Bayern 2


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Umweltpioniere Junge Menschen mit grünen Ideen

Mitte März sagte Christian Lindner, nicht Schüler sondern "Profis" sollten sich um komplexe Themen wie den Umweltschutz kümmern. Damit löste der FDP-Chef einen Sturm der Entrüstung aus. Denn immer mehr junge Nicht-Politiker entdecken das Thema Ökologie und Naturschutz für sich. Von klugen Büchern bis hin zu coolen Partys mit grünem Bewusstsein: fünf Beispiele aus Bayern.

Stand: 27.03.2019

Das Klimawandel-Buch: Christian Serrer und David Nelles

Die Buchautoren Christian Serrer und David Nelles.

Christian Serrer und David Nelles, beide Wirtschaftsstudenten der Zeppelin-Universität Friedrichshafen, haben "Kleine Gase – große Wirkung: Der Klimawandel" geschrieben – ein kompaktes Büchlein im Hosentaschenformat. Auf 132 Seiten vermitteln sie mit kurzen Texten und anschaulichen Grafiken grundlegendes Wissen zum Klimawandel. Zum Beispiel, was es mit der Albedo-Rückkopplung auf sich hat – sprich mit von Schnee- und Eisflächen reflektierter Sonnenstrahlung ins Weltall. Unterstützung haben sich die beiden jungen Autoren dabei von über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geholt. Trotzdem bezeichnen die Autoren ihr Werk als "von Doofen für Doofe". Wenn ein Laie eine komplizierte Materie verstanden habe, könne er dies anderen Unwissenden wesentlich besser verständlich erläutern als jeder Experte. Übrigens hoffen die beiden Studenten, dass möglichst viele Menschen nach der Lektüre ihren eigenen Lebensstil überdenken und ändern – so wie sie selbst auch.

"Kleine Gase - Große Wirkung: Der Klimawandel" von Christian Serrer und David Nelles ist im Eigenverlag für 5 Euro erschienen.

"Fridays for Future": Miriam Bergmann

Miriam Bergmann

Die "Fridays for Future"-Bewegung wächst und wächst - auch in Aschaffenburg. Beim ersten Versuch waren es 1.200 Teilnehmer, die sich Anfang Februar auf dem Stiftsplatz getroffen haben. Später wurden es sogar noch mehr. Eine, die sich intensiv bei "Fridays for Future" engagiert, ist die 16-jährige Miriam Bergmann aus der Nähe von Aschaffenburg. Miriam ist fest entschlossen. Ihr geht es nicht nur darum, bei den Demos möglichst viele hinter sich zu versammeln. Ihr geht es um das große Ganze.

"Ende Gelände": Sina Reisch und Mo

Sina Reisch und Mo.

Der Hambacher Forst bei Köln ist der Wald, unter dessen alten Buchen und Eichen Hunderte Millionen Tonnen Braunkohle schlummern. Seit vielen Jahren protestieren hier schon Umweltschützer gegen den Kohleabbau. Seit 2015 immer vorne dabei: viele tausend Mitglieder des Aktionsbündnisses Ende Gelände, die sich für den Klimaschutz einsetzen – manchmal auch an den Grenzen der Legalität. Zwei von ihnen, die aus Bayern kommen, sind Sina Reisch (24) und Mo (28), der nur beim Vornamen genannt werden möchte.

Mit Besetzungen und Blockaden legen sie regelmäßig in den Kohleabbaugebieten die Infrastruktur lahm. Sie klettern auf die meterhohen Kohlebagger, organisieren Sitzblockaden, besetzen die Gleise der Kohlezüge – umringt von den Hundertschaften der Polizei.

Slowfashion: Sarah Schützenberger aus Augsburg

Sarah Schützenberger hat zu Hause keinen Kleiderschrank, sondern fünf Regalbretter, die sie sich mit ihrem Freund teilt. Darauf hat sie genau 52 Teile! Inklusive Mützen und Jacken. Die 24-jährige Studentin praktiziert "Slow Fashion", nachhaltige und bewusste Mode.

Angefangen hat das mit einem Experiment: Ein Jahr lang hat die Umweltethikerin keine Kleidungsstücke mehr gekauft, sondern sich aufgeschrieben was sie wirklich gerne hätte. "Am Ende waren es vier oder fünf Sachen", sagt sie. Mittlerweile hat sie nur noch Lieblingsteile, die sich gut kombinieren lassen und die sie bei kleinen Macken repariert. Ihr Engagement geht aber weit über ihren Kleiderschrank hinaus. Die überzeugte Rad- und Bahnfahrerin engagiert sich auch beim Forum Plastikfreies Augsburg - mit Stammtisch, Müllsammelaktionen und Veranstaltungen. Sarah ist zum Beispiel viel in Schulen unterwegs, um Schüler dafür zu sensibilisieren, Müll zu reduzieren.

"Greenhouse e.V.": Nora Serve und Felix Pätz

Die 28-jährige Nora Serve hat zusammen mit einer Gruppe von Freunden den Verein Greenhouse e.V. gegründet. Den Anfang machten Partys in Gewächshäusern. Inzwischen finden sich für die Veranstaltungen in und um Freising immer wieder andere Locations. Zum Beispiel in einem alten Biergarten, der auf Vordermann gebracht wird. Freunde und Freunde von Freunden sind es auch, die zu den Veranstaltungen kommen, bis zu 400 Leute. Essen gibt es dort nicht gegen Geld, sondern gratis oder auf Spendenbasis, röhrenförmige Nudeln ersetzen Plastikstrohhalme und Plakate mahnen, keine Zigarettenstummel wegzuwerfen. "Wir versuchen, die Jugendkultur in Freising ein Stück zu prägen", sagt Nora Serve, aber es gehe allen auch um Spaß. Für die Dekorationen bei den Events ist Felix Pätz, 29, zuständig. Er hat Karosserie- und Fahrzeugmechaniker gelernt, weshalb er gut schweißen kann. So erschafft er aus Müll kunstvolle Dekostücke.


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