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Raubbau für den Bauboom Wie der Sand des Victoria-Sees geplündert wird

Sand ist der wichtigste Rohstoff für den weltweiten Bauboom. Doch die Sandvorkommen werden knapper. Weltweit suchen deshalb Bauunternehmer nach Sand. In Afrika liegen unangetastete Sandvorkommen im Victoria-See. Doch der flächenmäßig zweitgrößte Süßwassersee der Welt hat ein extrem empfindliches Ökosystem.

Von: Simone Schlindwein, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 07.02.2019

Sand ist der meistgefragte Rohstoff weltweit. Auch chinesische Baufirmen benötigen enorme Mengen an Sand, um daraus Beton für ostafrikanische Infrastrukturprojekte herzustellen. In Uganda zum Beispiel werden fast alle großen Bauprojekte von Chinesen umgesetzt: die Staudämme am Nil, die Schnellstraße zum Flughafen, die neue Eisenbahnlinie.

Mit Sand aus dem Victoria-See

Der Victoria-See ist der zweitgrößte Süßwassersee der Welt. Seine Ufer grenzen an die drei afrikanischen Staaten Tansania, Uganda und Kenia. Schon jetzt ist der Victoria-See berühmt für seine ökologischen Katastrophen. So setzten in den 1950er Jahren die Kolonialherren den im See nicht heimischen Victoria-Barsch aus. Der Raubfisch vermehrte sich extrem schnell und nahm gigantische Größen an. Er wurde plötzlich so groß wie ein Delfin.

Chinas Sandabau hinterlässt Spuren der Verwüstung

Tagelöhner sitzen auf aufgeschütteten Sandhaufen am Victoriasee

Doch der Fischbestand im Victoria-See schrumpft seit ein paar Jahren dramatisch. Ein Grund ist die extreme Überfischung, weswegen die Regierung das Fischen in Ufernähe vorrübergehend untersagt hat. Doch das Fischsterben hat noch andere Ursachen. Auch der Sandabbau trägt seinen Teil dazu bei. Was einmal eine grüne Landschaft war, mit Vogelnestern und Schmetterlingen, sieht mittlerweile aus wie ein Industriegebiet. Bagger hinterlassen tiefe Spurrillen in der Sumpflandschaft.

Im ugandischen Verwaltungsbezirk Wakiso liegen die längsten Uferabschnitte und zahlreiche Inseln mit sandigen Stränden. Ein Großteil sind Sumpflandschaften, in denen Papyrus wächst. Es ist die natürliche Kläranlage des Sees. Dass dieses Ökosystem intakt bleibt, ist für viele Anrainer lebensnotwenig. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt hier vom Fischfang.

"Die Chinesen haben Schiffe gebaut, mit gewaltigen Pumpen. Damit fahren sie in die Mitte des Sees. Mit Schläuchen saugen sie nicht nur Sand, sondern auch alles andere heraus. In sehr großen Mengen."

Matthias Bwanika, Vorsitzender des ugandischen Verwaltungsbezirk Wakiso

Mafiöse Strukturen

Ugandas Langzeitpräsident Museveni (Archivbild)

Die chinesischen Investoren sind offensichtlich eng vernetzt mit politischen Entscheidungsträgern in Uganda. "Ganz große Mächte" seien am Werk, sagt Matthias Bwanika, Vorsitzender des ugandischen Verwaltungsbezirk Wakiso. Die "Mächte", von denen er spricht, sind: General Caleb Akandwanaho, bekannt als Salim Saleh; er ist der jüngere Bruder von Präsident Yoweri Kaguta Museveni und hatte das Land 1986 als Rebellenführer erobert. Bis heute ist Salim Saleh Präsident Musevenis Sicherheitsberater und Vorsitzender der "Operation Wohlstandsgenerierung". Auch Salims Stellvertreter, Charles Angina, soll in die Machenschaften verstrickt sein.

Linktipps:

Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.: Unterschätzter Rohstoff - Von wegen "wie Sand am Meer"
Deutschlandfunk: "China baggert in Afrika"


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