Bayern 2


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Trockenheit in Bayern Wie Biobauern unter der Dürre leiden

Biobauern leiden besonders unter der Dürre. Weil ihr Vieh vor allem von dem Futter auf dem Hof lebt, wird es in diesen Wochen knapp. Die Wiesen rund um den Maierhof bei Kulmbach sind alle braun und vertrocknet.

Von: Lorenz Storch

Stand: 08.08.2018

Auf dem Biohof der Familie Sack bei Coburg wirkt sich die Dürre in diesem Jahr besonders stark aus. Bauer Michael Sack und sein Vater Gerhard geben die Hoffnung auf Regen trotzdem nicht auf. | Bild: BR / Lorenz Storch

Die letzte Mahd ist einfach ausgefallen. Biobauer Michael Sack und sein Vater Gerhard schauen auf ihre letzte Hoffnung: den Mais, der noch sehr niedrig und bedenklich trocken aussieht:
"Das ist der Silomais, den wir in zwei Wochen ernten wollen. Der ist eigentlich noch relativ okay. Er gibt hoffentlich noch 50 Prozent Ertrag. Da müsste es aber nächste Woche schon mal regnen. Das ist bei uns hier in der Gegend das Problem gewesen. Wir haben seit Februar keinen anhaltenden Regen, kein Tiefdruckgebiet gehabt."

Futter wird knapp

Mit irgendwas müssen die Sacks ihre 90 Milchkühe füttern. 80 Hektar bewirtschaften die beiden auf den sanften Hügeln über Kulmbach. Bei Biolandwirten gilt der Grundsatz: Das Futter soll von den eigenen Flächen oder von Partnerlandwirten nebenan kommen. Das wird heuer schwierig. "Das Problem haben die konventionellen Landwirte aber genauso: Keiner wird jetzt Futter hergeben. Und ich kann mein Grundfutter ja nicht aus Israel oder China kommen lassen."

Wenn es jetzt nicht bald regnet, wird eine Extremsituation noch extremer. "Wir müssen dann ja wirklich bis Ende April mit den Vorräten aus 2017 durchkommen", sagen die Sacks.

Familie Sack will keine Dürrehilfe vom Staat, aber faire Preise nach der Missernte

Dann müssen auch Milchkühe weg - da wollen die Sacks noch nicht daran denken - zumal die Preise für Rinder jetzt schon eingebrochen sind. Aber eine Dürrehilfe von der Bundesregierung und Europa - das will Michael Sack nicht. Sondern es allein schaffen. "Wir müssen da hinkommen, dass der Verbraucher sieht: Letztes Jahr war es trocken, es kann auch zu höheren Preisen kommen. Nicht gleich rumschreien, wenn die Butter zwei Euro kostet. Die Politik sollte sich da raushalten. Wir Bauern müssen das schaffen, wir haben es schon immer geschafft. Da helfen ein paar Bonuszahlungen auch überhaupt nichts. Es sind auch ganz andere Summen, die da jetzt gerade vernichtet werden."

Biobauern wollen mehr Vorräte anlegen und dem Klimawandel trotzen

Künftig mehr Futter-Vorräte anlegen, das ist für den Biolandwirt die Konsequenz aus der Erfahrung mit dem Klimawandel. Auch wenn das teuer wird. Den Hof klug managen. Nicht die Nerven verlieren und die Wintersaat zu früh aussähen, dann würden die Keimlinge im Boden vertrocknen. Demut gegenüber der Natur. Auf neue Wundermethoden hofft er nicht. "Es sagt sich immer so leicht, Trockenheits-tolerante Pflanzen. Nichts wächst ohne Wasser. Und wir werden in unserer Region nichts mit Beregnung machen – das ist zu teuer und macht keinen Sinn. Wir können auch nicht ans Grundwasser, das brauchen wir als Trinkwasser, auch für die Tiere. Wir müssen so klarkommen."

