt nur Vermutungen, wie die Aale ihren Weg in die Sargassosee finden. Sie legen auf ihrer kräftezehrenden Reise immerhin eine Strecke von 5000 bis 7000 Kilometern zurück. Die Wissenschaft geht jedoch davon aus, dass Aale mit großer Wahrscheinlichkeit elektromagnetische Felder wahrnehmen können.

Nur in der Sargassosee pflanzen sich die Aale offenbar fort

Die Sargossosee umfasst eine Fläche, die in etwa so groß ist wie Mitteleuropa. Und doch treffen hier unzählige Aale aufeinander, um den - davon geht die Wissenschaft aus - letzten Akt ihres Lebens zu begehen. Um sich zu paaren und dann zu sterben. Bevor die Aalweibchen verenden, stoßen sie aus ihrem Körper Millionen von Eiern aus, die auf ihrer monatelangen Wanderung herangereift waren und erst hier, im kristallklaren Wasser der Saragassosee, befruchtet wurden.

Der Aal gibt der Wissenschaft manch Rätsel auf

Grafik: Die Stationen auf der langen Reise der europäischen Aale

Die Paarung der Aale in der Sargassosee hat noch kein Mensch gesehen. Noch nie wurde ein Aal-Ei in der Natur gefunden. Und wo in der Sargassosee die Aale laichen, auch das weiß die Menschheit bis heute nicht. Unter Laborbedingungen konnten allerdings ein paar wenige Geheimnisse gelüftet werden. Deshalb wissen die Forscher, dass die Eientwicklung circa zwei Tage dauert. Dann schlüpfen sogenannte Leptocephalus-Larven aus dem Aal-Ei. Leptocephalus kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "schlanker Kopf". Weil sie einem Weidenblatt ähnlich sehen, werden sie auch als Weidenblattlarven bezeichnet.

Mariner Schnee und Planktonorganismen

In der ersten Phase ernähren sich die Aallarven vom Dotter. Die Wissenschaft geht im Moment davon aus, dass sie sich auch vom sogenannten Meeresschnee ernähren. Meeresschnee sind kleine Partikel organischen Ursprungs, die mit Bakterien versetzt sind. Diese Partikel heißen Meeresschnee, weil sie im Licht manchmal weißlich erscheinen und wie Schnee in Richtung Meeresboden rieseln.

Die Aallarven wandern wieder zurück

Kaum geschlüpft beginnen die Aallarven eine gefährliche Reise zurück zu den europäischen Küsten. Doch bereits bei der Dauer gehen die Meinungen der Forscher auseinander. Die einen gehen von drei Jahren aus, die die Rückreise dauert. Andere sprechen von einem Jahr. Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen. Sicher ist: Die Aallarven treiben mit dem Golfstrom und erreichen schließlich wieder die seichteren Gewässer der Küsten. Hier durchlebt die winzige Larve eine erstaunliche Veränderung ihres Körpers.

Metamorphose - von der Weidenblattlarve zum Glas-Aal

Glasaal: kaum größer als ein Streichholz

Die Larve, die bisher einem Weidenblatt glich, verwandelt sich in einen sogenannten Glas-Aal. Er hat nun schon die charakteristische Aalform, ist aber immer noch durchsichtig. In dieser Entwicklungsphase geht er auch zum Leben am Meeresgrund über. Erst jetzt, nach dieser Umwandlungsphase, der sogenannten Metamorphose, schwimmen die kleine Aale in die Brackwassergebiete der Meeresküsten. Hier bleiben sie, oder sie steigen die Flüsse hinauf. Ihre Durchsichtigkeit geht nun verloren, sie pigmentieren zunehmend. Als sogenannte Steigaale sind sie bereits voll gefärbt. Mit der Zeit färben sich nun die Seiten und der Bauch der Fische gelblich, weshalb sie dann als Gelbaale bezeichnet werden.

Bis sich der Kreis schließt

Sind die Aale auf ihre Rückreise den Netzen der Glasaal-Fischer entgangen und haben sie, falls sie stromaufwärts wandern, erfolgreich die unzähligen Staustufen und Querverbauungen in den Flüssen überwunden, dann erreichen die Aale schließlich die Gebiete, in denen sie den größten Teil ihres Lebens verbringen. Bis nach einigen Jahren eine neuerliche Umwandlung einsetzt, zum Blankaal. Diese Färbung wird später einmal der besseren Tarnung im Meer dienen, wenn die Aale eines Tages wieder aufbrechen zur langen, beschwerlichen Heimreise in die Sargassosee.

Steckbrief und Schonzeit

Aale können eine Länge bis zu rund 130 Zentimetern und ein Alter bis zu 88 Jahren erreichen. Sie gelten als vom Aussterben bedroht. Im Augenblick gilt für Berufsfischer in Nordsee, Ostsee und Atlantik an drei Monaten zwischen September 2018 und Januar 2019 eine Schonzeit für Aale ab einer Länge von zwölf Zentimetern. Die genauen Monate werden von den Ländern festgelegt. Dadurch sollen sich die Bestände des bedrohten Fisches erholen können. In Bayern muss der Aal im November, Dezember, Januar und Februar geschont werden.

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