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Dauerbeschallung und Knalltrauma Wie Lärm dem Hören schadet

Schäden am Innenohr durch Lärm sind nicht revidierbar. Besonders schlimm: das Knalltrauma. Aus allen noch so kleinen Schäden bildet das Ohr übers Leben eine Summe.

Von: Sabine März-Lerch

Stand: 19.04.2019

Symbolbild für Dauerlärm: Im Ohr einer Frau steht eine Miniaturfigur eines Straßenarbeiters mit Presslufthammer, der auf das Ohr einmeißelt. | Bild: picture-alliance/dpa

Nachdem Lärmschutzverordnungen und für Menschen in besonders exponierten Arbeitssituationen Hörschutz und regelmäßige Kontrolluntersuchungen eingeführt wurden, ist die Zahl der Menschen mit Lärmschwerhörigkeit gesunken.

"Früher waren von der Lärmschwerhörigkeit übrigens auch mehr die Männer betroffen, da sie eher diejenigen waren, die auf dem Bau und in der Fabrik in lauten Bereichen arbeiteten."

Prof. Markus Suckfüll

Freizeitlärm und Jugendliche

Der Lärm in der Freizeit von jungen Leuten wird oft nicht kontrolliert. Auf Konzerten und in Discotheken sind zwar Grenzwerte einzuhalten, doch wird z.B. niemand den Gebrauch von Kopfhörern kontrollieren.

"Eigentlich bräuchte es mp3-Player, die die Lautstärke drosseln und nach einer bestimmten Stundenzahl automatisch abschalten. Denn die Zeit der Exposition mit zu lauter Musik auf dem Kopfhörer ist auch ein Problem. Je länger Sie sich exponieren, desto höher ist die Chance, eine Schwerhörigkeit zu entwickeln. Junge Leute sind nicht sofort schwerhörig, aber wir sehen im Hörtest erste für den Lärm typische Veränderungen. Und vor allem: Aufs Leben und aufs Alter gesehen, summieren sich die Schäden."

Prof. Markus Suckfüll

Tipp:

Dem Ohr regelmäßig Pausen gönnen. Das Ohr mit seinen feinen Haarzellen kann sich so erholen. Sind die Sinneszellen erst einmal abgeknickt und damit kaputt, werden sie sich nicht mehr aufrichten.

Definition von Schwerhörigkeitsgraden

Um festzustellen, welche Art von Schwerhörigkeit vorliegt, wird ein sogenanntes Audiogramm erstellt.

"Bei der Altersschwerhörigkeit nimmt der Hörverlust mit zunehmender Frequenz zu. Je höher die Frequenz, desto größer der Hörverlust. Bei der Lärmschwerhörigkeit gibt es ein Maximum, das zwischen 2 und 6 Kilohertz liegt, einem Bereich, in dem Betroffene am schlechtesten hören. In noch höheren Frequenzen hören sie wieder besser. Beim Hörsturz können es auch die tieferen oder mittleren Frequenzbereiche sein."

Prof. Markus Suckfüll

Knalltrauma

Schlimmer als Dauerlärm sind für das Ohr akute Ereignisse, sogenannte Knalltraumata.

"Das ist zum Beispiel gefährlich, wenn man zum Schießen geht. Da reicht schon ein einziger Schuss, wenn man seinen Hörschutz nicht trägt. Oder plötzliche Verzerr-Geräusche aus dem Lautsprecher. Man ist durch ein lautes Einzelereignis stärker gefährdet als durch Dauerlärm."

Prof. Markus Suckfüll

Werden durch die Druckwelle des Knalls ganz mechanisch die Haar- bzw. Sinneszellen im Innenohr beschädigt, kommt es zu einer dauerhaften Höreinschränkung.


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