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Streit um die Maske Wie man mit Maskenverweigerern umgehen sollte

Die Maske polarisiert: Wer Gesichtsmasken sinnvoll findet, ärgert sich über Verweigerer. Die reagieren manchmal sogar aggressiv, wenn man sie auf den fehlenden Mund-Nasen-Schutz anspricht. Die Psychologin Bärbel Wardetzki erklärt, wie wir am besten reagieren.

Stand: 14.07.2020

Hinweisschild für die Maskenpflicht | Bild: picture alliance/imageBROKER

Wer zur Zeit mit Bus oder Bahn unterwegs ist oder einkaufen geht, hat eigentlich immer einen Grund, sich zu ärgern: Die einen ärgern sich über die Maskenpflicht, die anderen über die Leute, die die Maskenpflicht nicht einhalten. Nach knapp drei Monaten schwindet bei vielen Menschen die Disziplin, Mund und Nase zu bedecken. In letzter Zeit kommt es wegen der Maskenpflicht sogar immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Besonders schockierend: In Frankreich haben uneinsichtige Fahrgäste einen Busfahrer so schwer verletzt, dass er wenige Tage später gestorben ist.

Debatte um Mund-Nasen-Schutz: "Ein Pulverfass"

Die Psychologin Bärbel Wardetzki beobachtet, dass es rund um die Hygieneregeln im öffentlichen Raum immer wieder Konflikte gibt. Sie spricht von einem Pulverfass: "Ich erlebe sehr viel Frust von vielen Leuten, und ich erlebe auch schon eine zum Teil unterschwellige Aggression. Das Thema wird nicht sachlich, sondern sehr emotional behandelt. Dann können Konflikte schnell eskalieren", so die Psychologin. Sollte man in dieser aufgeheizten Stimmung den Maskenverweigerer bitten, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu benutzen?

Warum ärgert es uns, wenn andere die Regeln verletzen?

Die Psychologin Bärbel Wardetzki rät: Bevor man seinem Ärger Luft macht, sei es sinnvoll, die eigenen Gefühle zu verstehen. Und sich zu fragen: Warum ärgert es mich, wenn andere ohne Mund-Nasen-Schutz S-Bahn fahren oder einkaufen gehen? "Entweder ärgere ich mich, weil ich es vielleicht selber machen würde und es mir nicht erlaube. Oder weil ich sage, ich bin so ein normentreuer Mensch, ich möchte, dass alle sich an die Regeln halten." Dazu komme der Ärger darüber, dass man eventuell angesteckt werden könnte. Das Gefühl, dass jemand anderes nicht auf einen achtet, kann uns sehr stark in unserem Selbstwertgefühl treffen, sagt die Psychologin.

Menschen mit Attest fühlen sich diskriminiert

Es gibt aber auch Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können. "Das können ganz unterschiedliche Erkrankungen sein", sagt Jan Gerspach vom Sozialverband VdK Bayern. "Wir haben Berichte von Menschen mit Lungenerkrankungen, Menschen mit Asthma, es sind genauso Menschen mit geistiger Behinderung, die die Maske einfach immer wieder abziehen, und es sind auch einige Menschen mit psychischen Erkrankungen." Jan Gerspach arbeitet am Beratungstelefon "Leben mit Behinderung" des Sozialverbands VdK Bayern. Er bekommt häufig Anrufe von Betroffenen, die durch ein Attest von der Maskenpflicht befreit wurden. Sie erleben zum Beispiel, dass Ladenbesitzer ihnen ohne Maske nicht erlauben, ihr Geschäft zu betreten. Der VdK und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sehen in der Abweisung trotz Attests ganz klar eine Diskriminierung. Der VdK rät Betroffenen, solche Vorfälle beim Behindertenbeauftragten Bayerns und der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu melden.

Atteste nur bei schwerwiegenden Gründen

Die Hürde, um so ein Attest zu bekommen, ist grundsätzlich hoch. Dr. Markus Beier vom Bayerischen Hausärzteverband berichtet von bedenklichen Entwicklungen, in denen Ärzte um Gefälligkeitsatteste gebeten werden. "Wir sehen in den Zahlen, die vorliegen, weiterhin starke Gründe Mund und Nasenschutz in der Öffentlichkeit zu tragen. Deshalb hat sich der Hausärzteverband von Anfang an dafür ausgesprochen, dass Befreiungen nur dann ausgesprochen werden, wenn es schwerwiegende individuelle Gründe dafür gibt. Wir prüfen das sehr genau." Einzelne Ärzte, die die Maskenpflicht kritisieren, stellen aber leichtfertig Atteste ohne genaue Prüfung aus.  

Vorsicht bei Regelbrechern

Wie also damit umgehen, wenn einen Menschen ohne Maske verärgern? Psychologin Bärbel Wardetzki mahnt zur Vorsicht: "Wenn man den Eindruck hat, dass jemand sich so gegen die Regel stellt, dann kann man fast davon ausgehen, dass dieser Mensch auch nicht konstruktiv auf eine Kritik reagieren wird. Und dann kann es sehr klug sein, lieber nichts zu sagen, als etwas zu sagen." Ob man etwas sagt oder nicht, sollte man intuitiv entscheiden, rät die Psychologin. Wer sich traut, solle einen kühlen Kopf bewahren und sein Gegenüber freundlich, aber bestimmt auf Hygieneregeln hinweisen. Dabei sei es wichtig, dass man mit Ich-Botschaften von sich spricht und nicht sagt: "Du bist schuld". "Dann sage ich, was mir auffällt, was mir nicht gefällt und was ich mir wünsche: "Mir fällt auf, dass sie ihre Maske nicht tragen. Es wäre mir ein Anliegen, dass Sie das tun."


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