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Immer schneller, immer besser! Warum Produktivität in der Wirtschaft so wichtig ist

Made in Germany ist ein weltweites Markenzeichen geworden. In Effizienz sind wir sogar Weltmeister. Man kann das auch Produktivität nennen. Ein Begriff, der in der Wirtschaft oft verwendet wird. Nicht nur für einen einzelnen Betrieb ist die Produktivität wichtig - auch für eine gesamte Volkswirtschaft.

Von: Stefan Schmid

Stand: 14.09.2018

Geldscheine | Bild: colourbox.com

Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erklärt, warum eine höhere Produktivität für eine Volkswirtschaft gut ist:

"Wenn ich besonders leistungsfähig bin und wenn ich in einer bestimmten Zeit einen besonders großen Kuchen backe, dann habe ich auch eine ganze Menge Kuchen zu verteilen."

Karl Brenke, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

Produktivität steigt stetig

Der Kuchen, um den es in diesem Fall geht, ist die Wirtschaftsleistung, die im Durchschnitt in einer Arbeitsstunde entsteht, die sogenannte Arbeitsproduktivität pro Stunde. Da Arbeitsabläufe und Maschinen ständig besser werden und die Menschen immer klüger, ist es ganz normal, dass die Produktivität jedes Jahr um einen gewissen Prozentsatz zunimmt. Allerdings sinkt dieser Prozentsatz schon seit vielen Jahren:

"Wir haben bei den Steigerungsraten nur noch ein Fünftel dessen, was wir in den 70er-Jahren kannten."

Karl Brenke

Immer mehr Dienstleistungsaktivitäten

Karl Brenke

Dass die Produktivität immer schwächer zunimmt, beobachten Volkswirte auch in anderen Ländern Europas und in den USA. Eine Erklärung ist, dass ein Wechsel hin zu den Dienstleistungsaktivitäten stattfindet. Im Tourismus oder Pflegebereich beispielsweise ist die pro Stunde erbrachte Wirtschaftsleistung längst nicht so hoch wie in der Industrie oder in Forschung und Entwicklung.

Weniger Investitionen

Einen weiteren Grund sieht Brenke darin, dass die Industrienationen bei den Innovationen nachlassen: Der Kapitaleinsatz sinkt, die Produktivität entwickelt sich langsamer. Momentan ist der langsamere Fortschritt noch kein großes Problem. Aber auf längere Sicht sollte die Produktivität wieder stärker steigen, hofft Karl Brenke:

"Positiv ist, wir brauchen relativ wenig Wirtschaftswachstum, um die Beschäftigung aufzubauen. Aber auf der anderen Seite haben wir ja, wenn ich auf die demographische Entwicklung sehe, mehr und mehr das Problem, dass die Zahl der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter abnimmt und eine relativ kleine Zahl an Erwerbstätigen eine immer größere Zahl an Personen finanzieren muss, die im Ruhestand ist."

Karl Brenke

Staat kann auch helfen

Der Staat kann durchaus helfen, die Produktivität zu steigern: Durch eine bessere Infrastruktur, etwa durch schnellere Datenautobahnen oder intelligentere Verkehrssysteme, und durch eine effizientere Verwaltung oder durch Investitionen in die Bildung.

"Wenn wir ein gut ausgebildetes Arbeitskräftepotential haben, führt das auch dazu, dass die Produktivität steigt."

Karl Brenke


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