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Was ist Morbus Parkinson?

Von: Beate Beheim-Schwarzbach, Ulrike Ostner

Stand: 12.04.2021

Zitternde Hände | Bild: picture-alliance/dpa

Experte

Prof. Dr. med. Günter U. Höglinger, Direktor der Klinik für Neurologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG e. V.).

Morbus Parkinson ist eine sogenannte neurodegenerative Erkrankung. Dabei gehen u.a. im Mittelhirn Nervenzellen zugrunde, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Da Dopamin aber für den reibungslosen Ablauf der Muskelbewegungen sorgt, führt ein Mangel zu den für Parkinson-Patienten typischen Beschwerden, dem Zittern, der Muskelsteifheit und der Bewegungsverlangsamung. Die Krankheit schreitet schleichend immer weiter fort. Parkinson ist bislang nicht heilbar, doch mit Hilfe verschiedener Medikamente können Parkinson-Patienten über viele Jahre gut behandelt werden. Außerdem raten Ärzte zu Physio-, Ergo- und Logopädie.

Chronisch degenerative Erkrankung

Bereits 1817 hat der Londoner Chirurg und Paläontologe James Parkinson die „Schüttellähmung“ in einem wissenschaftlichen Aufsatz beschrieben. Nach ihm wurde die Krankheit benannt.

"Parkinson ist eine schleichende, chronische Erkrankung, bei der Nervenzellen kumulativ geschädigt werden, das heißt Schädigungen anhäufen). Zwar sterben schon im normalen Alterungsprozess bei Gesunden einige diese Zellen ab, fällt die Zellzahl aber unter 50 Prozent, dann beginnen die ersten motorischen Symptome der Parkinson Krankheit offensichtlich zu werden."

Neurologe Prof. Günter Höglinger

Erkrankungsalter

Das typische Erkrankungsalter für Parkinson liegt bei rund 60 Jahren, Männer sind genauso betroffen wie Frauen. Zwar gibt es auch jüngere Parkinson-Patienten im Alter von 40 Jahren, doch generell gilt: Je älter man wird, desto größer wird das Risiko. In der Altersgruppe der über-60jährigen ist ca. ein Prozent betroffen.

Steigende Patientenzahlen

Da die Gesellschaft immer älter wird, nehmen die absoluten Zahlen der Parkinson-Patienten zu. Hinzu kommt, dass Mediziner die Krankheit heute gut diagnostizieren können und in einem früheren Stadium als vor 20 oder 30 Jahren erkennen. Vor allem in den hochentwickelten Ländern der Welt nimmt die Zahl von Parkinson-Patienten mehr und mehr zu.

Mutierte Gene

Bei einer positiven Familienanamnese (Analyse von Krankheitsfällen im Stammbaum eines Patienten) kann man oft erkennen, ob Parkinson vererbt wurde oder nicht. Aber auch ohne familiäre Häufung kann eine genetisch bedingte Form einer Parkinson-Krankheit vorliegen, z.B. bei Patienten mit einem auffällig frühen Erkrankungsalter (z.B. unter 45). Liegt ein Verdacht vor, stellen Wissenschaftler mit Hilfe moderner gendiagnostischer Verfahren fest, ob eines der zwölf mittlerweile eindeutig identifizierten Parkinson-Gene mutiertVeränderungen trägt ist, die die Erkrankung hervorrufen können. Ist das der Fall, kann im Einzelfall das Risiko, Parkinson weiter zu vererben bei bis zu 50 Prozent liegen. Bei Patienten ohne weitere Krankheitsfälle in der Familie bzw. einem Krankheitsbeginn nach dem 45 Lebensjahr ist auch das Weitervererbungs-Risiko in der Regel gering.

Umweltursachen können Parkinson auslösen

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass viele Parkinson-Patienten vor Krankheitsbeginn mit Pestiziden zu tun hatten. Dabei handelt es sich z.B. um Personen, die in der Landwirtschaft arbeiten, wie beispielweise Bauern, oder um auch Menschen, die auf dem Land leben. Auch in Experimenten konnte bestätigt werden, dass bestimmte Pestizide Parkinson hervorrufen können Weitere Risikofaktoren für die Parkinson-Krankheit sind traumatische Hirnschädigungen bei Kontaktsportarten. Schläge auf den Kopf sollten daher vermieden werden (z.B. beim Boxen, Kopfball beim Fussball, Köpfer vom Zehn-Meter-Brett).

Schützende Faktoren

Heute ist bekannt, dass Personen, die rauchen und viel Koffein konsumieren, ein geringeres Risiko haben, Parkinson zu bekommen. Bisher weiß man nur, dass dieser Zusammenhang besteht, die Ursachen dafür sind jedoch noch nicht bekannt und werden in experimentellen Modellen und Studien untersucht. Ebenso reduziert häufige körperliche Aktivität im frühen und mittleren Lebensalter das spätere Parkinson-Risiko.

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