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Behandlung Work-Life-Balance zur Prävention

Die Herzkrankheiten werden meist medikamentös behandelt. Gegen die zugrundeliegende Depression helfen Psychotherapie und Entspannungsübungen sowie als Prävention eine ausgewogene Work-Life-Balance.

Von: Uli Hesse

Stand: 01.04.2019

Mann bei einer Entspannungstherapie | Bild: colourbox.com

Die Psychokardiologie versucht, die Selbstheilungskräfte der Patienten zu aktivieren. Ihr Ziel ist es, die chronische Stressbelastung, Depression und Angst zu verhindern und dadurch das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu senken. Die ganzheitliche Behandlung wird möglichst individuell auf die jeweilige private, soziale und medizinische Situation des Patienten abgestimmt.

Behandlungselemente

Die Psychokardiologie empfiehlt, eine Kombination verschiedener Behandlungen einzusetzen, um Seele und Körper ganzheitlich zu heilen:

  • Medikamente, um Herz und Kreislauf wieder zu regulieren: Dazu gehören in der Regel blutdrucknormalisierende Mittel, Beta-Blocker, Aspirin zur Blutverdünnung, blutfettsenkende Medikation und ACE-Hemmer.
  • Lebensumstellung: Ernährungsberatung, Entspannungsübungen und Bewegung sind wichtige Behandlungselemente
  • Eine Rückkehr zur Arbeit kann ebenfalls therapeutisch wirken.
  • Wichtig ist auch die Psychotherapie: In umfassenden Gesprächen wird die individuelle Situation des Einzelnen genau analysiert. Dann werden Strategien zur Bewältigung bestehender Probleme entwickelt.

Psychotherapie oder Medikamente?

Forscher überlegten sich: Wenn Depressionen und seelische Erschöpfungszustände so eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen – könnte dann die Behandlung der Depression durch Therapie oder Psychopharmaka genauso effektiv sein wie Herzmedikamente? Die US-amerikanische gab daher mehrere Mega-Studien in Auftrag.

"Dabei stellte sich heraus, dass weder Psychotherapie noch Psychopharmaka alleine gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen helfen. Das lag unter anderem daran, dass diese Studien es häufig nicht geschafft haben, die Depressivität zu senken. Und zwar interessanterweise, obwohl der Schweregrad der Depression bei Herz-Patienten häufig vergleichsweise niedrig ist."

Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig

Klassische Depressionen erkennt man an Aussprüchen wie "Ich mag nicht mehr leben. Ich betrachte mich als Versager." Doch Herzpatienten sind eher leicht depressiv und vor allem erschöpft, daher sind sie so schwer zu behandeln.

Eigentlich wollten die Forscher herausfinden, welche Behandlung am besten hilft. Doch es kam etwas ganz Anderes dabei heraus: Es kommt auf den Patienten an. Wer positiv auf die Depressions-Behandlung anspricht – egal welche – und aktiv mitmacht, hat die besten Erfolgschancen. Wer dagegen nicht mitmacht und die Behandlung ablehnt, hat die schlechtesten Überlebenschancen – sogar noch schlechter als Patienten, deren depressive Erschöpfung nicht behandelt wird und die "nur" Herzmedikamente erhalten.

"Diese amerikanischen Studien sind sehr wichtig, weil sie zeigen, dass die Überlebensrate von Patienten deutlich steigt, wenn ihre Depressionen abnehmen. Und das beweist wiederum, dass Depressionen ein toxischer Risikofaktor bei Herz-Kreislauf-Krankheiten sind."

 Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig

Entspannung

"Ich gehöre eigentlich nicht zu den Leuten, die als erstes Qi Gong und Meditationsübungen empfehlen. Aber ich habe mich vom Saulus zum Paulus gewandelt, weil wir sehen, dass das ein ganz wichtiges Prinzip bei der Behandlung ist."

Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig

Alle Entspannungstechniken beeinflussen den sogenannten Parasympathikus, also den Teil des Nervensystems, der beruhigt. Wenn man es schafft, ihn anzusprechen – über Therapien, Meditation, Bewegung - gehen die typischen Mini-Entzündungen zurück.

Work-Life-Balance

Wie können wir frühzeitig die Warnsignale erkennen, bevor es zu einem Knick in der Lebenslinie kommt, und selbst unser Leben stärker ausbalancieren und verbessern? Es ist wichtig, immer wieder eine Lebensbilanz zu ziehen und private wie berufliche Anforderungen und Entspannung miteinander zu kombinieren. Nur so lassen sich Warnhinweise auf Stress, Erschöpfung und leichte Depressionen frühzeitig erkennen.

Klassische Prävention

Die alten Regeln für ein gesundes Leben gelten auch hier: Ausgewogene Ernährung, genügend Bewegung und viele soziale Kontakte im Privatleben. Das gilt vor allem für Männer, die sich nur auf den Beruf konzentrieren.

So halten Sie Seele und Herz gesund:

  • Finden Sie eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Privatleben.
  • Seien Sie aktiv, bewegen Sie sich und suchen Sie sich ein Hobby.
  • Pflegen Sie soziale und private Kontakte.
  • Entspannen Sie sich regelmäßig.
  • Schaffen Sie sich bewusst schöne Momente im Alltag.

Selbsthilfegruppe

Das Krankenhaus Rechts der Isar bietet außerdem eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Herzerkrankungen an, um mit den schwerwiegenden Folgen einer solchen Diagnose besser klarzukommen. Sie wurde von Betroffenen ins Leben gerufen, um einen offenen Austausch zu ermöglichen. 


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