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Bayerns Nichtwähler Wählen nur noch die Reichen?

In wenigen Tagen ist Landtagswahl. Auch dieses Jahr werden von den 9,5 Wahlberechtigten mehrere Millionen nicht zur Wahl gehen. Wer sind diese Nichtwähler? Und warum gehen sie nicht zur Wahl? Wie kann man dem entgegenwirken? Eine Spurensuche.

Von: Robert Grantner, Lennart Bedford-Strohm

Stand: 08.10.2018

47,7 Prozent – mit diesem Ergebnis bei der Landtagswahl 2013 in Bayern rühmt sich der damalige Parteichef und jetzige Bundesinnenminister Horst Seehofer bis heute.

„Damit ist das Jahr 2008 Geschichte. Wir sind wieder da“, so Seehofer im Siegestaumel. Fast jeder Zweite hatte damals der CSU die Stimme gegeben, das bedeutete die absolute Mehrheit. Doch stimmt das wirklich, „jeder Zweite“?

Wenn man genauer hinschaut und die Zahlen analysiert, kommt man schnell zu einem ganz anderen, weniger glorreichen Ergebnis von nur 29,2 Prozent. Nämlich dann, wenn man die ca. 3,5 Millionen stimmberechtige Bayerinnen und Bayern berücksichtigt, die 2013 erst gar keinen Wahlzettel ausgefüllt haben.

Experten aus ganz Europa sprechen darüber, wie dieser Teufelskreis der sinkenden Wahlbeteiligung besonders in sozial schwachen Milieus gestoppt werden kann. Denn Studien zeigen schon lange: Je sozial benachteiligter ein Stadtteil oder Wahlbezirk ist, desto weniger Menschen gehen dort zur Wahl. In Nürnberg-West etwa wählte 2013 nur noch knapp die Hälfte. Wohingegen im wohlhabenden München-Land-Süd die höchste Wahlbeteiligung mit 74,3 Prozent gemessen wurde.

Wie lange verkraftet unser demokratisches System diesen hohen Anteil an Nichtwählern noch? Ab wann sind Wahlen nicht mehr legitim, weil kaum einer mehr daran teilnimmt? Wer sind diese 3,5 Millionen Nichtwähler (2013)? Und warum scheint sich die Politik nicht mehr für sie zu interessieren?


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