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Atempause für die EU Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser zu den Schutzzöllen

Im Streit um Schutzzölle hat Europa eine kurze Atempause bekommen. US-Präsident Trump hat die angedrohten Strafabgaben auf Stahl und Aluminium quasi in letzter Minute ausgesetzt. Aber er macht weiter Druck. Wir haben den Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser zum Thema befragt.

Von: Christoph Peerenboom

Stand: 26.03.2018

Donald Trump unterzeichnet Proklamation zu neuen Strafzöllen | Bild: dpa-Bildfunk

Seit dem Zweitem Weltkrieg waren die USA ja immer Vorkämpfer für den freien Welthandel, weil sie wirtschaftlich eben davon profitiert haben. Sehen Sie das jetzt als historische Zäsur, wenn ein amerikanischer Präsident jetzt plötzlich eher auf Abschottung und neue Zölle setzt?

Nein keineswegs. Die Amerikaner waren in den 80er und 90er Jahren bereits sehr protektionistisch eingestellt. Und es gibt ja dann auch noch den klassischen Fall der Zollmauern, die 1930 dann mit dazu beigetragen haben, die Weltwirtschaftskrise zu verschärfen.

"Die Amerikaner haben sich immer auf den eigenen Binnenmarkt konzentriert, und waren von daher durchaus in der Lage, die Handelspolitik sozusagen zu ihren Gunsten zu definieren, und genau das ist jetzt wieder der Fall."

Werner Abelshauser

Also freier Welthandel nur dann, wenn es den USA nützt. Insofern steht Trump da durchaus in einer gewissen Tradition, sagen Sie.

Ja, so könnte man das ausdrücken.

Hat er denn recht in Teilen, wenn er sagt, dass die USA durch die derzeitige Handelspraxis benachteiligt würden, z.B. von der EU?

Die EU verlangt höhere Zölle von den Amerikanern als umgekehrt. Auf die Masse der Güter betrachtet ist das ganz erheblich. Und das hat auch Gründe, innenpolitische Gründe in Europa, auch das hat lange Tradition; dass z.B. Frankreich den eigenen Agrarmarkt schützen will, und die Amerikaner ja sehr stark sind im Handel mit Agrargütern. Vielleicht erinnern Sie sich noch an diesen berüchtigten Hähnchenkrieg in den 60er Jahren, oder später dann an die Chlorhühnchen, die man den Amerikanern nicht abnehmen wollte, und so weiter und so fort. Da gibt es erhebliche Gründe dafür, und in der Tat, die Amerikaner sind da nicht immer die Schuldigen.

Eigentlich sollte ja die WTO, die Welthandelsorganisation, für fairen Warenverkehr sorgen, der Ort sein, wo die Länder eben über Zölle verhandeln. Gerät dieses etablierte System womöglich in Gefahr, wenn die USA da jetzt doch eher einseitig vorpreschen?

Das ist in der Tat das Problem: Die Amerikaner - oder besser gesagt, Herr Trump, der ja eine bestimmte Methode hat – die wollen nun sozusagen jeden Fall einzeln durchhandeln. Und diese Methode des Deals, also dass man sagt: Ja, wenn du mir Vorteile auf dem Markt gibst, gebe ich dir Vorteile auf einem anderen, das war früher das Prinzip des Welthandels, und das ist ja auch in den Handelsrunden des GATT, des „General Agreement on Tariffs and Trade“, das dann in die Welthandelsorganisation überging, war das ja auch so Praxis. Und Trump meint jetzt, er müsse praktisch für jeden Markt einen Deal machen, und damit liegt er ja gar nicht so weit weg, nur, dass er eben das sozusagen Nation für Nation machen will und nicht so sehr die internationalen Regeln beachten kann.

Dieses Auseinanderdividieren, dieses wirtschaftliche Sich-Abschotten. Wenn man das nochmal historisch betrachtet: Zeiten, in denen das passiert ist, waren das auch Zeiten, in denen Staaten politisch auseinandergedriftet sind?

Nicht unbedingt. Also, die 80er und 90er Jahre waren ja noch die, in denen die Amerikaner gerade auch in Europa, und vor allem auch in Deutschland, als der große Beschützer und Partner galten. Nein nein, man hat da schon handfest miteinander gestritten. Und man könnte sogar sagen, in den 80er und 90er Jahren war dieses Politikfeld eines der wichtigsten, um überhaupt die Europäische Gemeinschaft, wie es damals noch hieß, fest zusammenzuhalten. Es gab damals wenig andere Gründe, die europäische Integration voranzutreiben, das war aber einer.


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