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Ursachen des Heuschnupfens Warum eine Pollenallergie entsteht

Allergien sind mittlerweile eine Art Volkskrankheit, bei der – ganz generell - das Immunsystem aus der Bahn gerät. Warum das so ist, dafür kennen Wissenschaftler heute eine ganze Reihe von Ursachen.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 22.09.2018

Birkenpollen werden vom Wind verblasen | Bild: Imago Stock

Während man früher viele Allergien vor allem auf die Umweltverschmutzung zurückführte, sieht man heute beispielsweise folgende Risikofaktoren:

  • Genetische Komponenten,
  • Lebensstil und veränderte Nahrungsmittelaufnahme,
  • hygienische Bedingungen,
  • Klimawandel,
  • Exposition gegenüber Allergenen.

Genetische Komponenten

Wer viele Verwandte mit Pollenallergie hat, ist tendenziell eher gefährdet, ebenfalls Heuschnupfen zu bekommen. Sind beide Elternteile betroffen, liegt das Risiko für ein Kind bei etwa 60 bis 80 Prozent selbst krank zu werden.

Lebensstil und veränderte Nahrungsmittelaufnahme

Nach Beobachtung von Wissenschaftlern entwickeln Migranten, die in ihrer Heimat keine Allergien hatten, bereits nach zwei Jahren Aufenthalt in Deutschland das gleiche Risiko an Allergien zu erkranken wie Einheimische.

"Allerdings steigen inzwischen allergische Erkrankungen in ihrer Häufigkeit nicht nur in den Industrieländern, sondern vor allem auch in den sogenannten Entwicklungsländern, vor allem in Südostasien und Südamerika."

Dr. Adam Chaker, HNO-Facharzt am Klinikum rechts der Isar in München

Hygienische Bedingungen

Ob man eine Pollenallergie bekommt, entscheidet sich unter anderem möglicherweise auch schon in der Kindheit, und zwar dann, wenn das Immunsystem nicht genügend gefordert wird. Kinder in ländlicher Umgebung mit einer Reihe von Geschwistern oder mit Erfahrung in der Kinderkrippe sind scheinbar seltener betroffen.

"Im Moment denkt man eigentlich, dass uns die mikrobielle Vielfalt fehlt, denn wir haben zu wenige Bakterien auf unserer Haut und in unserem Lungen- und Darmsystem. Deswegen wäre es gut, die Exposition zu diesen Bakterien zu erhöhen, doch wie das geschehen sollte, ist wissenschaftlich nicht abgesichert."

Prof. Jeroen Buters, Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM) Technische Universität München

Folgen des Klimawandels

  • Auf Grund des Klimawandels und den damit verbundenen steigenden Temperaturen fliegen Pollen immer früher im Jahr und auch noch später. Pollenflugfreie Monate werden also weniger.
  • Und: Der erhöhte CO2-Gehalt (Kohlenstoffdioxid) in der Luft führt dazu, dass Pflanzen mehr Pollen freisetzen. Auch NOx (Stickoxide) und Feinstaube spielen eine wichtige Rolle und verändern z.B. den Pollen.
  • Außerdem siedeln sich mittlerweile Pflanzen in Deutschland an, die vor ca. 100 Jahren hier noch völlig unbekannt waren, wie z.B. Ambrosia, die hochallergene Pollen entwickelt.
  • Darüber hinaus verändern sich viele Pollen auf Grund von Umweltveränderungen biochemisch an ihrer Oberfläche, und auch das trägt möglicherweise dazu bei, dass die menschliche Schleimhaut Pollen anders wahrnimmt.

Exposition gegenüber Allergenen

Wissenschaftler diskutieren, welche Rolle es spielt, wenn man sich häufig potentiell Allergie-auslösenden Stoffen aussetzt, sich also oft exponiert. Möglicherweise haben die Patienten, die oft mit Allergenen in Berührung kommen ein höheres Sensibilisierungsrisiko. Beobachtet wird aber auch, dass Patienten, die sich den potentiell Allergie-auslösenden Stoffen weiter aussetzen, dagegen eine Toleranz entwickeln. Eine Handlungsempfehlung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.


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