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Die Mutter der Geier-Wally Heimatroman-Verfasserin Wilhelmine von Hillern

Die "Geier-Wally" ist bis heute einer der berühmtesten Heimatromane. Doch seine Verfasserin ist fast vergessen. Dabei war auch das Leben von Wilhelmine von Hillern (1836-1916) geprägt von Emotionen und dem Kampf um Selbständigkeit.

Von: Justina Schreiber

Stand: 01.01.2021 | Archiv

Die "Geier-Wally" ist bis heute einer der berühmtesten Heimatromane. Doch der Name seiner Verfasserin ist weitgehend vergessen.

Von der Beamtengattin zur Roman-Autorin

Wilhelmine von Hillern (1836-1916)

Wilhelmine von Hillern, geboren 1836 in München, war die Tochter von Charlotte Birch-Pfeiffer, einer für jene Zeit äußerst ungewöhnliche Frau, die als Schauspielerin ebenso erfolgreich war wie als Schrifstellerin, Theaterleiterin und Regisseurin. Auch die Tochter Wilhelmine, genannt Minna, strebte zur Bühne und wurde auf diesem Weg - trotz überschaubarem Talent - von der Mutter massiv unterstützt.

Dann aber verstrickte sich die junge Frau in eine Affäre mit dem deutlich älteren Theaterkritiker Hermann von Hillern. Eine Affäre, die nicht ohne Folgen blieb. Und wieder griff die Mutter ein. So wurde aus Minna Birch Wilhelmie von Hillern, die Gemahlin eines hohen Beamten.

Doch das Leben als Gattin allein füllte sie nicht aus. So begannn sie schon bald, erfolgreiche Liebesromane zu verfassen, darunter 1875 "Die Geier-Wally".

Wer kennt sie nicht, die Geier-Wally und ihren Ruf wie Donnerhall!

"Schrankenlos war ihr Mut und ihre Kraft, als hätte sie Adlersfittiche, schroff und zugänglich ihr Sinn, wie die scharfkantigen Felsspitzen, an denen die Geier nisten und die Wolken des Himmels zerreißen."

(Wilhelmine von Hillern)

Die Geschichte über die unbezwingbare Wally wurde zum Kult

Szene mit Barbara Ruetting als Wally und Carl Moehner als Josef aus der Geierwally-Verfilmung von 1956

Das Heimatdrama um die kaum bezwingbare Bauerndirn Walburga Stromminger, die den starken Bären-Joseph lange Zeit vergeblich liebt, hat heute fast schon Kultcharakter. Als Wilhelmine von Hillern ihren Roman 1875 zunächst in Fortsetzungen, dann in Buchform veröffentlichte, schlug er bei den Leserinnen ein wie Wallys Faust ins Brustbein der Burschen.

Von den eher heimlichen männlichen Lesern lieber zu schweigen.

Später entwickelte Wilhelmine eine heiße Liebe zum katholischen Glauben

Totz des Ruhms, den ihr die Werke einbrachten, blieb die impulsive, unkonventionelle Frau jedoch weiterhin auf der Suche. Bis sie 1880 die Oberammergauer Passionsspiele sah - und eine heiße Liebe zum katholischen Glauben entwickelte.

Obwohl ihr Roman "Am Kreuz" vor Ort auf wenig Verständnis stieß, lebte Wilhelmine von Hillern fast 20 Jahre lang als angesehene Prominenz in Oberammergau. Auf dem dortigen Pfarrfriedhof fand sie nach ihrem Tod am 25. Dezember 1916 auch die letzte Ruhestätte.


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