Bayern 2


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Bayern genießen Wachs - Bayern genießen im Februar

Lichtmess am 2. Februar war schon in der sogenannten heidnischen Antike ein wichtiger Kerzen- und Lichtfesttag - ganz ähnlich wie heute. Wir haben bei Bayern genießen dazu wie immer ein paar unterhaltsame Themen zusammengetragen.

Stand: 29.01.2020 | Archiv

Hier unsere Genuss-Themen aus den bayerischen Regionen rund ums Motto "Wachs"

Kostbar: Der Wachszieher und Wachsmodelkenner Hans Hipp. Von Sarah Khosh-Amoz
Glänzend: Wachs als nachwachsender Rohstoff. Von Birgit Fürst
Strahlend: Der Regensburger Dommesner und seine Kerzen. Von Thomas Muggenthaler
Rutschig: Langlaufski richtig wachsen. Von Anja Bischof
Historisch: Wachsgewinnung früher. Von Tanja Oppelt
Echt: Wachssiegel und ihre Verwendung in Würzburg. Von Christiane Scherm
Gesund: Das Wachs- und Honigdorf Seeg im Allgäu. Von Viktoria Wagensommer

Der Regensburger Dommesner und seine Kerzen

Bis zur Erfindung der Elektrik war das Licht der Kerzen, wie gesagt, die sauberste unter allen künstlichen Beleuchtungen. Kerzen haben deshalb schon in der sogenannten heidnischen Antike gut gepasst zum Buß- und Reinigungsfest am Ende der langen winterlichen Fest- und Feierzeit, den römischen Lupercalien. Man hat Lichterprozessionen veranstaltet und den Jahresvorrat an Kerzen geweiht. Ganz so, wie heute noch in der katholischen Kirche an Mariä Lichtmess. Lichtmess ist heute am 2. Februar - vierzig Tage nach Weihnachten. In der Antike allerdings hat man - ähnlich wie heute noch in der Orthodoxie, erst ab dem 6. Januar gezählt, dem Fest der Erscheinung des Herrn. Deswegen waren Lupercalien, respektive Lichtmess, erst am 14. Februar - der Valentinstag, ein Festtag der Liebe, ist davon übriggeblieben. Aber lassen sie sich von dem scheinbaren Terminwirrwarr nicht durcheinanderbringen. Tatsache ist, dass in den Kirchen und Domen bis heute Kerzen zu Lichtmess in riesiger Menge geweiht und anschließend das Jahr über verbraucht werden. Auch wenn die Kerzenvielfalt heute größer ist als früher. Schon in der Antike übrigens hat man sich vorgestellt, dass Kerzen, die zu Lichtmess geweiht worden sind, Unheil aller Art abwehren. Zum Beispiel, wenn man sie während eines Gewitters anzündet. Sie könnens ja einmal ausprobieren und sich morgen welche weihen lassen. Ein bisserl was wird schon dran sein. So eine Kerzenflamme kann jedenfalls eine ganz eigenartige Wirkung auf uns Menschen entfalten.

Wachsgewinnung früher im Nürnberger Land

Aus den alten Bienenstöcken mussten früher die Waben mit ihrem süßen Inhalt herausgeschnitten werden. Deswegen hat der Bienenzüchter früher Zeidler geheißen; von romanisch cidere = schneiden. Eigennamen wie Zeitler oder Ortsnamen wie Zeilarn, Zeitlarn, Zeitelwaidt oder Zeitzenhof erzählen davon. Zu diesen Namen sind die Orte natürlich bloß deshalb gekommen, weil sie besonders geeignet waren als Bienenweide. Gegenden mit großen Nadelwäldern zum Beispiel. Im Jahr 748 bereits wird die Zucht von Waldbienen in einer Urkunde des bayerischen Herzogs Odilo erwähnt. Im 14. Jahrhundert dann formierten sich die Zeidler zu einer eigenen Zunft. Eines ihrer bedeutendsten Zentren hatte die Zeidlerei im Nürnberger Reichswald. Der Marktflecken Feucht bei Nürnberg beherbergte von 1350 bis 1796 das kaiserliche Zeidelgericht und trägt heute noch einen Zeidler samt Bienenkorb im Wappen. Und im Zeidelmuseum erfahren Sie alles über die 12000jährige Kulturgeschichte von Bienen, Honig und Wachs, es gibt Kunstausstellungen, Vorträge und Imkerkurse für Anfänger und Fortgeschrittene.

