Bayern 2


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Die Wittelsbacher und die Volksmusik (2/2) Sammeln, Pflegen, Musizieren

Singen und sammeln: Dank Unterstützung aus dem Haus Wittelsbach reiste der "Kiem Pauli" durch Oberbayern und sammelte Volkslieder - gesittet hatten die zu sein. Dabei hatte der hochanständige Kiem Pauli selbst anders begonnen.

Von: Ulrike Zöller

Stand: 26.12.2020 | Archiv

König Max II. hatte sich als erster Wittelsbacher aktiv für die Volksmusik in Bayern eingesetzt - nachdem das Adelsgeschlecht zuvor mehr selbst der Inhalt der Lieder gewesen war.

Der legendäre Kiem Pauli wurde von zwei bayerischen Herzögen gefördert

Brauerei-Unternehmer Prinz Luitpold von Bayern | Bild: BR

Brauerei-Unternehmer Prinz Luitpold von Bayern

Die Volksmusikpflege durch das Haus Wittelsbach setzte sich Anfang des 20. Jahrhunderts fort, als zwei bayerische Herzöge den legendären Kiem Pauli, einen bedeutenden Volksmusiksammler in Bad Kreuth unterstützen.

Und ab 1980 mit Prinz Luitpold von Bayern, der auf Schloss Kaltenberg ein Areal für das internationale Folkfest zur Verfügung stellte.

Prinz Luitpold war immer dabei bei den Kaltenberger Folkfestivals. Und hat - nicht nur finanziell - dafür gesorgt, dass Folk und Volksmusik aus aller Welt dort zu hören waren.

"Musik war immer etwas, was grenzüberschreitend war. Musik hat keine Grenzen - Gott sei Dank! Es gibt sicher eine andere Auffassung von Musik, aber im Prinzip ist die Musik ein großer Brückenbauer."

(Prinz Luitpold von Bayern)

"I hab koane Sorgen mehr gehabt ..."

(v.l.) Karl Vögele, Lois Treichl, Sepp Sontheim und der Kiem Pauli.

"Durch den Ludwig Thoma hab ich den Prinz Albrecht kennaglernt, der war ja damals auch noch jung, und hat a große Freid am Gesang und an der Musik gehabt.

Dem und dem Herzog Ludwig Wilhelm hab ich alles zu verdanken. ich hab ja koane Sorgen nimma gehabt, und die ham mir nia etwas dreingredt, bei dem was i tua.

Dann bin i nach Kreuth, 1921, und dann war ich noch der Nikolaus bei seine Kinder.  Mir ham vui zamm erlebt!"

(Kiem Pauli)

Machtverlust unter den Nationalsozialisten

Fakt ist: Ohne die Herzöge und Prinzen aus dem Hause Wittelsbach wäre die bayerische Volksmusik nicht das, was sie heute ist. Die Förderung fand auch in jener Zeit statt, als kritische Lieder oder Lieder gegen den Krieg alles andere als angesagt waren.

Das einstige Königshaus hatte damals nicht nur zu kämpfen mit dem Verlust seiner Macht, sondern auch damit, dass die  Nationalsozialisten eine große Bedrohung sahen in der Beliebtheit der Wittelsbacher und in einer monarchistischen Widerstandsbewegung.

Einige Familienmitglieder, darunter auch der 1937 geborene Herzog Max in Bayern, wurden nach dem Attentat auf Hitler 1944 in Sachsenhausen, Flossenbürg und Dachau inhaftiert, nachdem die Familie zuvor nach Ungarn geflohen war, um eben einer solchen Verhaftung zu entgehen.

So hörte Herzog Max seine ersten Landler erst nach 1945 - unter anderem bei seinem Onkel, dem Kiem-Pauli-Förderer Herzog Ludwig Wilhelm, der sich in Kreuth ein Haus gebaut hatte.


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