Bayern 2


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Zum 80. Geburtstag "Was Sie schon immer über Gerhard Polt wissen wollten, aber nie zu fragen wagten!"

Gerhard Polt könnte gut ohne die ganze Fragerei. Grad jetzt zum 80. Geburtstag. Es ist ja auch alles schon gefragt worden. Oder etwa nicht? Autor Christoph Leibold bringt Fragen mit, die bisher niemand zu stellen wagte – u.a. von Stofferl Well, Campino, Luise Kinseher, Josef Hader und Ilse Aigner.

Von: Christoph Leibold

Stand: 07.05.2022 08:05 Uhr | Archiv

"Wenn man sinnlost, wenn man nichts erwartet, wenn man nix macht, dieses Gottvertrauen, diese Zuversicht, dieses schöne Wort - dass dann irgendwas kommt, was auch positiv ist, das ist das Tolle für mich. Zuversicht ist ein irres Wort für mich. Ich gehe aus dem Haus hinaus, aber nicht gesenkten Hauptes, weil ich zuversichtlich bin, kein Dachziegel wird jetzt runterfallen in dem Moment und wird mir den Schädel zerschlagen. Das ist doch toll, oder?"

(Gerhard Polt)

Spaziergang mit Gerhard Polt und vielen Fragen - souffliert von Campino, Luise Kinseher, Josef Hader, Ilse Aigner und anderen

Autor Christoph Leibold und Gerhard Polt beim Interview-Spaziergang im Josefstal

"Kennen Sie an Lipizzaner?", hat Gerhard Polt uns im Interview vor einiger Zeit einmal gefragt. "Wenn der a Musik hört, dann geht er in d'Höh. Des is' Zirkusluft." Über seine Kunst zu reden, das allerdings bräucht’s für Polt eigentlich gar nicht.

Für das Bayerische Feuilleton hat die humoristische Naturgewalt eine der inzwischen raren Ausnahmen gemacht und zum Spaziergang ins Josefstal hinterm Schliersee eingeladen. Zur allmählichen Verfertigung des Gesprächs beim Gehen. Aus Angst aber, dass auch uns nur dieselben alten, abgedroschenen Fragen einfallen, die schon andere längst gestellt haben, hat sich Autor Christoph Leibold soufflieren lassen.

Fans, Freunde und mögliche Feinde des großen Humoristen haben ihm Fragen mit auf den Weg gegeben um endlich das zu erfahren, was sie schon immer über Gerhard Polt wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen gewagt hatten.

Gerhard Polt auf der Bühne

Wenn man Gerhard Polt auf der Bühne erlebt, schaut man keinem Schauspielvirtuosen zu. Man wohnt eher einem überwältigenden Naturschauspiel bei.

Gerhard Polt und Stofferl Well

"Also, dem Gerhard seine Nummern, wenn ich auf der Bühne sitz' und das immer hör' – sie sind nie gleich! Das ist für mich wie wenn ich eine Mozart-Sinfonie höre. Es ist jeden Abend anders. Manche Geschichten habe ich ja schon hundert Mal gehört, aber ich muss immer noch lachen."

(Stofferl Well)

Der Kabarettist Josef Hader

"Diese Kurzform, sein theatralischer Monolog, das ist höchste Vollendung. Und die Art und Weise wie er Menschen einerseits fast kalt sezieren kann wie ein Insektenforscher, und gleichzeitig aber so viel Empathie für diese Menschen hat … sonst könnte er sie ja auch nicht so spielen, diese Mischung von manchmal kaltem Blick und Begeisterung für die Abgründe und auch Empathie für diese Menschen, das sind eigentlich Dinge, die man als Mensch gar nicht gleichzeitig machen kann. Aber er kann es."

(Josef Hader)

Polt, der Menschenfreund

Dass Gerhard Polt fürwahr ein Menschenfreund ist, das spürt man, wenn man mit ihm durch seinen Heimatort spaziert. An der ungezwungenen Art, mit denen er den Menschen begegnet. Frei von Promi-Allüren.

