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Seriositäts-Check Woran man erkennt, ob ein Krebstherapieangebot seriös ist

"Was kann ich noch zusätzlich tun?" fragen sich Patienten nicht nur dann, wenn sie mit einer ungünstigen Prognose konfrontiert sind. Auch Krebserkrankungen mit einer guten Heilungschance lösen Ängste aus, dass die vorgeschlagene Tumortherapie eventuell nicht ausreicht und noch anders ergänzt werden sollte.

Von: Kathrin Hasselbeck

Stand: 31.05.2019

Wunderheilung durch Sonnenstrahlen-Fangen? | Bild: picture-alliance/dpa

Die Suche nach komplementären Tumortherapie ist auch häufig, wenn sich Patienten in einer unpersönlichen Behandlungsalltag ohnmächtig oder ausgeliefert erleben. Nicht selten wünschen Patienten auch auf Grund von gut gemeinten Ratschlägen, Erfolgsbereichten oder drängenden Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis komplementäre Behandlungen. Besonders wenn die Heilungschancen schlecht stehen, wenn die onkologische Therapie nur noch helfen kann, das Leben des Patienten zu verlängern und die Lebensqualität zu erhöhen, dann wird die Verzweiflung über die eigene Ohnmacht immer größer. Und diese Verzweiflung motiviert Patienten und ihre Angehörigen, fieberhaft nach weiteren Heilungsmöglichkeiten zu suchen, nach dem Motto: "Es muss doch noch eine Chance geben!" Wenn es also um Leben oder Tod geht, ist jedes Mittel recht – koste es, was es wolle. Und diese Haltung kommt denen entgegen, die ein Geschäft wittern, die aus der Verzweiflung Gewinn schlagen wollen. Folgende Überprüfung hilft dabei herauszufinden, ob es sich um ein seriöses Angebot handelt.

Wird der Patient ernstgenommen?

Ein Therapeut muss seinen Patienten kennen lernen, um herauszufinden, wie er ihm helfen kann. Ferndiagnosen, und sei es über die Zusendung einer Blutprobe, sind unseriös. Im Gespräch mit dem Therapeuten sollte spürbar sein, dass dieser ein Interesse am Patienten zeigt, dass er zuhört, eine Beziehung aufbaut. Vorsicht ist geboten, wenn der Therapeut kein Interesse hat, sich mit Berichten zu bisherigen Therapien zu beschäftigen, es ablehnt, Kontakt zu den behandelnden Ärzten aufzunehmen. Ebenfalls muss es für den Patienten möglich sein, sich mit seinem behandelnden Arzt zu beraten.

"Es gibt Patienten, die mir erzählen, dass gesagt wurde: 'Nehmen Sie das und das ein, sagen Sie es aber ja nicht Ihrem Onkologen, weil der ist wahrscheinlich nicht einverstanden.' Da bringt man den Patienten in einen Loyalitätskonflikt, und das ist ungut, gerade wenn man sich eh schon hilflos fühlt."

Dr. Herbert W. Kappauf

Wird der Patient aufgeklärt?

Ein Therapeut sollte das, was er macht, plausibel erklären können – und wollen. Wird stattdessen ein Geheimnis um das Medikament oder die Behandlungsmethode gemacht, ist Skepsis angesagt. Fragen nach der Zielsetzung, der Dauer und einer Erfolgskontrolle sollten beantwortet werden.

"Wenn ein Geheimnis um die Methode gemacht wird, erhöht das nur die Hilflosigkeit des Patienten. Vielleicht gibt es kurzfristig das Gefühl der Hoffnung: 'Da kann jemand Wunder wirken', aber die Enttäuschung folgt nur wenig später."

Dr. Herbert W. Kappauf

Vorsicht bei großen Heilsversprechen

Andere Therapien abzuwerten und selbst vollmundig die Heilung auch in aussichtslosen Fällen zu versprechen, ist unseriös. Auch, wenn dem Patienten Angst gemacht wird, dass seine onkologische Therapie ohne diese ergänzende Behandlung erfolglos sei, spricht das nicht für den Anbieter.

"Da gibt es Angebote nach dem Motto: 'Wenn Sie früher gekommen wären, dann hätte ich Ihnen helfen können, aber jetzt wird’s schwierig.' Oder wenn die Therapie nicht anschlägt, heißt es dann: 'Das kommt daher, weil Sie ja vorher schon schulmedizinisch behandelt wurden. Deswegen konnten unsere Medikamente nicht wirken.' Da wird der schwarze Peter dem Patienten zugewiesen."

Dr. Herbert W. Kappauf

Krebs ist nicht gleich Krebs

Wer Krebs behandelt, der weiß: Es gibt nicht "die eine Krebserkrankung", sondern nach derzeitigem Wissensstand an die zweihundert verschiedene Arten. Dementsprechend muss ein Brustkrebs anders therapiert werden als ein Hirntumor oder ein Lymphknotenkrebs.

"Die verschiedenen Krebserkrankungen sind so unterschiedlich wie Herzinfarkt und Krampfadern. Und niemand käme auf die Idee, Herzinfarkt und Krampfadern gleich zu behandeln, obwohl es beide Gefäßkrankheiten sind."

Dr. Herbert W. Kappauf

Warnsignal: hohe Kosten

Ist die infrage kommende Therapie mit extrem hohen Kosten verbunden, und werden diese nicht von der Krankenkasse übernommen, sollte man genau prüfen, ob der Nutzen der Therapie nicht allein beim Anbieter liegt.

"Da heißt es dann: 'Die Onkologen, bei denen Sie bisher waren, sagen, Sie haben eine Chance auf Heilung von zehn Prozent. Wenn Sie zu mir kommen, haben Sie eine Chance von 80 Prozent, aber es kostet halt 100.000 Euro', und die verbohrte Krankenkasse zahlt das nicht. Immer wieder werden die Patienten regelrecht danach taxiert, was sie bezahlen können. Da kommt dann das Argument: 'Soviel sollte Ihnen ihr Leben doch wert sein. Wenn Sie sterben, haben Sie von dem Geld doch auch nichts!'." Dr. Herbert W. Kappauf


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