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Es kann an allem fehlen Was bedeutet Mangelernährung?

Grundsätzlich kann man von jedem Nahrungsbestandteil zu wenig zu sich nehmen oder bei einer künstlichen Ernährungstherapie zu wenig davon erhalten. Grob unterscheidet man zwischen Makro- und Mikronährstoffen.

Von: Holger Kiesel

Stand: 29.06.2018

Symbolbild: Frau isst eine Tablette auf einer Gabel. | Bild: Colourbox

Zu den Makronährstoffen zählen die Eiweiße (Proteine) mit ihren kleinsten Bausteinen, den Aminosäuren, sowie die Kohlenhydrate und Fette. Proteine und Fette sind besonders wichtig, da sie der Körper nicht selbst herstellen kann. Sie gelten als sogenannte essenzielle Nahrungsbestandteile. Kohlehydrate dagegen kann der Stoffwechsel aus Fetten und Eiweiß sowie gespeicherten Reserven selbst erzeugen. Dennoch werden vor allem zur Versorgung von Glukose abhängiger Organe (z.B. Gehirn) täglich 150 bis 200g Kohlenhydrate von einem Erwachsenen benötigt. Die Makronährstoffe sollten in einem möglichst ausgewogenen Verhältnis zugeführt werden.

Die Mikronährstoffe

Die Liste der Mikronährstoffe, von denen jeder einzelne Mangelerscheinungen auslösen kann, wenn er nicht ausreichend vorhanden ist, ist nahezu endlos lang. In diese Gruppe gehören beispielsweise alle Vitamine und Spurenelemente.

Beispiel Zink

Was ein Mangel an nur einem dieser zahllosen Stoffe bedeuten kann, verdeutlicht das Beispiel Zink: Fehlt es uns an diesem Spurenelement, können über dreihundert Stoffwechsel-Prozesse im Körper nicht mehr normal ablaufen. Dies kann gravierende Folgen haben, etwa in Form von massivem Durchfall, der dann den Ernährungszustand des Betroffenen weiter verschlechtert. Hinweise zu den empfohlenen Referenzwerten einzelner Nährstoffe liefert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Viel hilft NICHT viel!

Unser Körper benötigt alle Nährstoffe in ausreichender, aber nicht in unendlich großer Menge. Im Gegenteil: eine Überdosierung kann sogar schädlich sein. Denken wir zum Beispiel nur an die Hypervitaminosen. In der Ernährungstherapie bei Mangelernährung ist bei der Berechnung des Nährstoffbedarfs gegebenenfalls ein höherer Bedarf anzusetzen.

Nahrungsergänzungsmittel

Viele greifen heute regelmäßig zu sogenannten 'Nahrungsergänzungsmitteln', um vermeintliche Nährstoffmängel auszugleichen oder ihnen vorzubeugen. Tatsächlich medizinisch notwendig ist das allerdings nur selten. Wer sich einigermaßen ausgewogen ernährt, bekommt in der Regel alle Nährstoffe, die sein Körper braucht in ausreichender Menge. Selbst wenn eine Erkrankung vorliegt, kann mit Hilfe einer gezielten Ernährungsberatung oder einzelner vom Arzt verordneter Substrate einem Mangel entgegengewirkt werden.

"Nahrungsergänzungsmittel sind vor allem ein gigantisches Geschäft! Im besten Fall helfen sie nicht und im schlimmsten Fall richten sie großen Schaden an!"

Dr. Jens Putziger, zertifizierter Ernährungsmediziner und Leiter der Arbeitsgruppe Mangelernährung beim Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner


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