Die Niedrigpreispolitik muss weg - Biobauern brauchen viel Sprit

Würde es der Landwirtschaft helfen, wenn mehr Bauern auf Bio umstellen? Dass Ökolandwirtschaft per se klimafreundlicher wäre, wollen die Sacks nicht für sich in Anspruch nehmen. Zwar sparen sie energieaufwändige Agrarchemie und den Mineraldünger, der Lachgas emittiert, das viel klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Aber weil sie öfter aufs Feld müssen, brauchen die Biobauern mehr Diesel. "Wir brauchen wieder verstärkt gute Betriebe, die wieder auf ihren Boden und ihre Tiere schauen. Das vermittelt ja Bio. Ich glaube, dass die meisten Landwirte das auch eigentlich wissen. Aber es ist ein bisschen verloren gegangen wegen der Niedrigpreispolitik."

Hoffnung auf Regen in letzer Minute

Am Ende hilft nur eines: Regen! Der Senior, Gerhard Sack, erinnert sich noch an 1976 wo es auch sehr trocken war - da war er noch Schüler. Und 2003. Da war es im August auch sehr heiß undtrocken. Aber dann hat es damals doch noch geregnet, gleichsam in letzter Minute. "Das hat uns gerettet damals. Und diese Hoffnung besteht jetzt immer noch. Mal schauen, wie es wird.“


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Kommentare

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Franz, Donnerstag, 09.August, 07:53 Uhr

5. Wie Biobauern unter der Dürre leiden

Die Forderung von Greenpeace u. a. Unweltorganisationen bgzl. einer fairen und biologischen/umweltgerechten Landwirtschaft hat folgende Nebeneffkte:
qualitativ hochwertige, nachhaltige Ernährung
saisonale Produkte
Abkehr von Massentierhaltung und dadurch weniger CO2-Ausstoss
Renaturierung von Kulturlandschaften
Verringerung des Nitrateintrags durch weniger Gülle
bessere Preisbildung für die biolog. Landwirtschaft (wie in Österreich)
Abkehr von der Agrar-/Chemieindustrie durch Wegfall von Pestiziden/Herbiziden in der Landwirtschaft
Schaffung von neuen Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft
Klimaverbesserungen
...
Die Liste kann beliebig editiert werden.
Die Argumente für eine biol. Landwirtschaft und die Soforthilfen für Bio-Landwirte sind eindeutig und logisch und sehr gut!
Die konv. Landwirtschaft hat die Situation des Klimawandels mit verschuldet - einschließlich der Bauernverbände und der CSU-/Freie Wähler/FDP - und SPD-Politiker und die Subventionsgier dieser Personen.

  • Antwort von Maria A., Donnerstag, 09.August, 13:51 Uhr

    Natürlich - alle Bauern sind selbst schuld an ihrer Misere. Wie auch alle Dicken am Übergewicht. Alle Krebskranken haben total falsch gelebt und alle Dummen können auch für ihren Geisteszustand...
    Ich frage mich, in welcher Gesellschaft wir mittlerweile leben? Obwohl ständig Shitstorms von den Gutmenschen über jeden Quas gestartet werden, fühlt genau diese Klientel sich dazu berufen, bestimmte Gruppen zu mobben. Was versteht denn ein Gesunder von Kranken, ein Städter vom Landwirt, ein Leptosomer vom Pykniker? Oder ein Hochbegabter vom schwachsinnig Geborenen? Letztens gab es sogar User, die von Wespen Gestochene dafür verantwortlich machten, weil denen es auch nie passiert ist oder passieren kann... Leute - es reicht! Diese Hitze bringt unsere Bauern in Existenznot. Es gab schon immer mal Dürrejahre, seit Jahrhunderten schon. Und dies ganz ohne Feinstaub, Automassen, Flugverkehr, Umweltgifte und Massentierhaltung, aber immer mit enormer Hungersnot danach!

Geli, Mittwoch, 08.August, 23:23 Uhr

4.

Eine sehr einseitige Berichterstattung.

Wie so sollten nur Biobauern Futter für Ihr Vieh von der eigenen Fläche ernten? Konventielle Betriebe brauchen auch Futter für Ihr Vieh!!!

Und in übtigen für einen Biobetrieb sind 90 Milchkühe MASSENTIERHALTUNG!

