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Wikipedia ist volljährig Wikipedia feiert 18. Geburtstag: Fünf kuriose Fakten

Am 15. Januar 2001 wurde Wikipedia geboren, heute wird sie volljährig. Fünf kuriose Fakten zum weltweit größten Online-Lexikon.

Von: Johannes Hofmann

Stand: 15.01.2019

Die freie Enzyklopädie | Bild: Valentin Wolf/picture alliance/imageBROKER

Wikipedia ist männlich

Im Prinzip darf bei Wikipedia jeder mitmachen. Dennoch wurden die meisten der aktuell rund 49 Millionen Artikel von Männern geschrieben. Nach eigenen Angaben sind nur knapp 10 Prozent der englischsprachigen Autoren weiblich. Auch in der deutschsprachigen Ausgabe dürften es nach Schätzungen maximal 20 Prozent sein. Was genau das für die Enzyklopädie bedeutet, lässt sich nicht sagen. Dennoch muss von einer nicht unbeträchtlichen Verzerrung der Interessenverteilung und Informationsaufbereitung ausgegangen werden.

Auch Mitgründer Jimmy Wales sieht den geringen Anteil an Frauen unter den Wiki-Autoren als Problem.

Zum einen legen Studien nahe, dass in Artikeln über Frauen häufiger Bezüge zu Familie, Partner, Kinder und Scheidungen hergestellt werden. Bei Männern fehlen derartige Informationen oftmals. Zum anderen muss davon ausgegangen werden, dass Artikel über Frauen und ihr Wirken grundsätzlich unterrepräsentiert sind. In der englischen Wikipedia-Ausgabe sind beispielsweise nur etwa 17 Prozent der Biografien über Frauen.

Cebuano ist die zweihäufigste Sprache

Mittlerweile gibt es Wikipedia in 303 Sprachen. Die meisten Artikel (5,7 Millionen) sind in englischer Sprache. Da die Plattform ursprünglich auf Englisch an den Start ging, überrascht das wenig. Was wohl mehr überrascht: Platz zwei wird nicht etwa von Französisch (2 Millionen Artikel), Spanisch (1,4 Millionen Artikel) oder Chinesisch (1 Million Artikel) belegt, sondern von Cebuano – einer Sprache, die auf den Philippinen gesprochen wird. Die Zahl der Artikel (5,3 Millionen) ist mit Blick auf die Größe der Sprachgemeinschaft enorm hoch. Deutschland kommt nach Schweden (3,7 Mio. Artikel) mit 2,2 Millionen Artikel übrigens auf Platz vier.

Der Grund, warum Cebuano und Schwedisch so weit oben im Ranking auftauchen, liegt darin, dass die cebuanosprachigen und schwedischsprachigen Wikipedia-Ausgaben sehr viele computergenerierte Kurzartikel enthalten. Tatsächlich kommt Deutschland nach Englisch auf Platz zwei, wenn es um Artikel-Bearbeitungen, Administratoren, Autoren und besonders aktive Autoren geht.

Gedruckte Wikipedia wäre eine eigene Bibliothek

Wie viele Bänder würde die deutschsprachige Wikipedia umfassen, wenn man sie als gedrucktes Lexikon veröffentlichen würde? Mindestens 3406 Bände (zum Vergleich: Brockhaus hat 30 Bände). Zu diesem Ergebnis kam der US-amerikanische Künstler Michael Mandiberg im Jahr 2016. Seitdem sind aber mehrere Hunderttausend Artikel hinzugekommen.

Der New Yorker Künstler Michael Mandiberg vor seiner Installation "Print Wikipedia: from Aachen to Zylinderdruckpresse".

Wie lange es dauern würde, alle Artikel zu lesen, kann nur geschätzt werden. 2013 kam man für die englischsprachige Wikipedia (damals knapp 4 Millionen Artikel) auf knapp 17 Jahre. Umgerechnet auf die gut 2,2 Millionen Artikel in der deutschsprachigen Ausgabe würde man mehr als 9 Jahre brauchen, um alle Artikel zu lesen – ohne Pause.

Am Anfang war die Polymerase-Kettenreaktion

In der deutschsprachigen Ausgabe gilt ein Artikel über die Polymerase-Kettenreaktion – ein molekularbiologisches Verfahren zur DNS-Vervielfältigung – als ältester Artikel. Den ersten Eintrag überhaupt soll aber der Mitgründer Jimmy Wales, wohl auf einer separaten Test-Seite, selbst geschrieben haben: „Hello, World“.

Der meist-editierte Artikel ist derzeit übrigens eine Auflistung von Wrestlern in den USA (49.881 Überarbeitungen). Auf Platz zwei kommt mit 46.754 Bearbeitungen ein Artikel über George W. Bush, auf Platz drei ein Artikel über die Vereinigten Staaten. Der Hauptartikel zu Jesus liegt mit gut 30.000 Überarbeitungen auf Platz fünf.

Wikipedia ist vor Streichen nicht sicher

Da bei Wikipedia prinzipiell jeder mitmachen darf, kann es ab und an mal vorkommen, dass sich auch Witzbolde unter die Autoren schleichen. So werden Stars immer wieder mal für tot erklärt, obwohl sie noch leben.

In Deutschland hat vor allem der Fall von Karl-Theodor zu Guttenberg für Aufsehen gesorgt, dessen vollständiger Name Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg lautet. Als 2009 bekannt wurde, dass zu Guttenberg Bundeswirtschaftsminister werden würde, mogelte ein Unbekannter den Namen "Wilhelm" hinzu. In einem anonymen Beitrag schrieb der Manipulator: "Ich fragte mich, ob es jemand merken würde, wenn ich zu der langen Namensliste einfach einen weiteren hinzufügen würde. Es stellte sich heraus: Niemand merkte es – und etliche Online-Medien, Zeitungen und Fernsehsender schrieben meine Erfindung ungeprüft ab."


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