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Das bleibt hängen Von dem Nutzen und der Schönheit des Kleiderbügels

Es gibt ihn für Kleider, Blusen, Hosen und auch Schuhe: den Kleiderbügel. In verschiedenen Kulturen und Zeitepochen sieht er anders aus. Diese Vielfalt fasziniert den Sammler Matthias Dülp. Ein Teil seiner Sammlung ist derzeit in Nürnberg zu sehen.

Von: Susanne Roßbach

Stand: 26.03.2019 | Archiv

"Kleiderbügel sind Haushaltsgeräte, die zum Aufhängen von Kleidungsstücken in Schränken oder in Garderoben dienen. Sie sind der Schulterform des Menschen nachgebildet und dienen zum Aufhängen und Verstauen von Oberbekleidung wie Mänteln und Jacken, aber auch Hemden und Blusen. Oft besitzen sie noch eine Querstange, an der man Hosen aufhängen kann."

Online-Lexikon Wikipedia

Die Geschichte des Kleiderbügels

Soweit, so klar. Schwieriger wird es bei der Frage nach der Geschichte des Kleiderbügels.

"Die erste bildliche Darstellung eines Kleiderbügels wird um 1425 datiert. Es ist also davon auszugehen, dass er nochmal ein Stück älter ist. Da sehen wir ihn halt das erste Mal auf einer kolorierten Zeichnung aus dem Handbuch der Zwölfbrüderhausstiftung, die in der Nürnberger Stadtbibliothek aufbewahrt wird. Zwei Faksimiles davon sind hier in der Ausstellung zu sehen. Auf diesen Federzeichnungen sieht man zwei Mönche, beide sind Schneider, und im Hintergrund über Stangen hängen die frisch geschneiderten Kutten auf Kleiderbügeln."

Regine Franzke, Kuratorin der Kleiderbügelausstellung 'Aufgehängt und abgehakt' im Museum Industriekultur in Nürnberg

Der Bügel – und seine Kleider

Klerus, Militär und Adel – diese drei Gesellschaftsschichten benutzten ihn zuerst, den praktischen Kleiderbügel. Denn sie waren es, die entsprechend wertvolle Kleidung hatten, die es sorgsam aufzuhängen galt. So wie den prächtigen Chormantel, eine Leihgabe aus dem Diözesanmuseum in Bamberg.

"Man musste Ornate aufbewahren können. Kostbare Mäntel, die in der Liturgie verwendet werden. Und hier in der Vitrine sehen wir einen Chormantel des Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit feinster Stickerei auf Seide. Und diesen Mantel muss man auf einem speziellen Bügel aufbewahren. Der hat eine Breite von 2,20 Meter, ein Dreieck, nochmal verstrebt, das eben gewährleistet, dass der Mantel perfekt und ohne Falten aufbewahrt werden kann. Diese Bügel nennt man Paramentenbügel. Diese wurden früher in den Klöstern in eigenen Werkstätten produziert. Sie sehen ja auch: Der Haken hier oben, der ist handgeschmiedet."

Regine Franzke, Kuratorin der Kleiderbügelausstellung 'Aufgehängt und abgehakt' im Museum Industriekultur in Nürnberg

Auch für Uniformjacken mit ihren Verzierungen und schweren Schulterstücken, gibt es spezielle Bügel, deren Enden zur Unterstützung nach oben gebogen sind. Besondere Kleidung bedarf eben eines besonderen Bügels.

Die Alltagskleidung der einfachen Leute wurde zum Lüften oder Trocknen über Stangen in die Nähe des Ofens gehängt, zur Aufbewahrung an einen schlichten Wandhaken gehängt oder in eine Truhe gelegt. Der Kleiderschrank kam erst im 18. Jahrhundert in Mode und auch dann noch wurden die meisten Kleidungsstücke in Regalen liegend verwahrt. Erst im 19. Jahrhundert kamen schließlich Stangen in die Schränke, auf denen man die Kleidung auf Bügeln aufhängen konnte.

Kleider "von der Stange" ab Mitte des 19. Jahrhunderts

Eine frühe Art des Kleiderbügels ist der sogenannte Stabbügel. Er erleichterte das Aufhängen der Kleidung an Stangen, die unterhalb der Stubendecke angebracht waren. So konnten Jacken und Mäntel gelüftet werden und waren obendrein für Nagetiere unerreichbar. Der Stabbügel war auch für die beginnende Bekleidungsindustrie in der Mitte des 19. Jahrhunderts wichtig. Nun konnte man in Geschäften Kleidung "von der Stange" kaufen und bei den damals üblichen Raumhöhen von über drei Metern, wurde die Ware in zwei Etagen übereinander aufgereiht. Mit Hilfe des Stabbügels konnte der Verkäufer auch ohne Leiter die Kleidung aus der oberen Reihe herunterholen. Kleiderstangen gibt es auch heute noch.

