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Preisdumping statt Qualität? Was taugen Handwerker-Portale im Netz?

Handwerkerbörsen wie myhammer gibt es jetzt schon seit einigen Jahren. Anfangs hagelte es Kritik aus der Handwerkerbranche. Man hatte Angst, dass es ein Preisdumping geben wird, dass die Qualität leide. Wie ist das heute?

Von: Henrike Busch

Stand: 07.03.2018

Symbolbild: Handwerker mit Werkzeugkasten | Bild: picture-alliance/dpa

Sie heißen blauarbeit.de, myhammer.de oder undertool.de. Sie alle funktionieren sehr ähnlich: Kunden beschreiben die Arbeit, für die sie Handwerker suchen, und können auch den Preis nennen, den sie zahlen wollen. Handwerker können sich dann auf den Job bewerben.

Der derzeitige Marktführer myhammer.de hat vor über zehn Jahren angefangen. Damals noch als Auktionsplattform: Handwerker mussten sich gegenseitig unterbieten, um an einen Auftrag zu gelangen. Nach nur einem Jahr hatte das Wettbieten ein Ende.

"Wenn man sich gegenseitig unterbieten muss, das ist doch kein Zustand. Das  ist einfach keine gute Idee. Und ein Endkunde möchte auch nicht den billigsten Handwerker, obwohl das immer behauptet wird."

Claudia Frese, Vorstandsvorsitzende der MyHammer AG

Neuerungen für Handwerker-Portale

Auch an anderer Stelle wurde nachjustiert. So müssen etwa Kunden nicht mehr ihre Preisvorstellung angeben. Handwerker ohne Gewerbe- oder Handwerkerkarte wurden ausgeschlossen. Alles Punkte, warum die anfängliche Skepsis der Handwerkskammern nachgelassen hat.

Für Existenzgründer können diese Portale eine Möglichkeit sein, sich erstmal einen Kundenstamm aufzubauen. Danach sind die Portale - gerade in Zeiten von vollen Auftragsbüchern wie derzeit - kaum noch nötig. Vieles läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda.

Schwarze Schafe im Netz nicht auszuschließen

Das Risiko auf den Portalen auf ein schwarzes Schaf zu treffen, das nicht nach den Vorgaben der Handwerkskammern und ohne Rechnung arbeitet, ist gering. Dennoch ist Schwarzarbeit nicht vollkommen auszuschließen genauso wenig wie Pfusch. Denn ein Gewerbeschein allein macht noch keinen Profi.

"Ein klassisches Qualitätsmerkmal ist natürlich der Meister. Also wenn ein Handwerker mit einem Meisterbrief ausgestattet ist, dann ist er in aller Regel auch ein gut qualifizierter Handwerker."

Frank Hüpers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern

Bewertungen anderer Nutzer hilfreich

Doch ein Schlupfloch bleibt: Der Handwerker muss lediglich mit irgendeinem Gewerk angemeldet sein. Sprich: Ein Elektriker kann sich für eine Badsanierung bewerben, obwohl er davon nichts versteht. Hilfreich für den Kunden sind deshalb auch die Bewertungen anderer Kunden. Dabei versuchen die Portale sicherzustellen, dass es sich dabei um echt Bewertungen handelt. Wie bei jedem Bewertungsportal lohnt es sich, so viele Bewertungen wie möglich zu lesen - falls es doch das ein oder andere Mal Absprachen gegeben haben sollte.

Fazit

Der Erfolg - zweistellige Wachstumsraten in den letzten Jahren - spricht für sich. Die Plattformen helfen den Betrieben eventuelle Auftragslücken zu schließen und den Kunden relativ schnell an einen Handwerker zu kommen. Ob es allerdings der günstigste ist, ist nicht zwangsläufig sicher.


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