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Der mit den Ameisen malt Wie Maximilian Prüfer mit der Natur Kunst macht

Vielleicht malt die Natur die schönsten Bilder: Der Künstler Maximilian Prüfer überlässt Tieren die Leinwand. Daraus entstehen Bilder von berückender Schönheit. radioFeature-Autorin Lydia von Freyberg hat Maximilian Prüfer bis nach China - zu seinem neuesten Projekt - begleitet.

Von: Lydia von Freyberg

Stand: 20.12.2018

Auf großen Bogen Papier macht er die verschlungenen Spuren von Schnecken sichtbar. Oder die Schritte winziger Ameisen: Maximilian Prüfer macht Kunst zusammen mit der Natur, in der Natur, über die Natur. Prüfer arbeitet gerne mit Tieren, die wir eher als Schädlinge oder zumindest als lästig empfinden: Motten, Schnecken, Ameisen. Der 32-Jährige hat ein Verfahren erfunden, mit dem er die Spuren von kleinsten Tieren auf Papier abbilden kann, Prüfer nennt das „Naturantypie“. Vier Jahre lang hat er an der Technik gearbeitet, Details: streng geheim. Er verrät nur so viel:

"Das kann man sich im Prinzip wie eine ganz feine Beschichtung auf Papier vorstellen, die sich über Bewegung verdrängen lässt. Das heißt, was man sieht, ist die Papierfarbe. Und das ist eben sehr sensibel, wenn mir ein Haar runterfällt, das ist dann mit drauf.“

Geheimnisvolle Natur

Erfolg

Schwarzes Papier, oft bis zu zwei auf drei Meter groß, bedeckt mit geheimnisvollen weißen Spuren. Straßen von zahllosen Ameisen, angelockt von einem Apfel. Kriechspuren von Schnecken, bis zu 300 Stück ziehen über eines der großen Bilder, gesteuert von ihrem Dirigenten Maximilian Prüfer. Keines der Tiere nimmt Schaden, das ist ihm sehr wichtig. Warum nimmt das Lebewesen genau diesen Weg? Wie agiert eine Gruppe? Und wie lässt sie sich manipulieren? Das sind Fragen, die Maximilian Prüfer interessieren. Man beginnt zu ahnen: Die Tiere, die Maximilian Prüfer für seine Feldversuche beobachtet - sind wir.

2018 war sein Jahr: Maximilian Prüfer hat seine bisher größte Einzelausstellung in einer Galerie in Wien. Nach wenigen Tagen ist fast alles verkauft, das größte Werk, eine 48-teilige Schmetterlingsarbeit geht an einen großen Sammler in den USA. Mehrere Ausstellungen folgen, in wichtigen Institutionen und Museen, er veröffentlicht beim renommierten Kunstverlag Hatje Cantz.

Auf nach China

Sein neuestes Projekt führt Maximilian Prüfer nach China. In eine Gegend, wo eine vom Menschen gemachte Naturkatastrophe die Geschöpfe ausgelöscht hat, mit denen er hierzulande so gerne arbeitet: Die Insekten, besonders die Bienen. "Ich habe mich gefragt, was mache ich jetzt? Ich mag nicht bis zu meinem Lebensende Insektenbilder oder Spurenbilder machen, mich interessieren auch noch tausend andere Sachen. Ich wollte mich wieder ein bisschen neu zu erfinden und habe deshalb jetzt dieses China-Projekt gestartet", so Maximilian Prüfer.

Das Projekt ist extrem teuer und zeitintensiv. Das Thema: Bienensterben. In der chinesischen Provinz Sichuan, an der Grenze zu Tibet, gibt es eine riesige Obstbauregion. Weil dort Insekten, insbesondere auch die Wildbienen, fast komplett ausgestorben sind, müssen die Bauern selbst die Bäume bestäuben, von Hand. Der Mensch wird zur Biene.

"Der mit den Ameisen malt Wie Maximilian Prüfer mit der Natur Kunst macht" - Von Lydia von Freyberg

Regie: Rainer Schaller
Redaktion: Till Ottlitz
Produktion: BR 2018

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