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Soziale Teilhabe übers Ohr Wer hört, nimmt am Leben teil

Schon für das Neugeborene kann sich am Hör-Sinn entscheiden, ob es an der sozialen Welt teilhaben wird. Ohne Hören kein Sprechen. Auch beim älteren Menschen reduziert das nachlassende Gehör eventuell seine soziale Interaktion.

Von: Sabine März-Lerch

Stand: 19.04.2019

Ohr | Bild: picture-alliance/dpa

Hören und Spracherwerb - Screening gegen Taubheit

"Wenn ein Kind schwerhörig oder taub ist, haben wir heute durch Hörgeräte oder Cochlea-Implantate alle Möglichkeiten, dass es normalhörig wird. Bei einem Kind hat das eine besondere Bedeutung: Ein Kind lernt die Sprache bis zum 6. Lebensjahr. Wenn wir diese Phase verpassen, dann ist es nicht nur taub, sondern dann ist es auch taub und stumm, weil es die Sprache nicht erlernt, denn dann ist die Zeit des Spracherwerbs vorbei."

Prof. Markus Suckfüll

Der ideale Zeitpunkt um zu erkennen, ob ein Kind hört oder nicht, und es zu versorgen, ist, bevor es ein Jahr alt ist. Einen Hörtest versteht ein Kind in diesem Alter nicht. Deshalb kommen speziellen Geräte zum Einsatz: Sonden, die akustische Emissionen aus dem Ohr messen. Sind diese vorhanden, dann hört das Kind normal.

"Das ist ein einfaches Screening, jedes Neugeborene wird getestet. Wenn aus dem Ohr keine Töne raus kommen– tatsächlich kommen nicht nur Töne ins Ohr, sondern auch heraus – dann stimmt etwas nicht und man muss das genauer abklären."

Prof. Markus Suckfüll

Besteht ein Zusammenhang zwischen Demenz und Schwerhörigkeit?

Experten bezeichnen eine nicht versorgte Altersschwerhörigkeit - wenn also kein Hörgerät getragen wird - sogar als Hauptrisikofaktor für Altersdemenz und Altersdepression. Menschen, die nicht mehr gut hören, ziehen sich häufig aus ihrem sozialen Leben zurück, fordern sich nicht mehr. Die Leistung des Gehirns nimmt ab.

"Das Hören ist der wesentliche Sinn für unsere soziale Interaktion. Jeder würde wahrscheinlich sagen, das Sehen sei viel wichtiger als das Hören, aber für unseren Umgang mit anderen Menschen als soziales Wesen ist das Hören viel wichtiger."

Prof. Markus Suckfüll


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