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60 Jahre Barbie Warum Barbie eine verkannte Feministin ist

Was musste sich Barbie schon alles anhören. Sie sei zu dünn, zu pink, zu nackt, zu sexy. Pädagogen schießen seit 60 Jahren gegen diese Puppe. Und Barbie? Sie steigt in ihren Porsche, macht schnell noch den Pilotenschein und sattelt die Pferde. Barbie hat Spaß.

Von: Laura Selz

Stand: 09.03.2019

"Barbie ist so ein Relikt aus der Vergangenheit. Jeder hat sie noch, weil sie dann doch sehr robust sind. Die Puppen sind da, weil sie über Generationen vererbt wurden."

– Max, Vater

Seine Töchter Mathilda und Charlotte mögen Barbie, als eine Puppe unter vielen. Sie breiten ihre Schätze auf dem Fußboden aus. Barbie-Pferde, Barbie-Kutschen, diverse Accessoires, Schuhe, Kleider, Ketten, Barbie-Meerjungfrauen – es ist ein ganzes Barbie-Universum.

Dass diese Puppe mit ihren surrealen Modelmaßen schon für heftige feministische Diskussionen gesorgt hat, ist ihnen nicht bekannt. Sie sind sechs und acht Jahre alt. Und für sie ist Barbie in erster Linie ein robustes Spielzeug. Barbie hält viel aus. Barbie bekommt einen Bart mit Edding. Barbie verliert ein Bein. Bekommt die Haare gefärbt oder abgeschnitten. Barbie wird Ken mit dem Teddybären untreu. Barbie verliert ihren Kopf. Barbie wird umgestyled.

Es gibt die, die sie kriegen aber dann nur ihre Phase damit haben. Und dann gibt es die, die sie unbedingt wollten, aber nicht bekamen – wie die heute erwachsene Sophie:

"Meine Mutter war absolut dagegen und da gab‘s auch keine Diskussion. Sie war dagegen, dass Frauen aussehen wie Außerirdische. Dazu kam noch die Konsumkritik."

– Sophie

Barbie als Hassobjekt

Barbie hat ihr eigenes Geld. Barbies Konto. Ihr eigenes Auto. Ihr eigenes Haus. Sie steht nicht am Herd, sondern geht lieber shoppen. Barbie hat einen Pilotenschein und renoviert ihr Haus. Sie geht zum Ball und danach in den Pool. Ein pinker Feminismus der Moderne. Ein Mädchen, das sich alles nimmt. Sie wird zum Hassobjekt.

Heute ist Barbie zur Metapher geworden. Und keiner guten. Frauen werden als Barbies beschimpft, wenn sie zu viel Wert auf ihr Äußeres legen. Es gibt einen Schönheitswahn, der sich Barbie-Syndrom nennt. Auf Tinder bitten Männer darum, bitte keine Barbie zu daten. Keine Tussis. Barbie ist zu plastisch. Zu nackt. Zu dünn. Zu pink. Zu sexy. Es ist nicht gut, wie sie aussieht.

"Wenn ich bei anderen Kindern zum Spielen war, kam für mich nichts in Frage außer Barbie spielen. Freundinnen von mir hatten so Whirlpools wo man wirklich Wasser reintun konnte, wo man auf einen Knopf drücken und Blasen rauspumpen konnte, das war der Wahnsinn. Und lustiger Weise hat meine Oma, die sich wirklich null darum geschert hat, mir dann eine Barbie verbotenerweise geschenkt. Und die musste in eine Kiste und diese Kiste stand ganz hinten im Schrank."

– Sophie

Die verkannte Feministin

Barbie als heimliche Freundin, die, mit der man nicht spielen darf? Das reiche, verwöhnte Bad Girl mit ihrem Porsche. Die ewige Blondine.

Dabei hatte ihr Hersteller Mattel sich das eigentlich mal ganz anders gedacht. 1959 war Barbie eine Revoluzzerin. Ein Gegenentwurf zu den Babypuppen, mit denen Mädchen Mama spielen sollten. Anstatt zu heiraten und hinter dem Herd zu verschwinden, wollte Barbie einfach nur Spaß haben. Ihren Pilotenschein machen und danach noch die Pferde satteln.

Ab den 60ern brachte Mattel auch farbige Barbies auf den Markt. Und vor fünfzehn Jahren bekamen die Puppen eine breitere Körperform. Sie sollte realistischer werden. Die Umsätze brachen ein, und erholen sich nur langsam. Die Topseller bleiben bis heute die Meerjungfrau und die blonde Ballkönigin.

Was bleibt vom Hype?

Heute, im Kaufhaus, gibt es nur noch eine kleine Barbie Ecke. Ein brusthohes Regal, zwei Fächer. Ein überschaubares Sortiment verschiedener Puppen und Accessoires. Die Verkäuferin sagt, es läuft nicht mehr so gut. Die Auswahl ist tatsächlich divers, aber der große Hype ist vorbei.

"Also früher waren die Regale mit den Barbies riesengroß. Da gab‘s so viele, dass Du dich nie hättest entscheiden können, welche du jetzt am liebsten haben magst. Und hier ist jetzt so ein Sortiment von Kleidern, Mänteln, drei Reihen mit Puppen. Also das ist jetzt nix mehr."

– Sophie


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