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Generationenwechsel beim Sozialverband VdK: Visionen gegen eine soziale Spaltung

44 Jahre liegen zwischen der früheren Präsidentin des Sozialverbands VdK Ulrike Mascher und ihrer Nachfolgerin Verena Bentele. Doch beide treibt die Frage um, wie eine soziale Spaltung verhindert werden kann.

Stand: 15.06.2018

Verena Bentele und Ulrike Mascher | Bild: BR

Im Mai 2018 hat die 36-jährige Verena Bentele Ulrike Mascher an der Spitze des VdK abgelöst, die zehn Jahre lang Präsidentin des größten deutschen Sozialverbands war. Verena Bentele studierte Germanistik, war Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung und holte als sehbehinderte Spitzensportlerin zwölf Golmedaillen bei den Paralympics. Ihre Vorgängerin Ulrike Mascher hat Jura studiert, engagierte sich als Betriebsrätin und war Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium. Gemeinsam entwickeln Visionen für eine soziale Zukunft der Gesellschaft und blicken zurück auf die Geschichte des VdK.

"Viele Menschen haben das Gefühl, dass es nicht gerecht zugeht in unserem Land. Das finde ich verheerend. Sie haben den Eindruck: Die Reichen werden immer reicher und denjenigen, die nicht viel Geld haben, wird zu wenig geholfen. Das fängt im Alltag an und endet dort, wo große Unternehmen kaum noch Steuern zahlen. Da kommt bei den Betroffenen Wut auft – das kann so nicht bleiben."

Ulrike Mascher, bayerische Landesvorsitzende des VdK

Soziale Zukunftsthemen: Pflege, Integration, Arbeitsmarkt

Bayern2-Moderatorin Sybille Giel mit Verena Bentele und Ulrike Mascher

Ulrike Mascher ist stolz darauf, dass der VdK erreicht hat, dass die Unterstützung von pflegenden Angehörigen inzwischen gesetzlich geregelt ist – und dass die Renten in schlechten Zeiten nicht einfach gekürzt werden können. Für die Zukunft gibt es aber noch viel zu tun, da sind sich die ehemalige und die neue VdK-Präsidentin einig. Die größer werdene Kluft zwischen Arm und Reich, die fehlende Förderung von Frauen in Führungspositionen, aber auch die Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt sind nur einige der Themen, die dringend angepackt werden sollten, finden sie. Verena Bentele sieht es als gesamtgesellschaftliche Aufgabe an, eine soziale Spaltung zu verhindern. Hier sei jeder einzelne Bürger gefragt, die Politik, aber auch die Wirtschaft – zum Beispiel beim Thema Mindestlohn, aber auch in der Personalpolitik.

"Die Wirtschaft will möglichst wenig Regulierung. Aber dann sollte sie bitte auch wirklich innovative Konzepte vorlegen, wie Diversity Realität werden kann. Wie Menschen mit Behinderung einen Job finden, aber auch beispielsweise Ältere, die ihren Job verlieren. Mein größtes Ziel ist es, dass sich alle Menschen für eine bessere, faire, gerechte Gesellschaft engagieren."

Verena Bentele, VdK-Präsidentin

VdK: Von der Kriegsopferbetreuung zur Beratung für sozial Bedürftige

Die Abkürzung VdK stand bei der Gründung des Sozialverbands 1947 für "Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands". Damals ging es vor allem um verletzte Soldaten, Kriegswitwen und ihre Kinder. Seitdem haben sich die Aufgaben des Verbands gewandelt – von der Kriegsopferversorgung verschob sich der Schwerpunkt hin zur Rechtsberatung für sozial Bedürftige und deren Angehörige. 60 Jahre nach der Gründung trat Ulrike Mascher das Amt der VdK-Präsidentin an. Der Sozialverband versteht sich heute als "Verband der Kümmerer und Kämpfer", als politische Interessensvertretung seiner mehr als 1,8 Millionen Mitglieder in Themenfeldern wie Rente, Pflege, Teilhabe von Menschen mit Behinderung und Gesundheitsversorung. Die neue VdK-Präsidentin Verene Bentele will besonders das Bewusstsein für soziale Verantwortung stärken, vor allem bei jungen Menschen.

"Gerade beim Thema Rente brauchen wir viele junge Menschen, die sich für dieses komplizierte Thema einsetzen, das täglich viel Geld kostet. Deswegen hätten wir dringend am Tisch der Rentenkommission jemanden unter 40 Jahren gebraucht. Aber leider ist das nicht der Fall. Ich will keine Spaltung zwischen jungen und alten Menschen beim Thema Rente. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe."

Verena Bentele


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