Ein Faible für den Kleiderbügel – Sammler Matthias Dülp

An die 400 Kleiderbügel aus verschiedenen Epochen und in den unterschiedlichsten Varianten sind derzeit im Nürnberger Museum Industriekultur zu sehen. Sie stammen überwiegend aus der Sammlung von Matthias Dülp. Seit knapp 20 Jahren sammelt er Kleiderbügel. Angefangen hat seine Leidenschaft, als er die Wohnung seiner Schwiegereltern nach deren Tod ausräumen musste und im Kleiderschrank Bügel mit Werbeaufdrucken von Erlanger Geschäften fand.

"Ich habe eigentlich zwei Typen von Sammlungen, da ist kein Kleiderbügel wie der andere. Der eine Bereich ist der Bügel mit Aufschrift. Insbesondere der Holzbügel, der eine Aufschrift trägt und den man zuweisen kann. Wo Sie aus der Aufschrift, dem Stempel, erschließen können: Wo gehört der hin? Wer hat den produziert? In manchen Gegenden, speziell in Berlin aber auch in Augsburg habe ich Beispiele, da hat man auch gerne Reime gemacht. Oder auch in meiner Heimatstadt Bamberg gab es den sehr häufigen Bügel 'Kauf sparend bei Ahrend'. In Bamberg gab es auch 'Fescher durch Fischer' und 'Saus zu Kraus'. Das ist der Hauptteil der Sammlung. Der zweite Teil meiner Sammlung: Mich hat schon immer interessiert: Welche Typen gibt´s denn da von diesen Bügeln? Und ich bin ja jetzt noch erstaunt, dass dann immer mal wieder etwas hochkommt, wo man sagt: Das habe ich noch nicht gesehen, das ist ja ganz neu!"

Matthias Dülp, Sammler

Geschichte des Kleiderbügels – Ausstellung in Nürnberg

Die Ausstellung "Aufgehängt und abgehakt – Eine kleine Geschichte des Kleiderbügels" mit über 300 Kleiderbügeln aus der Sammlung von Matthias Dülp ist noch bis zum 28. April im Museum Industriekultur in Nürnberg zu sehen.

Immer wieder neue Modelle ließen sich die Hersteller von Reisekleiderbügeln einfallen: filigran und praktisch sollten sie sein.

"Diese Vielfalt hat mich wirklich überrascht! Die 50er und 60er Jahre waren die Hochzeit der Reisebügel. Entweder man hat sie geklaut in den Hotels, sowas zeigen wir auch: 'Bitte lass mich hängen' steht dann auf so einem Bügel. Hat aber nicht viel genutzt, denn die Leute haben den Bügel trotzdem mitgehen lassen. Andere Leute waren da etwas anständiger und haben sich Reisebügel mitgenommen, und in dieser Vitrine sieht man wirklich die unglaubliche Vielfalt an Ideen, wie man einen Bügel vergrößern und verkleinern kann, in Etuis und Täschchen packen und mitnehmen. Da gibt es die Ausziehbügel, da gibt es Bügel mit dem Scherengitterprinzip. Es gibt Bügel, die man nach oben faltet mit Gurtbändern, wunderschöne, witzige und originelle Objekte."

Regine Franzke, Kuratorin der Kleiderbügelausstellung 'Aufgehängt und abgehakt' im Museum Industriekultur in Nürnberg

Kleiderbügelausflug – nach Pfaffenhofen an der Ilm

Einer der größten Kleiderbügelhersteller Deutschlands ist die Firma Mawa in Pfaffenhofen an der Ilm. Mawa stand ursprünglich für Martin Wagner, der die Firma 1948 gegründet hat. Er entwickelte den ersten Hosenspanner. Heute hat das Unternehmen 70 Mitarbeiter und fertigt 12 Millionen Kleiderbügel im Jahr.

"Wir sind ein international tätiges Unternehmen für Kleiderbügel. Wir haben über 500 verschiedene Modelle. Wir fertigen Metallbügel, aber auch Holzbügel. Schwerpunktmäßig verkaufen wir Kleiderbügel für die Fashion Stores zur Warenpräsentation und der Endverbraucher ist mehr auf Metallbügel fokussiert, weil es da einen Platzspareffekt gibt. Wenn man von einem Kleiderschrank, in dem alle möglichen Kleiderbügel hängen, umstellt auf Mawa Metallbügel, dann spart man 40 Prozent Platz im Schrank. Man hat festgestellt: In den letzten 20 Jahren hat sich die Kleidung verdreifacht, aber die Kleiderschränke sind gleich geblieben."

Michaela Schenk, Geschäftsführerin der Mawa GmbH

Für jedes Kleidungsstück gibt es bei Mawa einen speziellen Bügel. Und manchmal wird auch passend zur Mode ein neuer Bügel entwickelt. Nicht nur die Form, auch die Farbe des Bügels spielt eine große Rolle – besonders auf dem internationalen Markt. Mawa liefert in 68 Länder. Der Exportanteil der Pfaffenhofener Firma liegt bei 82 Prozent. Die Amerikaner lieben rote Bügel. In Asien verkauft sich Glitzerpink besonders gut. Die Deutschen mögen es hingegen eher klassisch: weiß, schwarz oder silber.


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