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Prädiabetes Wenn Diabetes Typ 2 beginnt

Diabetes Typ 2 muss nicht chronisch werden. Erkennt man die Krankheit früh, wenn die Blutzuckerwerte erst leicht erhöht sind, so hat der Patient selbst noch viel in der Hand.

Von: Katharina Hübel

Stand: 05.02.2019

Würfelzucker. | Bild: BR/Johanna Schlüter

Prädiabetes - so heißt der Fachausdruck für leicht erhöhte Blutzuckerwerte. Dr. Arthur Grünerbel, Vorsitzender der Fachkommission Diabetes Bayern, spricht von einer "Grauzone", in der man den Typ-2-Diabetes noch zurückdrehen kann. Konsequente Lebensstiländerung ist jedoch die Voraussetzung dafür.

"Da gibt es aber leider noch keine von den Krankenkassen finanzierten Programme, an denen die Patienten teilnehmen könnten. Wir bieten den Patienten das natürlich an, leider müssen sie dafür selbst bezahlen. Dann entscheiden sich nicht alle für das Programm, das in etwa zwischen 100 und 150 Euro kostet. Sie lesen im Internet nach, was sie tun können, machen dann womöglich aber doch nicht genug und sind in zwei Jahren dann wieder da als Diabetiker."

Dr. Arthur Grünerbel, Vorsitzender Fachkommission Diabetes Bayern

Prävention

Ein Risikofaktor für Diabetes ist Übergewicht. Früher haben Diabetologen angenommen, dass der Diabetes verschwindet, wenn ein Patient deutlich abnimmt. Ganz so einfach ist es leider nicht, so hat die Forschung und die Erfahrung mit der Krankheit inzwischen gezeigt. Die genetische Belastung bleibt nämlich bestehen, auch wenn diese unterschiedlich ausgeprägt ist.

"Allerdings ist es, laut einer recht neuen Studie, die beim Deutschen Diabeteskongress im Herbst 2018 vorgestellt wurde, so: Wenn es tatsächlich gelingt, dass Menschen mit einem BMI über 30 15 Kilo abnehmen und das neue Gewicht dauerhaft halten können, dann ist bei diesen Menschen der Diabetes auch erstmal weg. Natürlich haben wir auch hier keine Langzeitdaten über zehn, 20 Jahre."

Dr. Arthur Grünerbel, Vorsitzender Fachkommission Diabetes Bayern

Lebensstil

Gesunde, ausgewogene Ernährung (wenig Zucker, wenig Cholesterin), nicht rauchen und ausreichend Bewegung: Das nennen Diabetologen "Lifestyle-Modification" - die erste Maßnahme nach der Diagnose. Aber der Effekt ist oft kurzzeitig: Nach zwei, drei Jahren nivelliert er sich leider oft, so die Erfahrung des Diabetologen Dr. Arthur Grünerbel.

"Weil eben die Lebensstiländerung alleine doch nicht konsequent über Jahrzehnte durchgehalten werden kann. Unsere Gesellschaft ist ganz anders gepolt: Wir müssen nicht mehr jeden Tag 15 Kilometer gehen, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Wir sind aber genetisch noch darauf programmiert. Man könnte Diabetiker besser gesellschaftlich unterstützen, indem man zum Beispiel die Süßgetränke höher besteuert. In Großbritannien klappt das auch hervorragend."

Dr. Arthur Grünerbel, Vorsitzender Fachkommission Diabetes Bayern

Viele Patienten kommen aber erst zum Diabetologen, wenn sie schon Diabetes Typ 2 entwickelt haben. Sie kommen beispielsweise erst dann, wenn sie an den Füßen Empfindungsstörungen, also eine Neuropathie, eine diabetische Nervenschädigung, haben. Manchmal wird Diabetes auch erst diagnostiziert, wenn schon ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall eingetreten ist.


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