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Probleme im Vorfußbereich Wenn Zehen krumm werden

Zu den häufigsten Problemen im Vorfußbereich zählen Deformitäten der großen Zehen (Hallux valgus oder Ballenzehe), sowie der Zehen zwei bis fünf (die so genannten Kleinzehen), die sich zu Hammer- oder Krallenzehen verformen können. In der Regel steht dabei das Grundglied der Zehe in die Höhe, Richtung Fußrücken und krallt sich im Mittel- und Endglied ein.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 22.07.2019

Es gibt zahlreiche Fußfehlstellungen, aber auch viele Therapien - im Bild: Wanderer hält sich den nackten Fuß | Bild: colourbox.com

Generell sind diese Deformitäten fast immer multifaktoriell, selten ist nur ein einziger Auslöser verantwortlich. Orthopäden wissen heute, dass die herkömmliche Lehrmeinung, hohe und enge Schuhe seien in erster Linie dafür verantwortlich, so nicht mehr haltbar ist. Inzwischen sind  Mediziner überzeugt, dass deformierte Zehen oft auch genetisch bedingt sind.

"Mutet jemand mit einer genetischen Prädisposition seinen Füßen zusätzlich oft hohe und enge Schuhe zu, hat außerdem Muskelverkürzungen und/oder einen Knick-Senkfuß, dann führt das häufig zu Vorfußdeformitäten wie einem Hallux valgus."

Dr. med. Andreas Toepfer, Oberarzt am Zentrum für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie, Schön Klinik München Harlaching, zertifizierter Fußchirurg

Hallux valgus (Ballenzehe)

Mit einer zur Seite hin abstehenden große Zehe haben vor allem Frauen zu tun, ungefähr im Verhältnis neun zu eins. Oft haben bereits Mutter und Großmutter einer Patientin dieselben Probleme (sog. positive Familienanamnese), deshalb liegt die Vermutung nahe, dass es sich um eine genetische Prädisposition handelt. Männer und sogar Jugendliche können aber auch betroffen sein. Stöckelschuhe können also nicht der einzige Auslöser sein.

Ursachen

Neben der genetischen Veranlagung kann unter anderem auch eine verkürzte Wadenmuskulatur für den Hallux valgus verantwortlich sein, denn dies führt dazu, dass man oft wie auf Zehenspitzen läuft und dabei den Vorfuß übermäßig belastet. Daraufhin weicht die große Zehe der übermäßigen Belastung aus. Verstärkt werden kann das, wenn gelenkstabilisierende Muskeln, Sehnen oder Bänder in ihrer Funktion eingeschränkt sind. Selten sind direkte Verletzungen oder Syndromerkrankungen wie die Hyperlaxizität für die Entstehung eines Hallux valgus verantwortlich.

Hammer- und Krallenzehen

Solche Verformungen beziehen sich auf die Kleinzehenstrahlen, also die Zehen zwei bis fünf. Mediziner sprechen in dem Fall von Kleinzehendeformitäten, oft treten sie allerdings in Kombination mit dem Hallux valgus auf. Eine muskuläre Dysbalance gilt als häufigste Ursache für diese Fehlstellungen. Wer davon betroffen ist, sollte schon früh beginnen, aktiv dagegen anzusteuern.

Therapie

Bei milden Fehlstellungen kann im Frühstadium eine gezielte, nicht-operative Therapie nach Anleitung durch den Experten, zum Beispiel in Form einer sogenannten Spiraldynamik, auch selbstständig durchgeführt werden. In Kombination mit geeigneten orthopädischen Hilfsmitteln können Operationen so teilweise vermieden werden. Liegt jedoch eine höhergradige Deformität vor und ist ein gewisses Maß an Fehlstellung erreicht, so kann nur noch eine fachgerecht durchgeführte Operation die Beschwerden lindern und die Fehlstellung korrigieren. Eine lang anhaltende Fehlstellung führt häufig zu irreversiblen Schädigungen (Arthrose) des betroffenen Gelenks. Deshalb kann auch bei einer schmerzfreien Fehlstellung der richtige Zeitpunkt einer Operation verpasst werden. In vielen Fällen kann eine Hallux valgus- und Hammer- oder Krallenzehehndeformität inzwischen erfolgreich minimalinvasiv durch den in dieser Technik geschulten und entsprechend erfahrenen Operateur korrigiert werden. Eine bessere Beweglichkeit der Großzehe und deutlich kleinere Narben sind die Vorteile dieser Operationstechnik.

Dehnung- und Steuerungsübungen

Nicht jede Zehendeformität muss gleich operiert werden. Bei milden Verformungen kann man versuchen, regelmäßig bestimmte Kräftigungs- und Dehnübungen durchzuführen und konservativ-orthopädisch einzugreifen, also zum Beispiel Einlagen, Zehenspreizer und Hallux-Schienen zu verwenden. Rückgängig machen lässt sich das Problem damit zwar eher selten, immerhin jedoch oft aufhalten oder ein Fortschreiten verlangsamen.

Physiotherapie

In vielen Fällen kann bei Übungen gegen Vorfußdeformitäten die Hilfe von Physiotherapeuten sinnvoll sein, nach deren Anleitung man dann selbständig üben muss.

"Außerdem haben wir für unsere Patienten Infoblätter erarbeitet, auf denen diese Übungen auch grafisch dargestellt sind, wie man mit einfachen Hilfsmitteln, z.B. an einer Treppenstufe oder mit einem Handtuch üben kann."

Dr. med. Andreas Toepfer, Oberarzt am Zentrum für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie, Schön Klinik München Harlaching


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