Bayern 2


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Die Wittelsbacher und die Volksmusik (1/2) Von der Erschaffung des Bayernlandes

Singen und regieren: Einst trug das Adelsgeschlecht der Wittelsbacher die bayerische Krone, später wandte man sich der Volksmusik zu. Herzog Max in Bayern etwa, der Vater von Kaiserin Sissi, war begeisterter Zitherspieler. Ein adliger Vertreter spielte mit seinem Ensemble sogar im Studio des Bayerischen Rundfunks.

Von: Ulrike Zöller

Stand: 25.12.2020 | Archiv

Noch bevor Bayerns Oberschicht den Wert von Gstanzln und Landlern erkannte, waren die Wittelsbacher bereits in aller Munde. Durch Lieder, die oft alles andere als schmeichelhaft waren, wenn es etwa um Herzog Albrecht und die Bernauerin ging oder um Lola Montez, die kecke Geliebte von Ludwig I.

Dessen Sohn, König Max II., setzte sich dann als erster aktiv für die Volksmusik in Bayern ein – und gleichzeitig auch für deren „Kanalisation“: Was allzu wild erschien, wurde nach Möglichkeit ausgemustert.

Der legendäre Kiem Pauli

Die Volksmusikpflege durch das Haus Wittelsbach setzte sich Anfang des 20. Jahrhunderts fort, als  zwei bayerische Herzöge den legendären Kiem Pauli, einen bedeutenden Volksmusiksammler in Bad Kreuth unterstützen. Und ab 1980 mit Prinz Luitpold von Bayern, der auf Schloss Kaltenberg ein Areal für das internationale Folkfest zur Verfügung stellte.

Herzog Max in Bayern - der "Zither-Maxl"

Harfen-Zither aus dem Jahr 1880

Die Wittelsbacher betätigten sich jedoch nicht nur als Förderer; sie waren und sind oft auch selbst Volksmusikanten: Herzog Max in Bayern etwa, der Vater von Kaiserin Sissi, war ein begeisterter Zitherspieler. Und der 1937 geborene Herzog Max Emanuel in Bayern spielte als Klarinettist mit dem „Herzog Trio“ sogar im Studio des Bayerischen Rundfunks.

Parzival statt Polka

König Ludwig II. von Bayern

Allerdings konnte es der "Zithermaxl", was die Berühmtheit angeht, natürlich niemals aufnehmen mit dem bayerischen Superstar Ludwig II.. Auch er ein Romantiker. Aber keiner, der sich wie sein Vater König Max II., in Tracht kleidete oder mit bäuerlichen Klängen umgab.

Ludwig II. liebte herrschaftliche Roben, und statt in der Menge zu baden, entzog er sich der Gesellschaft. Parzival statt Polka, und an Stelle von Gstanzln lieber eine Flucht in den Gral, zur Musik von Richard Wagner.

Und doch ist es unter den Wittelsbachern ausgerechnet Ludwig II., der am häufigsten und heftigsten besungen wurde und wird. Ob es damit zusammenhängt, dass die Bayern unter seiner Regierung im Jahr 1870 unter die „preußische Pickelhaube“ kamen und in den Krieg ziehen mussten gegen die Franzosen? Entflammte die Liebe zur Heimat und zum Königtum womöglich erst aufgrund der „preußischen Bedrohung“? Oder braucht Bayern seinen weltfremden Märchenkönig Ludwig II. zur Rückversicherung der eigenen Identität in einer immer globaler werdenden Zeit?


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