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Hintergrund Zuckerkrank

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Prävention Wie eine Behandlung mit Insulinpulver wirken könnte

Die aktuelle Forschung zielt unter anderem darauf ab, Diabetes Typ 1 bereits zu erkennen, bevor die Krankheit klinisch mit Symptomen ausbricht. Eine Möglichkeit, die derzeit in Bayern in Zusammenarbeit mit vielen Haus- und Kinderärzten in der Fr1da-Studie erprobt wird, ist die Bestimmung von Beta-Zell-Antikörpern im Blut von Zwei- bis Fünfjährigen im Rahmen einer routinemäßigen Kinder-Untersuchung.

Von: Moritz Pompl

Stand: 15.01.2018

Die Transmissionselektronenmikroskopische Aufnahme zeigt Beta-Zellen von Langerhans'schen Inseln einer Bauchspeicheldrüse (Immunofluoreszenz). | Bild: picture-alliance/dpa

Die Antikörper gegen die Insulin-bildenden Beta-Zellen sind nämlich bereits im Blut nachweisbar, bevor die ersten Symptome von Diabetes Typ 1 auftreten. Sie weisen auf ein Frühstadium der Erkrankung hin. Hat ein Kind erhöhte Antikörper-Werte, dann werden die Familien entsprechend geschult, um im Ernstfall schnell handeln zu können.

"Wir hoffen, dass der Gesetzgeber reagiert und die Krankenkassen das Programm dauerhaft übernehmen. Mit steigenden Zahlen würde die Bestimmung der Antikörper auch billiger. Ich schätze, der Test allein würde in Zukunft noch etwa einen Euro kosten."

PD Dr. med. Peter Achenbach, Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München

Ziel der Präventionsprogramme und einer frühzeitigen Therapie ist es, sowohl lebensbedrohliche Akut-Komplikationen (Ketoazidose) als auch Spätschäden zu vermeiden.

"So gut wie jeder Patient entwickelt irgendwann Folgeschäden, zum Beispiel an den Gefäßen. Aber je früher der Blutzucker gut eingestellt wird, desto länger lassen sich die Schäden hinauszögern."

PD Dr. med. Peter Achenbach, Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München

Bereits direkt nach der Geburt lässt sich mit einem Bluttest feststellen, ob für ein Kind ein erhöhtes Risiko besteht, an Diabetes Typ 1 zu erkranken. Im Rahmen der Freder1k-Studie bieten Geburtskliniken und Kinderärzte in Bayern, Sachsen und demnächst auch Niedersachsen diese freiwillige Untersuchung allen Eltern kostenlos an (www.gppad.org). Unabhängig vom Wohnort können Säuglinge aus ganz Deutschland teilnehmen, wenn ihre Eltern oder Geschwister bereits an Diabetes Typ 1 erkrankt sind.

Mit dem Freder1k-Screening für Babys bis zum Alter von vier Monaten wollen Wissenschaftler Kinder identifizieren, die ein im Vergleich mit dem Bevölkerungsdurchschnitt mindestens 25-fach erhöhtes Risiko besitzen, an Diabetes Typ 1 zu erkranken. Sie können an einer Präventionsstudie teilnehmen, welche die Krankheit verhindern soll. Ähnlich wie bei einer Desensibilisierung bei allergischen Erkrankungen bekommen die Kinder hierbei über einen längeren Zeitraum täglich Insulin als Pulver mit der Nahrung. Da es im Magen abgebaut wird, verändert es den Blutzucker nicht. Allerdings setzt sich das Immunsystem mit dem Insulin auseinander. Dadurch soll das Immunsystem so verändert werden, dass es das Insulin und auch die Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse nicht mehr angreift. Das Baby- und Kleinkindalter ist für so ein „Training“ ein günstiger Zeitpunkt: In dieser Phase lernt das Immunsystem, harmlose von zu bekämpfenden Reizen zu unterscheiden. Gleichzeitig ist dies auch der Zeitraum, in dem sich bei späteren Diabetes Typ 1 Patienten eine Fehlsteuerung der Immunabwehr entwickelt. Ob sich Diabetes Typ 1 auf diese Weise irgendwann vielleicht sogar komplett verhindern lässt, muss sich aber erst noch zeigen.


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