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Komplementäre Therapieangebote Womit kann die Krebstherapie ergänzt werden?

Wie der Name schon ausdrückt kann Komplementärmedizin die onkologische oder chirurgische Therapie ergänzen aber ersetzen. Es werden vor allem Beschwerden durch Nebenwirkungen sowie psychische Auswirkungen behandelt. Die therapeutische Aufmerksamkeit ist auf Eigenregulation und Selbstheilungskräfte gerichtet.

Von: Kathrin Hasselbeck

Stand: 31.05.2019

Ayurvedabehandlung mit Sesamöl | Bild: picture-alliance/dpa

Es gibt sehr viele verschiedene Möglichkeiten, eine Krebstherapie komplementärmedizinisch zu begleiten. Eine vollständige Aufzählung ist nahezu unmöglich. Etliche Ansätze ähneln oder überschneiden sich. Nicht Alles ist für Jeden geeignet. Egal, wofür ein Krebspatient sich interessiert oder entscheidet, er sollte in jedem Fall mit seinem behandelnden Onkologen darüber sprechen.

Übersicht über komplementärmedizinische Angebote

Bewegung und Sport
Vor allem Ausdauersportarten an der frischen Luft sorgen für mehr Wohlbefinden. Besonders gut geeignet sind: Laufen, Radfahren, Wandern, Nordic Walking, Schwimmen, Skilanglauf oder Tanzen. Wissenschaftler sind sich einig, dass durch Ausdauersport nicht nur die Leistungsfähigkeit und die körperliche Ausgeglichenheit steigen, sondern dass der Therapieverlauf weniger Komplikationen aufweist. Körperliche Aktivität senkt belegtermaßen bei vielen Tumorerkrankungen das Rückfallrisiko deutlich.
Achtung: Bei Lymphstau wird von übermäßigem Krafttraining abgeraten, denn der Lymphfluss kann durch die hohe Muskelanspannung weiter verschlechtert werden. Studien belegen jedoch, dass leicht dosiertes Krafttraining sich eher günstig auf Lymphstau auswirkt und diesen nicht verstärkt.

Physiotherapie
Die Lymphdrainage hilft auf sanfte Art, den Lymphfluss wieder anzuregen, der nach Operation oder Chemotherapie häufig unterbrochen ist. Massagen oder Wärmebehandlungen tragen zur Entspannung bei – aber Vorsicht: nie Körperregionen behandeln, die von einer Operation oder Chemotherapie noch nicht ganz genesen sind! Eine stärkere Durchblutung der Haut kann empfindliche Stellen reizen und bestehenden Juckreiz verstärken.

Pflanzliche Medikamente (Phytotherapie)
Nebenwirkungen wie Unwohlsein, Übelkeit oder Schleimhautbeschwerden können durch die Einnahme mancher Heilpflanzen gelindert werden. Aber Achtung: Bevor ein pflanzliches Arzneimittel eingenommen wird, müssen dringend Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ausgeschlossen werden. Einige sehr wirksame Medikamente der modernen Tumortherapie werden beispielsweise bereits durch Grapefruitsaft in ihrer Wirkung abgeschwächt oder verändert. Generell gilt Vorsicht bei Wunderversprechen. Damit es kein blaues Wunder wird, ist eine kompetente Beratung immer sinnvoll. Meist hilft es, sich genau über die Wirkstoffe zu informieren, um manche Werbebehauptungen zu entzaubern. Keineswegs sind pflanzliche Medikamente nebenwirkungsfrei, manche wirken möglicherweise sogar krebsfördernd.