  • Antwort von Sachsendreier, Donnerstag, 09.August, 14:04 Uhr

    Tja, wie man es nimmt... Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden. Meine Großeltern hielten vier Kühe, mästeten aller zwei Jahre ein Bullenkalb, oder auch mal zwei. Diese Größenordnung war nur überlebensfähig, weil mein Opa vollbeschäftigt war, also ein zusätzliches Einkommen hatte. Und alle mit im Haus Lebenden im Sommer besonders fleißig halfen. Ich kenne die Materie... Mich regt es auf, wenn besonders laut nur noch "Blinde vom Sehen reden", wie das mittlerweile üblich ist! In Talk-Sendungen beschwören Laien den Untergang der Welt durch Klimawandel, machen gern uns Deutsche, besonders die bösen Landwirte und die sturen Holz- und Kohleheizer, dafür verantwortlich. Sind jedoch totale Globalisierungsfans - müssten also wissen, dass wir 2(!) Prozent ausmachen. Also Deutschlands Agieren keine Rolle spielt - 98 Prozent machen weltweit, was sie für richtig halten. Auch wenn wir uns noch so bemühen vorbildlich zu sein, Tacheles: in Unkosten stürzen oder selbst kasteien!

Barbara Ströll, Mittwoch, 08.August, 22:10 Uhr

3. Studiogast Latif

Der Studiogast Prof. Latif hat scheinbar keine Ahnung von der Landwirtschaft. Die Frage danach, ob es einen klimarelevanten Unterschied gibt zwischen Ökolandbau und konventioneller Landwirtschaft, hat er nicht mal versucht zu beantworten. Stattdessen kommt der 0815-Verweis auf die Verbraucher, die ja alle zu viel Fleisch essen und die Rinder, die ja sooo viel Methan ausstoßen. Ich empfehle das Buch "Die Kuh ist keine Klimakiller" von Anita Idel. Rindfleisch ist vermutlich das klimafreundlichste Fleisch, dass bei uns konsumiert wird, vorausgesetzt: Die Kühe haben Weidegang und werden auch im Winter vorwiegend mit Heu ernährt oder auch Grassilage. Wer verrechnet den Methanausstoß mit dem CO2- das durch Beweidung und die 7 Mägen und die Mikroorganismen, mit denen die Kuh in Symbiose lebt, der Humusbildung im Boden zugeführt wird? Rinder beweiden ursprünglich die Flächen, auf denen Ackerbau nicht sinnvoll ist, die wir also nicht direkt für unsere Ernährung nutzen können.~

  • Antwort von Wir haben nur ein Klima, Mittwoch, 08.August, 23:09 Uhr

    Frau Ströll,
    den Fernsehbericht habe ich nicht gesehen und kann mir deshalb kein Urteil erlauben.
    Was mir aber auffällt, ihr Hinweis auf die Rinder, die Ihrer Meinung nach so
    Klimaverträglich sind.
    Nur - wie schaut es in Amerika, insbesondere Südamerika bei den abgeholzten
    Regenwäldern aus ? Alles für die Viehherden und den Sojaanbau. Die Regenwälder
    sind extrem wichtig für das Gleichgewicht unseres Klimas, global gesehen.
    Das Klima macht nicht an den Grenzen halt. Weltweit auch noch die ganzen
    Brandrodungen um Ackerland und Weideflächen zu erhalten. Was sagen Sie dazu ?

  • Antwort von Markus, Donnerstag, 09.August, 08:52 Uhr

    Die Kuhhaltung im Bericht entspricht offenbar nicht dem Prinzip "Weidegang + im Winter v.a. Heu oder Grassilage". Insofern ist der Betrieb zwar Bio, was etwa den Pestizideinsatz angeht, aber nicht darin, die Tiere so ökologisch wie möglich zu ernähren. Ich denke, "Weidefleisch" ist tatsächlich eine Antwort auf viele Kritikpunkte an der Rinderhaltung.

    (Heimische Weidehaltung mit dem Verweis auf Südamerika zu diskreditieren halte ich übrigens für unfair).

  • Antwort von Hemut, Donnerstag, 09.August, 09:55 Uhr

    Wenn schon global geantwortet wird, beachtet bitte auch Indien. Dort sind Kühe heilig !

