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Wenn es um Sekunden geht Was tun bei Kammerflimmern?

Es ist der absolute Ernstfall unter den Herzrhythmusstörungen: Das Kammerflimmern. Im Gegensatz zum Vorhofflimmern wird es für den Betroffenen sofort lebensbedrohlich. Das Herz zuckt dann mehr als 300 Mal pro Minute völlig unkoordiniert, ohne dass es noch Blut in den Kreislauf pumpen kann.

Von: Doris Schleich

Stand: 11.02.2019

Defribrillatoren können nicht nur bei Herzrhythmusstörungen Leben retten - im Bild: Präsentation eines mobilen Defribrillators | Bild: picture-alliance/dpa

Wichtig zu wissen: Wenn nicht umgehend medizinische Hilfe kommt, ist das Kammerflimmern gleichbedeutend mit dem Herztod.

Erste Hilfe für Jedermann: Wie der Herztod zu verhindern ist
Für Außenstehende ist es meist schnell zu erkennen, ob jemand von Kammerflimmern befallen ist.
Kammerflimmern führt zum sofortigen Umfallen des Patienten. Er gibt vielleicht noch einen Seufzer oder ein Stöhnen von sich und ist dann bewusstlos.
Sofort sollte man eine externe Herzmassage machen, um einen minimalen Kreislauf wieder herzustellen, bis der Notarzt eingetroffen ist. Der kann das Herz elektrisch regulieren.
Je früher die Herzdruckmassage stattfindet, umso besser sind die Chancen, dass der Patient unbeschadet davonkommt.
Das Problem ist: Das Herz ist viel ausdauernder als das Gehirn. Das Herz kann auch einen Stillstand von bis zu drei Minuten vertragen, während das Gehirn sehr viel schneller erheblichen Schaden nimmt, wenn kein Blut mehr nach oben gepumpt wird.

Herzdruckmassage: Hauptsache drücken!

Eine Herzmassage zu machen, das ist leicht dahingesagt. Im Ernstfall aber trauen sich viele nicht an einen Notfallpatienten heran, weil sie sich an die im Erste-Hilfe-Kurs gelernte Druck-Stelle nicht genau erinnern und auch vergessen haben, in welchem Rhythmus man abwechselnd drücken und beatmen soll. Außerdem gibt es die Hemmschwelle, einem fremden Menschen Luft einzublasen. Prof. Hoffmann versucht, diese Bedenken zu nehmen:

"Heute sagt man: Vergessen Sie die Beatmung. Durch das Drücken des Brustkorbs wird genug Luft hin und her bewegt. Viel entscheidender ist, dass man drückt."

Prof. Ellen Hoffmann

Tipp: So geht die Herzdruckmassage

  • Mit einer Frequenz von circa 100 Mal pro Minute in der Mitte des Brustbeins drücken.
  • Man muss den Patienten auf eine feste Unterlage legen und das Brustbein etwa drei bis vier Zentimeter Richtung Wirbelsäule drücken.

Bei Herzrhythmusstörungen können Defribrillatoren Leben retten.

Dann kommt ein Minimalkreislauf zustande, der es erlaubt, das Gehirn über eine Zeit von bis zu 15 Minuten so zu durchbluten, dass es keinen erheblichen Schaden nimmt. Sanitäter können dann die elektrische Defibrillation durchführen.

"Wenn jedoch ein Defibrillator in der Nähe ist, ist das das Mittel der Wahl, denn er ist für jeden anwendbar."

Prof. Ellen Hoffmann

Wie funktioniert der Defibrillator?

Der Defibrillator war lange Zeit den Rettungssanitätern und Krankenhäusern vorbehalten. Das Gerät gibt bei Kammerflimmern einen oder mehrere elektrische Schocks ab und normalisiert so wieder den aus dem Ruder gelaufenen Herzschlag. Inzwischen sind Defibrillatoren an vielen öffentlichen Plätzen, Flughäfen, U-Bahnhöfen und in Betrieben verfügbar. Im Notfall kann jeder Umstehende damit Hilfe leisten. Die modernen Geräte erkennen von selbst, wann und ob sie einen Schock abgeben müssen und leiten den Helfer genau an, was zu tun ist.

"Im Grunde sind diese Defibrillatoren selbsterklärend. In der Regel sind aber Bahnpersonal, Stewardessen oder die Feuerwehr ohnehin in den Gebrauch der Geräte eingewiesen. Dadurch sind schon viele Menschenleben gerettet worden, weil in unglaublich kurzer Zeit die elektrische Regulierung erfolgen kann. Das ist wirklich ein guter Fortschritt. 90 Prozent der Patienten, die so behandelt werden, verlassen ohne Folgeschäden das Krankenhaus. Früher war es genau umgekehrt: 90 Prozent trugen Folgeschäden davon."

Prof. Ellen Hoffmann


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