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Definition Was ist Resilienz?

Im medizinisch-psychologischen Kontext bezeichnet Resilienz zum einen die allgemeine Widerstandskraft gegenüber den Herausforderungen des Lebens. Zum anderen beschreibt sie die Reaktion auf spezielle schwierige Ausgangsbedingungen wie z. B. Armut.

Von: Holger Kiesel

Stand: 21.03.2018

Symbolbild für Resilienz: Fast reife Äpfel auf dem Baum, schneebedeckt. Um die Kälte auszuhalten, brauchen sie viel Kraft. | Bild: picture-alliance/dpa

Wer resilient ist, kann belastenden Situationen also leichter etwas entgegensetzen. Ganz ähnlich wie in der Werkstoffphysik, woher der Begriff ursprünglich stammt. Dort gelten Stoffe als resilient, die nach schwerer Belastung wieder in ihren früheren Zustand zurückkehren.

Wann Resilienz gefragt ist

Alle denkbaren Lebensereignisse und -bedingungen können unsere Resilienz fordern: Trennung, Todesfall, Verlust des Arbeitsplatzes oder eine schwere Erkrankung. Aber auch bei der Bewältigung vieler kleinerer Herausforderungen des Lebens hilft Resilienz.

Der Ursprung des psychologischen Begriffs

In der Psychologie begann man in 1950er Jahren, sich mit dem Thema Resilienz zu beschäftigen. Berühmt bis heute ist eine Studie aus dem US-Bundesstaat Hawaii. Sie befasste sich mit der Frage, wie sich Kinder, die aus prekären Lebensverhältnissen stammen, später entwickeln. Grundannahme war: Wer eine schwere Kindheit hat, bei dem ist ein späteres Scheitern quasi programmiert. Die Ergebnisse langjähriger Beobachtungen überraschten die Forscher: Ungefähr ein Drittel der Kinder führten als Erwachsene trotz schwieriger Ausgangsbedingungen ein recht normales Leben, ohne kriminell, süchtig oder sozial abgehängt zu sein.

Umstrittener Begriff

Einige Forscher sehen den Begriff der Resilienz heute auch deswegen kritisch, weil er so interpretiert werden kann, dass die Menschen selbst schuld seien, wenn sie nicht resilient genug bleiben. So ist das aber nicht gemeint.

"Wenn wir herausfinden, was Menschen grundsätzlich widerstandsfähiger macht und wie die entsprechenden Faktoren gestärkt werden können, bleibt es dennoch eine gesellschaftliche Aufgabe, für möglichst humane Lebensbedingungen zu sorgen."

Prof. Reinhart Schüppel, Chefarzt der Johannesbad Fachklinik Furth im Wald

Die Rolle der Gene

Resilienz ist zum Teil schon in unseren Genen angelegt. Ein Beispiel: Wer angeborenerweise Stresshormone besonders schnell abbauen kann, kommt besser mit Krisen klar, weil der Stress im Körper nicht so lange nachwirkt. Auch die Stärke unseres Immunsystems oder die Verfügbarkeit des Botenstoffs Serotonin im Gehirn (sozusagen zuständig für 'gute Laune') spielen genetisch eine wichtige Rolle.

Resilienz hat nichts mit "Härte" zu tun

Resilienz bedeutet Widerstandskraft. Sie hat nichts mit emotionaler Härte oder Gefühlskälte zu tun. Im Gegenteil: Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und das empathische Eingebundensein sind häufig Eigenschaften besonders resilienter Menschen.

"Resilienz ist eher eine Art Stärkung für die Seele, etwa so wie ein Saunagang für den Blutdruck oder das Immunsystem."

Prof. Reinhart Schüppel, Chefarzt der Johannesbad Fachklinik Furth im Wald


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