Seppl, Mittwoch, 08.August, 14:51 Uhr

2. Na sowas?

Mein Mitgefühl gilt diesen Biobauern.

Was erstaunt ist, dass die Grün/innen fordern, alle Betriebe auf Bio umzustellen, weil nur diese mit der Trockenheit zurecht kämen. Ist das wieder mal nur so eine Grüne Parole ohne Substanz?

  • Antwort von Lesen !, Mittwoch, 08.August, 19:10 Uhr

    Muss immer wenn es um Bio und Naturverträglichen Umgang mit unseren Ressourcen
    geht, der Seitenhieb gegen die Grünen kommen ? Für mich nicht mehr
    erklärbar ! Wir haben nur diese Welt und betreiben Raubbau der schlimmsten Art.

    BR:
    Biobauern wollen mehr Vorräte anlegen und dem Klimawandel trotzen
    Künftig mehr Futter-Vorräte anlegen, das ist für den Biolandwirt die Konsequenz aus der Erfahrung mit dem Klimawandel. Auch wenn das teuer wird. Den Hof klug managen. Nicht die Nerven verlieren und die Wintersaat zu früh aussähen, dann würden die Keimlinge im Boden vertrocknen. Demut gegenüber der Natur. Auf neue Wundermethoden hofft er nicht. "Es sagt sich immer so leicht, Trockenheits-tolerante ...

  • Antwort von Gaia, griechische Urmutter und Göttin, Mittwoch, 08.August, 22:17 Uhr

    (Anm. d. Redaktion: Ein Teil ihres Kommentars wurde entfernt. Die Online-Redaktion möchte im Kommentarbereich Raum für den Austausch von Argumenten und eine sachliche Diskussion bieten. Wir bitten deshalb auf Kommentare zu verzichten, die lediglich der Diskreditierung von Personen dienen. Die Online-Redaktion)

    Der Ökologische Landbau setzt in erster Linie auf die Futtermittelerzeugung vom eigenen Hof oder dem Zukauf aus ökologischen Betrieben im Umkreis. Konventionelle Landwirte (nicht alle) u. Agrarfabriken brauchen keine Flächen für Futtermittel vorhalten. Die kaufen halt einfach auf dem Weltmarkt von überall her ein, besonders aus Südamerika. Deshalb ist Deutschland ja der Schweine-, Rinder- u. Hühnerstall Europas und weiß nicht wohin mit der Sch..ße, weil die Fläche für die ganzen Viecher überhaupt nicht vorhanden ist. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
    Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

websaurier, Mittwoch, 08.August, 11:57 Uhr

1. Hier sind Hilfen wirklich angesagt !!!


Aber nicht bei "unseren" Spezialisten, die vergifteten Mais und Getreide in die Biogasanlagen schaffen...
Unzählige Höfe, die nicht ein Gramm Nahrungsmittel produzieren, dürfen keine Hilfen bekommen!

  • Antwort von Huaba Sepp, Mittwoch, 08.August, 14:09 Uhr

    Natürlich kann man gegen Biogas sein. Ich bin auch dagegen. ABER Schuld daran sind nicht die Bauern! Schuld ist die Politik, die die falschen Anreize gesetzt hat! Und leider immer noch setzt.

    Und Hut aber vor der Familie Sack! Jetzt müsste nur noch die Politik die richigen Weichen setzten, dass der Markt das Überleben der nachhaltig wirtschaftenden (Bio)Bauern - oder von wem auch immer am Wirtschaftsgeschehen Beteiligten - sicherstellt.
    Nur leider sehe ich keine einzige Partei - nein, auch nicht die sog. Umweltparteien - die ehrlich sind! Kann es soooo schwer sein, dass wir so wirtschaften - bzw. dass die Anreize so gesetzt werden - dass die sog. "Exterenen Effekte" eingepreist werden?
    Von den Damen und Herren Politikern hat keiner den Arsch in der Hose mal gegen Lobbymeinungen und gegen kurzfristigen Erfolgt an der Wahlurne zu handeln und an das Wohl unserer Kinder und Enkel zu denken.

    PS: Journalistisch ja keine Meisterleistung. Eine einzige Meinung ist schon dünn....