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Mission Waldhummel Von Insekten und Pestiziden

Der europäische Streit um die Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat ist noch nicht beigelegt, da steht der EU bereits die nächste Auseinandersetzung bevor. Diesmal geht es um die Gruppe der Neonicotinoide. Zu den strikten Gegnern ihrer Verwendung in der Landwirtschaft gehört einer der führenden Bienenforscher Europas, der Brite Dave Goulson. Inzwischen ist er richtiggehend auf einer Mission.

Von: Stephanie Pieper, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 18.03.2018

Insekten sind die große Leidenschaft von Dave Goulson von der University of Sussex. Mehr als 20.000 verschiedene Arten gibt es allein unter den Bienen. Viele denken, es gebe nur die Honigbiene, sagt Prof. Goulson. Dabei ist sie aber sozusagen nur die Spitze des Eisbergs, den es gibt Kegelbienen, Kuckucksbienen, Mauerbienen, Sandbienen, Schweißbienen, Wollbienen und noch andere Bienenarten mehr. Die Welt ist voll von kleinen und großen Bienen.

Dave Goulson warnt eindringlich vor dem Insektensterben

Das Ausmaß des Insektensterbens nennt der britische Forscher deprimierend, eine Katastrophe für die Natur und den Menschen. Gäbe es keine Insekten mehr, mahnt Goulson, dann käme das Leben auf der Erde zum Stillstand. Den Schuldigen für das Insektensterben macht Goulson vor allem in der industriellen Landwirtschaft aus. So würden die Pflanzen-Monokulturen im Laufe ihres Wachstumszyklus, so Goulson, teils mit 20 verschiedenen Pestiziden behandelt.

"Mir scheint, dass wir letztlich die Fähigkeit des Planeten untergraben, uns zu ernähren - und die Bienen sind der Beleg dafür. Was wir der Welt antun, macht sie vielerorts nicht mehr bewohnbar für Leben."

Prof. Dave Goulson

Zwar dürfen Neonics inzwischen nicht mehr der Saat für blühende Pflanzen - zum Beispiel Sonnenblumen - beigemischt werden. Bei nichtblühenden Pflanzen wie etwa Gerste oder Weizen sind diese Insektizide aber in vielen europäischen Ländern weiterhin erlaubt. Ein Fehler, sagt Goulson. Selbst wenn blühende Pflanzen nicht direkt mit diesen Chemikalien behandelt würden, so der Bienenforscher, fänden sich die Chemikalien trotzdem später nicht selten in der Nahrung der Bienen wieder.

"Ich bin dafür, dass wir den Einsatz dieser Mittel entweder ganz verbieten oder stark einschränken."

Prof. Dave Goulson

Genau darüber werden die EU-Staaten in absehbarer Zeit entscheiden.

Zur Person

Sie ist Dave Goulsons Lieblingsbiene: die Waldhummel. Von ihr gibt es nur noch eine Hand voll Populationen in Großbritannien.

Dave Goulson tritt in der Landwirtschaft für mehr Bio, mehr kleine Höfe, mehr Vielfalt ein. Vor mehr als zehn Jahren gründete Goulson den "Bumblebee Conservation Trust", einen Verein, der sich dem Schutz der nur noch gut 25 Hummel-Arten in Großbritannien verschrieben hat. Rund 10.000 Mitglieder des Bumblebee Conservation Trusts engagieren sich inzwischen landesweit dafür, den natürlichen Lebensraum von Hummeln zu erhalten oder zu verbessern. Sie legen etwa spezielle Wiesen an oder pflanzen in ihren Gärten bestimmte Blumen.

Bücher über Insekten von Dave Goulson, die auf Deutsch erschienen sind
"Die seltensten Bienen der Welt: ein Reisebericht"
"Und sie fliegt doch: Eine kurze Geschichte der Hummel"
"Wenn der Nagekäfer zweimal klopft: Das geheime Leben der Insekten"


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