Bayern 2


7

Der Wiesenmeister "Ich beweise, dass Nachhaltigkeit funktioniert"

Seit dem Jahr 2005 finden in Süddeutschland die sogenannten Wiesenmeisterschaften statt. Wir schauen hinter die Kulissen des Wettbewerbs. Reporter Michael Wagner hat dafür einen der vorjährigen Bayerischen Wiesenmeister besucht.

Von: Michael Wagner

Stand: 12.06.2019

Wiese | Bild: dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

In Bayern feierte der Wettbewerb, der jährlich Landwirte kürt, die besonders artenreiche und bunte Wiesen in ihrem Betrieb nutzen, letztes Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Dieses Jahr wird der Wiesenmeister in Baden-Württemberg gekürt und richtet sich an Mitglieder der Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Bio-Weiderind und deren Wiesen und Weiden. Josef Schmidt ist Landwirt und einer der vorjährigen Bayerischen Wiesenmeister. Er betreibt in Erbendorf den Biolandhof Grenzmuehle. Von ihm wollen wir erfahren, welche Bedeutung die Wiesenmeisterschaften für die Teilnehmer haben. Und vor allem, welche Relevanz der Wettbewerb in Zeiten eines gewandelten Umweltbewusstseins erhält.

Entwicklung der Gräserzusammensetzung

Es ist ein wenig bewölkt, als ich die Einfahrt zum Biolandhof Grenzmuehle hinunterrolle. Schade, denke ich mir. Eine Blumenwiese kommt ja eigentlich erst bei Sonnenschein so richtig zur Geltung. Der zertifizierte Biolandhof liegt mitten in der Mittelbirgsregion Naturpark Steinwald in Ostbayern und gehört zum Landkreis Tirschenreuth. Beim Hof angekommen werde ich von Josef Schmidt empfangen. Gemeinsam wandern wir zu der Wiese, die ihm seinen Titel als Wiesenmeister eingebracht hat. Die Wiese hat sich natürlich weiterentwickelt. Das ist ja kein starres Ding, also auch kein Bild, das da ist und so bleibt wie es einmal gemalt wurde. Josef Schmidt spricht von einer dynamischen Entwicklung der Gräserzusammensetzung, die sich jedes Jahr je nach Intensität der Düngung, des Niederschlags und der Entwicklung durch das Bewirtschaftungskonzept unterschiedlich zeigt. Aber vom Grundkonzept ist es immer noch gleich.

Prämiert wurde die Bergwiese wegen der großen Vielfalt

Schmidts Rotviehherde, die über ein Getreidefeld mit Untersaat läuft

Mittlerweile haben wir die Blumenwiese erreicht. Um zu strahlen, braucht sie gar keinen Sonnenschein: Blaue, gelbe, orange und lila Blüten schauen mir entgegen, es summt und sirrt, Grillen zirpen - ein bisschen Auenland in der Oberpfalz. Prämiert wurde die Bergwiese wegen der 52 verschiedenen Kräuter und Leguminosen, die dort wachsen, darunter Heidenelke, Pechnelke und Blutwurz. Das war nicht immer so, erklärt mir Landwirt Schmidt. Als er den Hof im Jahr 2008 in Betrieb nahm, lagen viele der Flächen im Steinwald noch brach: Flächen, die keiner mehr bewirtschaftet hat, die seit über zehn Jahren verwildern, „verbuschen“, und der Artenreichtum nimmt ab. Wegen der fehlenden Nutzung und auch aufgrund der fehlenden Tiere, die dann auch die Beweidung machen.

Ein Meilenstein für den Landwirt

Tiere gehören einfach zu einer artenreichen Wiese dazu. Und nicht nur auf der Wiese, sondern auch auf Schmidts Hof tummeln sich einige: zum Beispiel seine Rinder der Rasse Rotes Höhenvieh. Das sind im Schnitt 50 bis 60 Tiere, dazu kommen noch seine 7 Pferde, die dort grasen und ein bisschen Kleinvieh: Puten, Hühner und Enten und ein kleiner Zuchtsauenbestand. Ein Hobby des Landwirts. Nach einer anfangs schwierigen Finanzlage ist der Betrieb mittlerweile wirtschaftlich stabil. Schmidt beliefert fünf große Verpflegungseinrichtungen der Studentenwerke Niederbayern/Oberpfalz, die sein Weidefleisch für die Studierenden verarbeiten – ein Meilenstein für den Landwirt.

"Wir beweisen allen, dass es geht. Und wir beweisen das eindrucksvoll und wir setzen noch und noch und noch eins drauf und wir entwickeln uns noch mehr zu dem hin, dass es noch nachhaltiger wird. Weil ich einfach doch dieses persönliche Ehrgeizverlangen habe, einfach zu beweisen, dass Nachhaltigkeit funktioniert."

Josef Schmidt, Landwirt

Josef Schmidt mit seinen Rindern der Rasse Höhenvieh

Mittlerweile ist Josef Schmidts Motivation noch größer. 2014 wurde der Landwirt mit seinem Nachhaltigkeitskonzept, das sich in seiner Wiese wiederspiegelt, Wiesenmeister. Der Wettbewerb wurde in diesem Jahr für die Region Oberpfälzer Wald und Hügelland ausgetragen. Der Titel hat für Josef Schmidt einen hohen Stellenwert: Für’s Auge und für die innere Überzeugung, dass Natur das wichtigste und einfach unbezahlbar ist. Sie gibt ihm tagtäglich die Kraft weiterzumachen, auch wenn alle anderen etwas anderes machen.


7