Der Wachszieher Hans Hipp in Pfaffenhofen a.d.Ilm

Es gibt einen einfachen Grund, warum die Zeidlerei jahrhundertelang gerade um Nürnberg herum so geblüht hat: Nürnberg war im Mittelalter und der frühen Neuzeit die mit Abstand größte und reichste Stadt im heutigen Bayern. Die Nürnberger Lebküchner brauchten für ihre berühmten Erzeugnisse, die damals übrigens das ganze Jahr über verkauft wurden, Unmengen an Honig und selbstverständlich wurde in so einer großen Stadt tonnenweise Kerzenwachs verbraucht. Selbstverständlich aber waren Honig und Wachs auch anderswo begehrt. Dafür sorgte seit dem Mittelalter ein eigener Beruf: Der des Lebzelters und Wachsziehers. Noch bis hinein ins 19. Jahrhundert hatten die Lebzelter das Monopol auf die Verarbeitung von Honig und Wachs. Erst als Zucker immer billiger wurde und man Bienenwachs durch Paraffin oder ähnliche Produkte zu ersetzen begann und Kerzen darüber hinaus industriell herstellte, verlor dieser Beruf an Bedeutung. Aber noch bis ins 20. Jahrhundert war echtes Wachs eine wichtige Handelsware und in den Zeiten davor fast eine Art Geldersatz. Vor allem in der wallfahrtsfrommen Barockzeit hatten die Lebzelter und Wachszieher alle Hände voll zu tun, sogenannte Wachsvotive zu modellieren. Die in Modeln geformten Votivgaben besaßen keinen Docht. Sie wurden in Wallfahrtskirchen abgelegt, wenn man ein Anliegen hatte beziehungsweise in großer Not war. Je aufwendiger das Wachs modelliert und gefärbt war, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass es eine Zeit überdauerte, bevor es eingeschmolzen und in Kerzen umgewandelt wurde. Hans Hipp aus dem oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm kennt sich da besonders gut aus. Er entstammt einer uralten Lebzelter- und Wachszieherfamilie mit über 400jähriger Tradition. Sein sehenswertes Lebzelter- und Wachsziehereimuseum in Pfaffenhofen wird derzeit zwar umgebaut und ist erst wieder ab Mitte des Jahres geöffnet. Hier gibt's einen kleinen Vorgeschmack.

Wachssiegel und ihre Verwendung in Würzburg

Der Sonnengott Apoll war bei den alten Griechen der Gott aller Künste, aller Geistesblitze und Einfälle. Die Künste, griechisch technai - unser Wort Technik kommt daher -, die Künste brauchen schließlich Licht. Nicht bloß Helligkeit, sondern auch die Erleuchtung des Geistes, durch die man erst auf Ideen kommt. Schon vor Jahrtausenden hat man davon gesprochen, dass einem ein Licht aufgegangen ist, wenn er einen Einfall gehabt hat. Dem griechischen Erztechniker Daidalos, Dädalus sind reihenweise solche Lichter aufgegangen. Zum Beispiel hat er sich und seinem Sohn Ikaros Flügel gebaut hat und die Federn dafür mit Wachs befestigt. Pech bloß, dass der Sohn beim Fliegen nicht auf den Vater gehört hat, der Sonne zu nahe gekommen ist, wodurch das Wachs schmolz und er abstürzte. Dädalus soll daraufhin in Sizilien gelandet sein, einen Tempel errichtet und dort seine Flügel Apoll geopfert haben, dem Gott der Künste natürlich. Einfälle, wozu man Wachs verwenden kann, hats natürlich zu allen Zeiten gegeben. Von den ältesten Zeiten bis weit ins Mittelalter hat man auf Wachstäfelchen geschrieben, man hat Wachs erhitzt, Farbpigmente hineingemischt und damit gemalt - Enkaustik heißt die Technik, die zum Beispiel ägyptischen Mumienporträts ihre Leuchtkraft und Frische verleiht. Wachs kam auch als Modelliermasse beim Bronzeguss zum Einsatz und selbstverständlich hat man es zum Siegeln, Versiegeln verwendet. Wachs läuft flüssig in alle Poren und verschließt deswegen nachdem es festgeworden ist Flaschen und andere Behältnisse genauso sicher wie Briefe. Leider ist das Brief-Siegeln ein bisschen abgekommen. Aber es gibt immer noch Leute, die sich dafür interessieren. Entweder weil sie selbst siegeln - oder, weil sie zum Beispiel historische Siegel sammeln. Beim Bayerischen Hauptstaatsarchiv zum Beispiel kann man sich Nachgüsse von Siegeln historischer Persönlichkeiten erwerben.

