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Bohemian Rhapsody und Rocketman Warum Filme über Musiker gerade boomen

Zwei Filme nach dem gleichen Muster: "Bohemian Rhapsody" erzählt die Geschichte von Freddie Mercury und "Rocketman" zeichnet die Karriere von Elton John nach. Kein Zufall, denn Filme über Musiker sind für die Künstler und deren Plattenfirmen lukrativ.

Von: Matthias Scherer

Stand: 01.07.2019

Rocketman | Bild: Paramount Pictures

Es sind zwei der ikonenhaftesten Songs der letzten fünfzig Jahre: "Bohemian Rhapsody" von Queen, ein hymnisches Pop-Rock-Epos - und "Rocketman" von Elton John, eine getragene Ballade für die Ewigkeit. Sie wurden in den 70er Jahren veröffentlicht, sie sind die musikalischen Aushängeschilder ihrer Interpreten und sie sind die Namensgeber für die Filme über diese Interpreten. Beide sind die Krone einer kleinen Welle von Filmen, die einzelne Kapitel der Pop-Geschichte nachzeichnen und so Millionen von Menschen in die Kinos locken. Egal ob die Zuschauer 17 oder 57 Jahre alt sind.

Legenden werden gepflegt, Kassen klingeln

Songs wie "Don't stop me now" oder "Bohemian Rhapsody" kennt, dank Streamingdiensten wie Youtube oder Spotify, jeder. Dementsprechend groß ist das potenzielle Filmpublikum und damit der potenzielle finanzielle Gewinn. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zuschauer nach dem Kino-Besuch nach Hause gehen und ein Queen- oder Elton-John-Album streamen, ist relativ hoch - was die Künstler und ihre Plattenlabel freuen dürfte. Und: Filme über echte Musiker*innen sind zu einem gewissen Grad fast auch immer Legenden-Pflege.

Bei "Bohemian Rhapsody" waren die Queen-Mitglieder Brian May und Roger Taylor an der Produktion beteiligt. Bei "Rocketman" fungierte Protagonist Sir Elton John ebenfalls als Executive Producer.

Unterhaltung statt Faktentreue

Hundert Prozent geschichtlich akkurate Porträts sind von diesen Filmen nicht zu erwarten. Sie müssen vor allem unterhalten - und nach höchstens zweieinhalb Stunden vorbei sein. Daher ist es stimmig, wenn in "Rocketman" bestimmte Vorfälle durch hervorragend choreografierte Musical-Einlagen zusammengefasst werden.

Dass "Bohemian Rhapsody" Freddy Mercurys Homosexualität als schmuddeliges Ärgernis darstellt, ist dagegen weniger leicht zu verzeihen.

Jede Menge Stoff für Filme

Die Fülle an Informationen über Popmusik der letzten fünfzig Jahre - ob in Büchern oder im Netz - macht es für Regisseure einfach, Stoff für Filme über Musiker zu finden. Je wilder die Geschichte einer Band, desto einfacher ist es, ein Drehbuch zu schreiben. Zumindest theoretisch. "The Dirt", ein im Frühjahr von Netflix veröffentlichter Film über die Glam-Metal-Band Mötley Crüe, ist zwar voller Sex- und Drogen-Eskapaden, aber als Geschichte über ein musikalisches Phänomen und eine Gruppe von glaubwürdigen Charakteren ein kompletter Fehlschlag.

Gelungener sind oft Filme, die sich bei den Stories von unbekannteren Bands und Künstlern bedienen. Zum Beispiel "Lords of Chaos": Ein Anfang 2019 erschienener Film über die norwegische Black-Metal-Szene der frühen 90er Jahre. Oder Ethan Hawkes neuer Film "Blaze". Er erzählt die Geschichte von Country-Sänger Blaze Foley, der in den 70er und 80er Jahren im Schatten seines besten Freundes Townes Van Zandt Musik machte und 1989 erschossen wurde.

Solange es Musik gibt, werden Fans von den Geschichten hinter den Songs fasziniert sein. Und es wird immer Filmemacher geben, die diese Geschichten mit Liebe und Sorgfalt erzählen.


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