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Homophobie im Fußball Wie Profifußballer*innen mit dem Hashtag #ihrkönntaufunszählen ein starkes Zeichen setzen

Nachdem Phillip Lahm Homosexuelle Fußballer*innen vor einem Coming-Out gewarnt hatte, solidarisierten sich 800 Fußballer*innen unter dem Hashtag #ihrkönntaufunszählen. Sie wollen ermutigen, statt zu warnen. Auch der DFB hat sich bereits solidarisiert, ob das etwas an der Haltung zur WM in Katar ändert, bleibt aber abzuwarten.

Von: Felix Moßmeier

Stand: 20.02.2021

Grafik von einem Fußball | Bild: BR Maximilian Fesl

Während der eigentlich harmlosen Buchvorstellung sprach Moderation Dunja Hayali den ehemaligen Weltmeister auf eine Stelle in seinem Buch an: In der nannte er es lebensklug von seinem ehemaligen Mitspieler Thomas Hitzlsperger, sich erst nach der Karriere geoutet zu haben. Hitzlsperger hatte sich 2014 – vier Monate nach dem Ende seiner aktiven Karriere – erstmals zu seiner Homosexualität geäußert. Im weiteren Verlauf des Buches hatte Lahm geschrieben, er würde auch davon abraten, innerhalb der eigenen Mannschaft während der aktiven Laufbahn über dieses Thema zu sprechen.

Auf Hayalis Frage nach einer Begründung, verwies Lahm auf den „Gruppenzwang in so einer Mannschaft“, von dem auch Hitzlsperger selbst gesprochen hatte. „Der Fußball ist Teil der Gesellschaft und spiegelt ja oft die Gesellschaft wider, in der er gespielt wird“, meinte Lahm. In eben dieser Gesellschaft fehle aber leider zu oft die nötige Zivilcourage. In manchen Städten sei ein Outing vielleicht möglich, "aber gegenwärtig schienen mir die Chancen gering, so einen Versuch in der Bundesliga mit Erfolg zu wagen und nur halbwegs unbeschadet davonzukommen."

800 Fußballer*innen sichern dagegen Solidarität zu

Anders sehen das 800 Fußballer*innen, die sich für das Magazin „11Freunde“ unter dem Hashtag #ihrkönntaufunszählen zusammengeschlossen haben und lieber ermutigen statt warnen wollen.

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Neben Bundesliga Profis wie Max Kruse und Christian Gentner äußerte sich auch Fußball-Nationaltorhüterin Almuth Schult: „Es sollte in unserer Gesellschaft egal sein, welche Sexualität eine Person lebt. Jeder Mensch ist perfekt, einzigartig und besonders.“

DFB mit unklarer Rolle

Auch der DFB hat sich bereits mit den 800 Fußballer*innen solidarisiert. Auf Twitter verweist der Verband auf seine neu geschaffene „Anlaufstelle für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt“. Eine Solidarisierung, die aber wohl auf nationaler Ebene bleibt – siehe WM 2022 in Katar. Öffentliche Zuneigung unter homosexuellen Fans und Spielern ist dort nicht erwünscht, sagte der Chef des katarischen Organisationskomitees Hassan Al-Thawadi bereits 2018. Zwar sind für die WM inzwischen öffentlichkeitswirksam Regenbogenflaggen zugelassen worden, an der Strafverfolgung homosexueller Handlungen hat sich jedoch nichts geändert. Ein klares Statement des DFB dazu blieb bisher aus.


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