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Verfolgung Homosexueller Vor 25 Jahren wurde der "Schwulenparagraf" aufgehoben

Wegen § 175 des deutschen Strafgesetzbuches wurden 64.000 Menschen verurteilt. Heute vor 25 Jahren endete die strafrechtliche Verfolgung homosexueller Männer. Betroffene kämpfen bis heute um Entschädigungen.

Von: Dagmar Pepping

Stand: 11.06.2019

Paragraf 175: Homosexualität strafbar | Bild: BR

Der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck erinnert sich gerne an den 11. Juni 1994. "Da war für uns eine große Erleichterung. Es war ein endlos langer Kampf, den Paragraf 175 aus dem deutschen Recht zu bekommen." Nach 123 Jahren, denn der §175 - im Volksmund "Schwulenparagraf" genannt - galt seit der Kaiserzeit. Die Nationalsozialisten verschärften ihn deutlich. Männern, die bei sexuellen Handlungen mit dem gleichen Geschlecht entdeckt wurden, drohten lange Gefängnisstrafen. Während die Bundesrepublik den Paragraf aus der Nazizeit übernahm, kehrte die DDR zur alten Fassung zurück und schaffte ihn 1968 ab.

"Ohne den Fall der Mauer, ohne die Bürgerbewegung in der DDR weiß ich nicht, ob wir 1994 schon die Streichung des §175 gesehen hätten."

Volker Beck

FDP forderte zuerst die Abschaffung

Die Politik sah lange keinen Handlungsbedarf. Vor allem die CDU und die Kirchen hätten vor dem Laster und der Sünde gewarnt, sagt Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband Deutschlands. "Da brauchte man den §175 als Damm dafür. Bis 1969 war der sittliche Verfall des ganzen Volkes die Drohgebärde, die das alles legitimierte", so Ulrich. 1969 beschloss die Große Koalition eine Strafrechtsreform. Homosexualität war keine Straftat mehr, wenn die Männern älter als 21 Jahre waren. Die Zahl der Verfahren ging deutlich zurück. 1973 senkt der Gesetzgeber das Schutzalter auf 18 Jahre. Im Jahr 1980 war die FDP die erste Partei, die forderte, den §175 zu streichen. Die Grünen brachten diese Forderung 1985 erstmals als Antrag in den Bundestag ein.

Entschädigung auch für U-Haft

Seit März können auch nicht verurteilte Homosexuelle eine Entschädigung beantragen. 1500 Euro für jedes angefangene Jahr Untersuchungshaft, 500 Euro pro Ermittlungsverfahren. Das sei richtig so, sagt Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband, die Folgen seien für die Betroffenen schließlich die gleichen gewesen. Der Verlust der beruflichen Existenz beispielweise.


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