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Diagnose Wie Diabetes Typ 2 festgestellt wird

Die exakteste Art, derzeit Diabetes Typ 2 zu diagnostizieren, ist für viele Patienten nicht gerade die schmackhafteste: 75 Gramm Zuckerlösung wollen geschluckt und im Magen behalten sein.

Von: Katharina Hübel

Stand: 05.02.2019

Ärztin bei der Blutabnahme bei einer Diabetikerin | Bild: picture-alliance/dpa

Die Diagnose von Diabetes Typ 2 kann man auf verschiedene Arten stellen. Wenn der Nüchtern-Blutzuckerspiegel zwischen 100 und 126 liegt, dann handelt es sich um Prädiabetes, über 126 gilt die Diagnose Diabetes als gesichert. Man kann auch den Langzeitzucker im Blut messen, den HbA1c-Wert. Ein Wert zwischen 5,7 und 6,5 bedeutet Prädiabetes, 6,5 oder mehr heißt: Diabetes. Stellt man Prädiabetes fest, bringt ein oraler Glucose-Toleranztest, also ein Zuckerbelastungstest, weitere Klarheit. Der Patient trinkt dabei 75g Zuckerlösung und der Arzt testet, wie sich der Zucker nach zwei Stunden entwickelt hat. Normal ist, wenn der Wert innerhalb dieser Frist wieder unter 140 sinkt; wenn er nach zwei Stunden jedoch noch bei über 200 ist, handelt es sich gesichert um Diabetes; ein Wert zwischen 140 und 200 bedeutet Prädiabetes.

"Leider ist da ein für uns Diabetologen unverständliches Problem aufgetreten: Es gibt eine einigermaßen wohlschmeckende Traubenzuckerlösung mit Johannisbeer-Geschmack, die die Patienten trinken können, in der die Zuckermenge von 75 Gramm fertig gelöst ist. Die kostet knapp 4,50, wird aber von den Kassen nicht mehr bezahlt. Die Patienten müssen jetzt Zuckerwasser trinken, das wir selbst anrühren. Das schmeckt für manche Patienten widerlich. Wir haben immer wieder damit zu kämpfen, vor allem bei den Schwangeren, dass die Patienten das wieder erbrechen müssen. Vor allem ist durch das Anrühren die Diagnostik nicht mehr so exakt, weil ein Rest im Becher bleibt oder der Zucker nicht optimal gelöst ist."

Dr. Arthur Grünerbel, Vorsitzender Fachkommission Diabetes Bayern

HbA1c-Wert

Der Langzeitzucker, genannt HbA1c, ist für jeden Diabetiker wichtig, weil er über die Qualität seiner Blutzuckereinstellung der vergangenen acht bis zwölf Wochen Aussagen trifft. HbA1c ist ein Hämoglobin (roter Blutfarbstoff, Bestandteil der roten Blutkörperchen), an das sich ein Molekül Zucker, also Glucose, angelagert hat. Bei Gesunden sind in etwa fünf Prozent der Moleküle verzuckert. Je nach Therapieziel ist der so genannte Zielkorridor des HbA1c-Wertes des Patienten festgelegt. Für jüngere Patienten beispielsweise weniger als 7 Prozent, für ältere Patienten mehr als 7 Prozent. Das jedenfalls sagt die internationale Versorgungsleitlinie.

"Man versucht nicht mehr, die Diabetiker in den Bereich des Normalzuckers abzusenken, das wäre viel zu niedrig, da besteht die Gefahr der Unterzuckerung, die tödlich enden kann."

Dr. Arthur Grünerbel, Vorsitzender Fachkommission Diabetes Bayern

Regelmäßige Überwachung

Bei Diabetespatienten sollten folgende Nerven und Blutgefäße einmal im Quartal überprüft werden:

  • an den Füßen
  • an den Augen, vor allem an der Netzhaut
  • an der Niere

Die Gefäße müssen untersucht werden, damit der Patient vor einem Herzinfarkt bewahrt werden kann. Denn der Diabetes ist eine Gefäßkrankheit. Die Blutzuckerspitzen greifen die Gefäße an, sodass Diabetes immer ein großes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall mit sich bringt.

"Ein Diabetiker hat ein mindestens zweieinhalbfach so hohes Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen, wie ein normaler Herzpatient für einen zweiten Infarkt."

Dr. Arthur Grünerbel, Vorsitzender Fachkommission Diabetes Bayern


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