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Zweisprachige Erziehung Warum sich Bilingualität lohnt

Wissenschaftler sind sich einig: Wenn man es konsequent macht, hat zweisprachige Erziehung nur Vorteile. Bilinguale Menschen sind offener für kulturelle Unterschiede, haben ein feineres Gefühl für Kommunikation und im Berufsleben tendenziell bessere Chancen. Trotzdem halten sich einige hartnäckige Vorurteile bei diesem Thema. Claudia Maria Riehl ist Leiterin der Internationalen Forschungsstelle für Mehrsprachigkeit an der LMU München und klärt uns auf.

Von: Marlene Mengue

Stand: 12.03.2018

Mädchen vor einer Tafel mit mehrsprachigen Begrüßungsformeln | Bild: colourbox.de

Fangen Kinder, die bilingual erzogen werden, später an zu sprechen?

Das kann der Fall sein, ist aber überhaupt kein Problem. Das hängt damit zusammen, dass Kinder zwei Sprachen in ihrem Gehirn prozessieren müssen und dementsprechend mehr Zeit brauchen, um das zu verarbeiten. Der andere Grund kann sein, dass sie in beiden Sprachen jeweils prozentual weniger Input bekommen als ein einsprachig aufwachsendes Kind. Spätestens, wenn sie im Kindergarten sind, sprechen bilinguale Kinder aber genauso viel wie alle anderen.

Lernen Kinder, die zweisprachig aufwachsen, beide Sprachen ein bisschen, aber keine richtig?

Das stimmt nicht. Wenn Kinder den entsprechenden Input bekommen und die Spracherziehung nach bestimmten Regeln erfolgt, lernen die Kinder die Sprachen ganz genauso wie einsprachig aufwachsende Kinder. Allerdings hat ein zweisprachig aufwachsendes Kind nicht einen doppelt so großen Wortschatz wie ein einsprachiges, denn die unterschiedlichen Sprachen spricht es in jeweils unterschiedlichen Situationen.

Werden Kinder durch die zweisprachige Erziehung überfordert?

Prof. Dr. Claudia Maria Riehl, Institutsleitung Institut für Deutsch als Fremdsprache, LMU München

Das stimmt auch nicht. Das menschliche Gehirn ist dafür ausgerichtet, dass man ein Sprachvermögen anlegt, aber nicht, dass man nur eine bestimmte Sprache lernt. Wenn ein Kind überfordert ist oder eine Sprachstörung hat, wäre das auch mit nur einer Sprache der Fall. Solche Störungen werden nicht durch Zweisprachigkeit ausgelöst.

Wichtig bei zweisprachiger Erziehung:

"Ein zweisprachiges Kind braucht etwa doppelt so viel Input wie ein einsprachiges. Jede der beiden Erziehungspersonen muss mit dem Kind mehr reden, als wenn sie sich das in einer Sprache teilen würden. Vor allem auch ein qualitativ hochwertiger Input ist wichtig. Damit der Wortschatz erweitert wird, muss man verschiedene Satzstrukturen anbieten. Das geht auch durch vorlesen. Da muss eben mal der eine ran und mal der andere. Das ist wirklich viel Arbeit für die Eltern, aber es lohnt sich."

Claudia Maria Riehl, LMU


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