Herr Polt, sind Sie ein Menschenfreund?

"Ja, ich glaube ja. Menschen haben für mich, wie auch immer, in jeder Form irgendwas Interessantes. Man erkennt sich als Mensch. Und manchmal erkennt man, dass man halt logischerweise unterschiedlich ist, aber ich mein, natürlich: ich mag den Menschen auch, wenn er ein Tierfreund ist!"

(Gerhard Polt)

Polt, der Bayer

Campino, Sänger der 'Toten Hosen'

"Das Wesentliche an Gerhard ist, dass er von seiner Heimat fasziniert ist, auch durchtränkt ist von dieser bayerischen Tradition, die er dann wieder auf eine sehr gute Art und Weise persifliert. Und auch wenn man meint, dass er sich sehr aufs Bayerische bezieht und da eine Menge Inspiration draus zieht, sind seine Pointen aber letztendlich für jeden Menschen zu gebrauchen und haben überhaupt nichts mit lokalen Problemen zu tun, sondern das ist einfach nur Philosophie - meiner Meinung nach."

(Campino, Sänger und Frontmann der 'Toten Hosen')

Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags

"Ein großer Teil seines Programms hätte gar nicht stattfinden können, wenn es die CSU nicht gegeben hätte. Er hätte einfach keinen Konterpart gehabt. Aber manchmal tut’s natürlich weh."

(Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags)

Polt und die Gemütlichkeit

Gemütlichkeit – so wie Polt sie lebt und verkörpert – hat nichts mit Schwerfälligkeit zu tun, nichts mit Behäbigkeit. Eher schon mit einer Bierruhe von geradezu meditativer Dimension, die an Erleuchtung heranreicht.

Polt im Biergarten - Szene aus dem Film "Herr Ober!"

"Der Gerhard ist halt einfach ein absoluter Genussmensch. Du hast nix mit ihm schreiben oder arbeiten können, wenn nicht festgestanden hat, wo man am Abend zum Essen hingeht. Das Abendessen hat immer gesichert sein müssen - und ein gutes Lokal, sonst ist nach dem Frühstück nichts weitergegangen."

(Hans Well, Musiker)

"Wenn ich eine Wirtschaft habe und eine Wirtin und einen Wirt und eine Bedienung und so weiter, die einem alles bringen, und man kann leichtfertig aus sich heraus Dinge beschreiben und mit Leuten drüber streiten oder verschiedener Meinung sein - ja, das ist schon eine wunderbare Idee, so ein Wirtshaus!"

(Gerhard Polt)

Gibt es eigentlich auch etwas, was Polt nicht kann?

Und nun der Trost für alle normalsterblichen Kabarettistinnen und Kabarettisten. Was kann der Mann, der doch eigentlich alles kann, nicht?

Die Kabarettistin Luise Kinseher

"Vielleicht kann er nicht Kochen? Oder ... ich glaub sogar, er kann ganz gut singen. Ähm ... vielleicht kann er nicht Geige spielen, oder Klavier? Und dann wäre da auch noch die Frage, ob er zeichnen kann. Das weiß ich jetzt auch nicht. Vielleicht kritzelt der Gerhard Polt sogar heimlich irgendwelche lustigen Bilder in ein Notizbuch? Ich weiß es nicht!"

(Luise Kinseher, Kabarettistin und Schauspielerin)

Polt und seine Berufung

"Wenn Du auf nichts wartest oder nichts erwartest – und das wird dir so gegeben. Und da denk' ich mir: schau, wie schön das ist, hätte ich jetzt nicht so einen Beruf, wäre ich jetzt nicht da, wäre das nicht, und das nicht und das nicht. Das ist toll! Da kann man nur sagen: Merci!"

(Gerhard Polt)


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