Ernährung
Durch eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung kann der Verlauf der Krebstherapie unterstützt und die Lebensqualität verbessert werden. Eine „Krebs-Diät“ im engen Sinn gibt es aber nicht. Ernährung spielt aber besonders dann eine wichtige Rolle, wenn es durch Chemotherapie und Bestrahlung zu Appetitlosigkeit, Geschmacksstörungen, Völlegefühl oder Entzündungen in Mund und Magen kommt. Durch bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema Essen, durch das Nachspüren: „Was könnte mir schmecken?“ kann man diesen Phänomenen entgegenwirken. Außerdem sollten Patienten darauf achten, ihr Gewicht zu halten – der Körper braucht die Kraft.
Einige Nahrungsmittel können gezielt gegen Beschwerden eingesetzt werden: Bei Übelkeit hilft Ingwertee, bei einer entzündeten Mundschleimhaut Salbei oder Eibisch, bei Verdauungsbeschwerden Fencheltee, geriebener Apfel oder Karottensuppe.

Homöopathie
Durch eine ausführliche Anamnese von körperlichem und seelischem Zustand erfasst der Homöopath das Gesamtbild der Erkrankung. Eine so – auch zeitlich – intensive Auseinandersetzung tut dem Patienten gut.
Wissenschaftlich gibt es jedoch nach wie vor keinen Beleg dafür, dass Krebs durch eine homöopathische Therapie geheilt werden kann. Patienten berichten davon, dass die Behandlung hilfreich war bei Beschwerden wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Abgeschlagenheit, Schwächegefühl,  Schwindel oder einem Gefühl von Hoffnungslosigkeit. Die Wirkung ist sehr abhängig von der Persönlichkeit des Therapeuten.

Fernöstliche Heilmethoden: TCM, Ayurveda, Yoga
Sanfte, konzentrierte Bewegung in Kombination mit bewusstem Atmen wie im Qi Gong, Tai Chi oder beim Yoga, hilft einem Krebspatienten dabei, die Krankheit aus dem Fokus zu nehmen, die Sorgen beiseite zu lassen und sich selbst in Ruhe zu spüren. Die Herstellung des inneren Gleichgewichts gibt viel Kraft, um den Herausforderungen der Krankheit und der onkologischen Therapie zu begegnen. Gleiches gilt für Entspannung durch Baden oder die Salbung mit Ölen. Bei der ayurvedischen Pflanzenheilkunde sollte auf die Qualität der Produkte geachtet werden – außerdem muss auch hier eine Einnahme von Wirkstoffen mit dem Onkologen abgesprochen werden. Von der Reinigung des Magen-Darm-Trakts durch Einläufe und Brechmittel wird abgeraten.

Kreativtherapien
Kunst-, Gestaltungs-, Musik- oder Tanztherapien unterstützen den Patienten bei der Auseinandersetzung mit den seelischen und körperlichen Beschwerden der Krankheit. Sie geben die Möglichkeit, sich da auszudrücken, wo man sprachlos ist, und bieten Entspannung durch Ablenkung und Ruhe. Sie können ein positives Körpererleben zurückgeben, zu einem besseren Selbstwertgefühl beitragen, weil Patienten trotz Krankheit wieder ihre gesunden Fähigkeiten spüren und erfahren.

Entspannungsmethoden
Krebspatienten sind psychisch gestresst. Ein gutes Repertoire an Entspannungsmethoden ist da sehr hilfreich. Verschiedene Bewegungs-Angebote wie Tai Chi, Qi Gong oder Yoga dienen der Entspannung, aber auch Meditation, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Atemübungen bringen Ruhe und Entspannung. Dies wirkt sich günstig aus auf Übelkeit, Ängste oder depressives Krankheitserleben.

Psychoonkologie
Etwa seit den 1970er Jahren gibt es das interdisziplinäre Arbeitsgebiet der Psychoonkologie. Es befasst sich wissenschaftlich mit psychischen und sozialen Einflüssen bei der Entstehung und dem Verlauf von Krebserkrankungen, genauso mit den psychischen und sozialen Auswirkungen der Tumortherapie und entsprechenden therapeutischen Hilfestellungen. Psychoonkologie ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil einer kompetenten onkologischen Behandlung.
Die Komplementärmedizin bietet zusätzlich verschiedene Ansätze einer Unterstützung in der Krankheitsauseinandersetzung an – also mit psychoonkologischer Zielseztung:von Kunsttherapie, Tanztherapie, Yoga, Visualisierung bis Meditation und Heilgebete.


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