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Verschiedene Risikofaktoren Ursachen der Herzinsuffizienz

Je nach Ursache kann sich eine Herzinsuffizienz akut innerhalb weniger Stunden oder über viele Jahre hinweg entwickeln. Bei Verdacht auf Herzschwäche ist es daher aus medizinischer Sicht wichtig, sich von der allgemeinen Symptomatik zu den jeweils vorliegenden, fallspezifischen Besonderheiten vorzutasten.

Von: Max Tenschert

Stand: 25.04.2016

Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht fasst sich an die Brust | Bild: colourbox.com

Zu den wichtigsten Ursachen einer Herzinsuffizienz zählt in Deutschland die koronare Herzerkrankung. Dabei handelt es sich um eine Verengung der Herzkranzgefäße. Im schlimmsten Fall kann eine derartige Verengung zu einem Herzinfarkt führen, bei dem Herzmuskelgewebe abstirbt.

"Ungefähr 35 bis 40 Prozent der Herzschwäche-Fälle in Deutschland beruhen auf der koronaren Herzerkrankung."

Prof. Dr. Stefan Störk

Häufiger Risikofaktor: Das Alter

Neben der koronaren Herzerkrankung gibt es eine Reihe weiterer Ursachen einer Herzschwäche, die zunehmend bei älteren Patienten auftreten können.

Allen voran: hoher Blutdruck. Dieser kann in Bezug auf eine Herzschwäche besonders dann gefährlich werden, wenn der hohe Blutdruck über Jahre hinweg nicht adäquat behandelt wurde. In so einem Fall können sich verdickte Herzwände entwickeln, die im höheren Alter zu einer Unterversorgung der Herzmuskelzellen mit Sauerstoff beitragen können. Eine derartige Unterversorgung des Herzens kann sich in Folge zu einer Herzinsuffizienz entwickeln.

Eine weitere Ursache für eine Herzschwäche im höheren Alter können Herzklappenfehler darstellen. Hier gibt es zwei besondere Fallkonstellationen: Einerseits verkalkt die Herzklappe mit dem Alter zunehmend, was in der Regel durch den Alterungsprozess des Körpers verursacht wird. Der Effekt der Verkalkung der Herzklappe kann allerdings durch verschiedene Risikofaktoren verschärft werden. Zu diesen Faktoren zählen unter anderem Diabetes und zu hohe Blutfettwerte. Andererseits kann eine durch einen Herzklappenfehler hervorgerufene Herzschwäche durch eine Vergrößerung des Herzens, auch bekannt als Kardiomyopathie, verursacht werden. Diese führt im zunehmenden Alter häufig zu einer Aufweitung des Herzklappenrings. Beide Konstellationen können auch eine akute Herzinsuffizienz hervorrufen.

Weitere Ursachen einer Herzschwäche

Weiterhin existiert eine Reihe an Ursachen, die mittel- bis weniger häufig zu einer Herzschwäche führen können – wie etwa Herzrhythmusstörungen. Hier spielt insbesondere das sogenannte Vorhofflimmern eine wichtige Rolle. In selteneren Fällen kann auch eine Herzmuskelentzündung, auch bekannt unter dem Fachbegriff Myokarditis, eine Herzinsuffizienz verursachen. Eine Entzündung des Herzmuskels kann beispielsweise durch Infektionen mit Viren, Bakterien und Pilzen entstehen.

"Hier ist es wichtig, den Verdacht einer Myokarditis sofort auszuräumen oder zu bestätigen, damit man gezielt behandeln kann."

Prof. Dr. Stefan Störk

Diabetes als Risikofaktor

Auch Stoffwechselstörungen, wie zum Beispiel Diabetes mellitus Typ 2, können zur Entwicklung einer Herzschwäche beitragen. Wenn eine Kombination aus Diabetes und Herzinsuffizienz das Krankheitsbild der Patienten prägt, stehen die Prognosen für einen komplikationsfreien Krankheitsverlauf bislang deutlich schlechter.

Herzschwäche durch unzureichende Behandlung

Eine Herzinsuffizienz kann auch als Folge einer nicht ausreichend behandelten Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder gar eines Herzinfarktes entstehen. Bei der Behandlung einer Myokarditis spielen die Selbstheilungskräfte des Körpers eine wichtige Rolle. Die behandelnden Ärzte schaffen in diesem Zusammenhang optimale Voraussetzungen, dass sich der Organismus und das Herz von selbst gut erholen können. Im Heilungsprozess der Herzmuskelentzündung ist auch die Vermeidung von Stress von enormer Bedeutung. Bei einem anhaltenden, hohen Stresslevel ist daher die Gefahr groß, dass die Myokarditis nicht ausheilen kann und sich im Herz festsetzt. Das kann wiederum zu bleibenden Schäden am Herzen führen. Ähnlich ist die Situation beim Herzinfarkt. Hier bedarf es innerhalb von 60 Minuten nach dem akuten Verschluss des Herzkranzgefäßes einer Intervention, etwa durch den Einsatz der Kathetertechnik, um den Patienten sehr gute Chancen auf das Ausbleiben dauerhafter Schäden am Herzen zu ermöglichen. Sollte die Intervention bei einem Herzinfarkt dagegen zu spät erfolgen oder gar ausbleiben, kann sich die Pumpfunktion des Herzens durch das resultierende Absterben von Herzmuskelgewebe rapide verschlechtern. Die verminderte Pumpfunktion kann sich dahingehend auch auf den Alltag der Patienten auswirken, dass selbst einfache Tätigkeiten nicht mehr beschwerdefrei durchgeführt werden können.

"Insofern ist es ganz wichtig, dass man bei diesen Beschwerden früh den Arzt aufsucht und klärt, ob ein schlimmes Problem besteht, das sofort der Behandlung bedarf – ein chronisches Problem, was man konsequent nachbehandeln muss – oder, und das ist eben auch sehr häufig, ob vielleicht gar keine Herzschwäche vorliegt und die Symptome auf etwas anderes zurückzuführen sind."

Prof. Dr. Stefan Störk

Herzschwäche und Coronavirus

Ob und wie sich das Coronavirus SARS-CoV-2 auf eine Herzschwäche auswirken kann, ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend beantwortbar. Bislang wurde nachgewiesen, dass das Virus sehr unterschiedlich ausgeprägt bei den Patienten auftreten kann. In diesem Zusammenhang wurde von wissenschaftlicher Seite auch festgestellt, dass es bei einer Covid-19-Erkrankung eine Beteiligung des Herzens gibt. Dennoch ist bislang meist unklar, ob sich die Erkrankung zuerst auf den Herzmuskel setzt oder die Lungenbeschwerden verursacht.

"Aber insgesamt ist es schon so, dass man, wenn man ernsthaft oder schwer an der Coronavirus-Erkrankung leidet, sich tatsächlich in jedem Fall bei jedem Patienten Sorgen machen muss, ob und in welchem Ausmaß das Herz mit beteiligt ist."

Prof. Dr. Stefan Störk


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