Langlaufski richtig wachsen in Bayreuth

Zu den seit der Antike bekannten technischen Einsatzmöglichkeiten von Wachs zählt auch das Polieren von Möbeln und vielen anderen Sachen. Wachs schließt feinste Poren und Unebenheiten, wodurch nicht bloß Glanz entsteht, sondern die polierten Flächen auch besonders glatt werden. Es ist übrigens kein Zufall, dass Glanz und glatt mit dem gleichen Anlaut gl- anfangen. Zu dieser Wortfamilie gehören auch glimmen, gleißen und glitzern, das Glosen, das Glühen und die Glut genauso wie das Glas oder die spiegelglatt glänzende Glatze. Und selbstverständlich gehört der Gletscher dazu. Der ist gleißend hell und glasig glatt zugleich - glitschig halt. Und wer auf so einem glitschigen Untergrund dahinrutscht, der gleiteteben. Worauf ein Großteil unserer klassischen Wintersportarten beruhen. Und letztendlich wieder das Wachs ins Spiel kommt. Anleitungen für das richtige Wachsen von Langlauf- oder Alpinski gibt’s viele im Internet. Wir waren dafür im Fichtelgebirge. Gerade der über tausend Meter hohe Ochsenkopf und der noch höhere Schneeberg gegenüber sind ja Wintersportparadiese. Selbst in einem schneearmen Winter wie heuer.

Das Wachs- und Honigdorf Seeg im Allgäu

Bienen und ihre Erzeugnisse erfreuen sich einer in den letzten Jahren ins nahezu Ungeheure angewachsenen Beliebtheit. Das Schlagwort vom Bienensterben hat die Runde gemacht - und auf einmal haben ganz ganz viele ihr Herz für Biene Maja und Co entdeckt. Dabei gibt es das Bienensterben überhaupt nicht. Wohl gibt es immer wieder Krankheiten, Schädlinge und Schadstoffe, die den Honigbienen, wie übrigens auch den Wildbienen und vielen anderen Insekten mehr oder weniger stark zusetzen können. Aber nach allem was man weiß, hat sich da in den letzten Jahrzehnten prinzipiell gar nicht so viel geändert und nach wie vor gilt, dass die seit vielen Jahrtausenden wirtschaftlich genutzte Honigbiene gar nicht aussterben kann - solangs Imker gibt. Und die gibt’s tatsächlich in Europa immer weniger. Vielleicht sollte man deshalb eher von einem Imkersterben reden. Diesbezüglich allerdings ist der Ort Seeg im Ostallgäu fein heraus. Weil es dort überdurchschnittlich viele Imker gibt: Von den insgesamt knapp 3000 Einwohnern betreiben sage und schreibe 55 Imkerei. Da hats gepasst, dass man eh grad auf der Suche nach einem touristischen Alleinstellungsmerkmal war, weshalb man sich gleich das Siegel Honigdorf gegeben hat. Und weils dort, wo viel Honig entsteht, auch viel Wachs gibt, gibt’s in Seeg natürlich auch Leute, die wissen, was man damit alles machen kann…


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